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Dr. Eric Schweitzer, Präsident Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK)

Die Konjunktur in Deutschland verliert an Fahrt. Die Unternehmen blicken verhaltener auf ihre künftigen Geschäfte. Das zeigen die vielen Gespräche, die ich mit meinen Unternehmerkollegen habe, und das zeigt auch die DIHK-Konjunkturumfrage. Für 2018 rechnet der DIHK mit einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent. Damit bleibt die konjunkturelle Dynamik hierzulande hinter den Erwartungen zurück. 2019 dürfte es dann noch für ein Plus von 1,7 Prozent Wachstum reichen – immerhin.

Sorgen bereitet mir derzeit vor allem, dass der Export deutlich an Schubkraft einbüßt. Die Handelskonflikte verunsichern uns Unternehmer erheblich und bremsen schon jetzt die globale Investitionsdynamik – weitere Zuspitzungen nicht ausgeschlossen. Auch US-Zölle auf Autos aus der EU sind noch nicht vom Tisch. Zusätzliche Unsicherheit ergibt sich durch die Entwicklungen in einigen Schwellenländern. Durch Währungsabwertungen und den gestiegenen Ölpreis bleibt vielen Kunden weltweit auch weniger Geld für Produkte „Made in Germany“. Gleichzeitig rückt der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU immer näher. Die Hoffnung auf eine baldige Klärung der Brexit-Regeln sind bisher immer wieder enttäuscht worden. Schon Ende März 2019 fällt aber der Hammer.

Größte Antriebskraft für das noch immer stattliche Wachstum ist die Binnenwirtschaft. Neben dem weiterhin gut laufenden Arbeitsmarkt und seinen positiven Einkommenseffekten werden im nächsten Jahr finanzpolitische Spritzen, wie das Familienentlastungsgesetz oder die Mütterrente, wirksam. Zudem boomt der Bau weiter. Die Branche profitiert von den niedrigen Zinsen und dem Zuzug in städtische Gebiete sowie steigenden Infrastrukturinvestitionen. Die gute Beschäftigungssituation und höheren Löhne kurbeln den Konsum an. Aber, die Suche nach geeigneten Fachkräften wird immer schwieriger. Der Fachkräftemangel ist das Top-Risiko aus Sicht der deutschen Unternehmen. 62 Prozent sehen darin mittlerweile ein Hemmnis für ihre Geschäftsentwicklung. Das muss aufhorchen lassen. Schnelle Lösungen gibt es hier aber nicht.

Die deutsche Konjunktur kann sich nur schwer von der außenwirtschaftlichen Entwicklung losmachen. Umso wichtiger ist es daher natürlich, hierzulande seine Hausaufgaben zu machen. Gerade bei den Punkten Ausbau von Breitband- und Stromnetzen und beim Thema Steuern müssen wir noch besser werden, damit wir auch bei dünner Luft zu Höchstleistungen auflaufen können.