Christiane Hohmann ist seit rund einem Jahr deutsche Botschafterin in Norwegen. Mit uns spricht sie über den Wechsel von Bagdad nach Oslo, die außergewöhnlich engen deutsch-norwegischen Beziehungen und die Themen, die ihre Arbeit derzeit prägen.
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Frau Botschafterin, Sie haben Ihren Posten hier in Oslo vor rund einem Jahr angetreten. Haben Sie sich in Norwegen eingelebt?
Ja, obwohl ich zugeben muss, dass ich vom Land noch nicht ganz so viel gesehen habe, wie ich mir das wünschen würde. Im ersten Jahr galt es, das Netzwerk in der Hauptstadt aufzubauen. Jetzt freue ich mich darauf, das Land zu entdecken und die verschiedenen Regionen und ihre Menschen besser kennenzulernen. Gerade war ich zum Besuch des deutschen Außenministers in Bodø, und bald steht Stavanger auf dem Programm.
Zuvor waren Sie als deutsche Botschafterin im Irak. Was waren die Unterschiede?
Das ist ein großer Kontrast. Nicht nur klimatisch oder kulturell, sondern auch wie die Botschaft organisiert ist. Das Botschaftsgebäude in Bagdad ist gleichzeitig Arbeits- und Wohnort. Man kann sich das fast wie eine Erwachsenen-WG vorstellen – mit allen Situationen, die dazugehören (lacht). Reisen im Land sind nur unter Einschränkungen und mit Sicherheitsvorkehrungen möglich. Zudem ist die Arbeit anders strukturiert. Mein Stellvertreter und ich haben uns alle sechs Wochen abgewechselt. Es sind jeweils 11-Stunden-Arbeitstage, Sonntag bis Freitag, alles sehr intensiv. Danach gibt es sechs Wochen Pause. Hier in Norwegen ist alles ganz anders und näher dran am „klassischen“ Job eines Botschafters, einer Botschafterin.
Thematisch gibt es aber bestimmt Parallelen. Beide Länder sind große Ölproduzenten.
Das ist aber vermutlich die einzige große Gemeinsamkeit. Und auch hier ist die Ausgangslage ganz unterschiedlich: Im Irak ging es darum, erst einmal die Energiesicherheit und -versorgung im eigenen Land aufzubauen. Es ging um Stabilisierung und das Ziel, dass das Land dauerhaft für seine eigene Sicherheit sorgen kann – im Bereich Energie, aber auch politisch, militärisch und gesellschaftlich. In Norwegen sieht das ganz anders aus. Natürlich kauft Deutschland hier Gas. Aber in unserer Arbeit dominieren andere Themen, etwa Wasserstoff, Offshore-Wind oder CCS; die Etablierung neuer Technologien und deren Lieferketten. Und im Bereich Sicherheit geht es um gemeinsame Rüstungsprojekte und die Zusammenarbeit als NATO-Alliierte.
Gibt es weitere Themen, die Ihnen hier in Norwegen am Herzen liegen?
Bereiche wie die Raumfahrt oder Digitalisierung und Cybersicherheit sind ebenfalls wichtig. Zudem sehen wir beim Thema Gesundheitswesen großes Potenzial und wachsendes Interesse aus Deutschland. Unter anderem hier arbeiten wir natürlich auch eng mit der AHK zusammen. Sehr wichtig für mich ist zudem das Thema Deutsch als Fremdsprache. Ich will mich in meiner Zeit hier in Norwegen dafür einsetzen, die Attraktivität der deutschen Sprache, insbesondere als Schulfach, zu fördern. Sprache transportiert Kultur und leistet einen enorm wichtigen Beitrag für die Beziehungen zwischen Ländern.
Die Deutsch-Norwegischen Beziehungen werden derzeit oft als „enger denn je“ bezeichnet…
Das Verhältnis ist tatsächlich sehr eng. Deutschland gehört zu Norwegens wichtigsten Handelspartnern, beide Länder sind sich politisch nahe und denken in vielen Belangen gleich. Das sind Beziehungen mit einer Tiefe, die ich in keinem anderen Land erlebt habe. Dabei ist das keine Selbstverständlichkeit. Denken Sie an deren historischen Hintergrund.
Nur sechs Jahre nach dem Krieg, 1951, nahmen beide Länder wieder diplomatische Beziehungen auf.
Richtig, das ist 75 Jahre her und das feiern wir im kommenden Halbjahr auf verschiedenen Anlässen. Vom 4. bis zum 6. August wird als Auftakt ein Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr an verschiedenen Orten in Oslo auftreten – deutsche uniformierte Soldaten in der Osloer Innenstadt. Darüber denken wir heute nicht mehr groß nach, bei der Organisation hieß es von norwegischer Seite überall „na klar!“ Wenn man sich die Geschichte vor Augen führt, ist das absolut bemerkenswert. Eine Aussöhnung, die in kurzer Zeit in eine so enge Partnerschaft und Freundschaft übergegangen ist. Das wollen wir feiern. Dieser Status quo ist überhaupt nicht selbstverständlich und extrem wertvoll. Ihn so zu erhalten und noch zu vertiefen, das ist unsere zentrale Aufgabe.
Christiane Hohmann, geboren 1964 in Potsdam, ist seit Sommer 2025 deutsche Botschafterin in Norwegen. Nach einem Studium zur Sprachmittlerin für Englisch und Französisch absolvierte sie Anfang der 1990er Jahre die Ausbildung für den höheren Auswärtigen Dienst. Ihr Jahrgang war der erste, in dem Diplomatinnen und Diplomaten aus der ehemaligen DDR und der alten Bundesrepublik gemeinsam ausgebildet wurden. Stationen ihrer Laufbahn führten sie unter anderem nach Washington, Kamerun, Brüssel, Estland, Bosnien und Herzegowina sowie Albanien. Vor ihrem Wechsel nach Oslo war sie deutsche Botschafterin im Irak.
