Bild: Dag Jenssen
Heidelberg Materials, einer der größten Zementhersteller der Welt, ist neuer Premium-Partner der AHK Norwegen. Das Unternehmen konzentriert sich seit langem auf eine umweltfreundliche Zementproduktion zu. Das erregt international Aufmerksamkeit.
Beton für die Zukunft
Eine Welt ohne Beton ist kaum vorstellbar. Ob für den Bau von Krankenhäusern, Schulen, Eisenbahnen oder Straßennetzen: Wir sind auf Beton angewiesen, um die notwendigen Infrastrukturen und Gebäude der Zukunft zu schaffen. Dabei macht der enthaltene Zement nur rund 14 % des Betongewichts aus, dennoch entstehen mehr als 90 % des CO2-Fußabdrucks von Beton bereits während der Zementherstellung.
Das bedeutet, dass etwa 7 % der weltweiten CO2-Emissionen mit der Zementherstellung verbunden sind. Energiequellen und Rohstoffe können optimiert werden, um diese Emissionen zu verringern, aber um echte Einsparungen zu erzielen, ist die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung die offensichtliche und beste Option.
Im Jahr 2020 initiierte die norwegischen Behörden das Longship-Projekt, ein Demonstrationsprojekt zum Bau der weltweit ersten großtechnischen Anlage zur Kohlenstoffabscheidung in der Zementindustrie. Die Anlage zur Kohlenstoffabscheidung befindet sich im Zementwerk von Heidelberg Materials im norwegischen Brevik. Die CO2-Emissionen aus der Produktion werden im Schornstein aufgefangen, bevor sie auf ein Schiff verladen werden, das das Treibhausgas nach Øygarden bei Bergen transportiert. Dort wird das Treibhausgas 2.600 Meter unter dem Meeresboden verpresst.
CCS Brevik stößt auf deutches Interesse
Nach vierjähriger Entwicklungszeit steht die Anlage zur Kohlenstoffabscheidung kurz vor der Fertigstellung. Sie erregt international große Aufmerksamkeit, nicht zuletzt in Deutschland. Im Jahr 2023 besuchte Vizebundeskanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck die Fabrik in Brevik. Wenige Monate nach seinem Besuch kündigte er eine Kehrtwende in der deutschen Klimapolitik an: Die bis dato verbotene Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid soll in Deutschland legal werden. Der nötige Gesetzesentwurf liegt bereits dem Bundestag und Bundesrat vor.

Robert Habeck besuchte im Januanr 2023 die Anlage CCS Brevik.. Links im Bild der damalige norwegische Wirtschaftsminister Jan Christian Vestre. Foto: Dag Jenssen
Für den deutschen Baustoffhersteller Heidelberg Materials ist die Anlage zur Kohlenstoffabscheidung in Brevik auch ein wichtiger Lern- und Inspirationsfaktor für die zahlreichen Anlagen des Konzerns in mehr als 50 Ländern.
Wirtschaftliche Nachhaltigkeit
Für den grünen Wandel muss die Kohlendioxidabscheidung finanziell tragfähig sein. Als einer der weltweit größten Hersteller von Baumaterialien trägt Heidelberg Materials einen Großteil der Verantwortung für die Dekarbonisierung der Branche.
Das Unternehmen ist sich dieser Verantwortung bewusst und hat die ehrgeizigsten Nachhaltigkeitsziele der Branche. Bis 2030 wird das Unternehmen 1,5 Milliarden Euro in mehrere Projekte zur Abscheidung, Nutzung und Speicherung von Kohlendioxid (CCUS) investieren. Pia Prestmo, Government Relations Officer bei Heidelberg Materials Norway, betrachtet das Werk in Brevik als Flaggschiff, das ähnlichen Projekten in der ganzen Welt den Weg bereitet.
Anfang 2024 brachte Heidelberg Materials den weltweit ersten Zement auf den Markt, der mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung hergestellt wird, evoZero. Für klimabewusste Bauherren spielt dieser Zement eine wichtige Rolle beim Erreichen ihrer eigenen Nachhaltigkeitsziele.
Heidelberg Materials in Schweden
Eines der interessantesten Projekte zur Kohlenstoffabscheidung nach Brevik CCS ist Slite CCS. In dem Zementwerk auf Gotland in Schweden sollen bis zu 4 Prozent der gesamten schwedischen Klimaemissionen abgeschieden werden.
Ziel ist es, ab 2030 Netto-Null-Zement zu produzieren und durch den Einsatz von biogenen Brennstoffen negative Emissionen zu erzeugen. BECCS (Bioenergy with Carbon Capture) ermöglicht es, CO2 aus dem natürlichen Kreislauf zu entfernen und so die Emissionen zu reduzieren. Auf diese Weise will das Unternehmen nicht nur Verantwortung für die eigene Baustoffproduktion übernehmen, sondern auch dazu beitragen, die CO2-Belastung für die gesamte Region zu verringern.
