Die aktuellen norwegischen Handelsstatistiken bestätigen: Deutschland war auch vergangenes Jahr Norwegens größter Handelspartner. Norwegen lieferte 2024 vor allem Gas in die Bundesrepublik und kaufte dafür Fahrzeuge und Maschinen ein. In diesem Bereich erhält Deutschland aber zunehmend von einem anderen Land Konkurrenz.
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Das Norwegische Statistische Amt SSB hat Handelszahlen für das Jahr 2024 veröffentlicht. Diese heben Deutschland als wichtigen Handelspartner Norwegens hervor. Vergangenes Jahr lieferte das skandinavische Land Waren für rund 281 Mrd. NOK (ca. 24 Mrd. EUR) in die Bundesrepublik. Nur nach Großbritannien exportierte Norwegen im gleichen Zeitraum mit rund 339 Mrd. NOK (ca. 29 Mrd. EUR) noch mehr. An dritter Stelle in Norwegens Export-Ranking stehen die Niederlande mit rund 192 Mrd. NOK (ca. 16,4 Mrd. EUR).
Bei Norwegens Importen steht Deutschland mit rund 112,7 Mrd. NOK (ca. 9,64 Mrd. EUR) an dritter Stelle. Am meisten importierte Norwegen aus China für rund 128,4 Mrd. NOK (ca. 11 Mrd. EUR), gefolgt von Schweden, das mit 112,9 Mrd. NOK (ca. 9,65 Mrd. EUR) nur sehr knapp vor Deutschland liegt. Großbritannien belegt mit ca. 50 Mrd. NOK (ca. 4,27 Mrd. EUR) den fünften Platz.
Gemessen am Handelsvolumen (Importe und Exporte zusammengerechnet) war Deutschland mit über 393 Mrd. NOK (ca. 33,6 Mrd. EUR) auch 2024 Norwegens größter Handelspartner. Großbritannien liegt mit rund 389 Mrd. NOK (ca. 33,2 Mrd. NOK) knapp dahinter.
Deutschland bezieht Gas, Norwegen Maschinen und Fahrzeuge
Nach wie vor machen fossile Brennstoffe den mit Abstand größten Anteil von Norwegens Exporten nach Deutschland aus: 2024 bezog die Bundesrepublik Gas für rund 177 Mrd. NOK (ca. 15 Mrd. EUR) sowie Öl für 53 Mrd. NOK (4,5 Mrd. EUR). Deutschland bleibt somit Norwegens wichtigster Abnehmer von Gas – in kein anderes Land lieferte Norwegen 2024 mehr davon.
Umgekehrt kauft Norwegen laut Statistik vor allem deutsche Maschinen und Fahrzeuge. Sie bilden mit rund 63 Mrd. NOK (ca. 5,4 Mrd. EUR) den größten Posten in Norwegens Importen aus der Bundesrepublik. Größere Importe weist die Statistik zudem in den Bereichen „Chemische Produkte“ (16,5 Mrd. NOK bzw. 1,4 Mrd. EUR) und „Verarbeitete Waren“ (14,4 Mrd. NOK bzw. 1,2 Mrd. EUR) aus.
Fahrzeuge und Maschinen: Konkurrenz aus China macht sich bemerkbar
Bei den norwegischen Importen lag Deutschland 2023 noch auf dem ersten Platz vor China und Schweden. Aktuell liegt das Reich der Mitte deutlich an erster Stelle. Auch aus China bezog Norwegen vor allem Fahrzeuge und Maschinen – und zwar für rund 76,6 Mrd. NOK (ca. 6,8 Mrd. EUR), also mehr als aus Deutschland. Schon 2021 und 2022 verzeichnete China hier höhere Exporte nach Norwegen als die Bundesrepublik. Ob die Asiaten Deutschland auf dem norwegischen Automarkt den Rang abgelaufen haben, lässt sich anhand dieser Zahlen aber nicht klar bestimmen.
Ebenfalls größere Posten in den norwegischen Importen aus China in 2024 bilden laut Statistik zudem „verschiedene Fertigwaren“ und „verarbeitete Waren“. Das lässt unter anderem auf Online-Händler wie z.B. Temu schließen.
Handel wieder auf Niveau von 2021
Total hat Norwegen 2024 Waren im Wert von rund 1,8 Billionen NOK (ca. 154 Mrd. EUR) exportiert, während sich die die Gesamtimporte auf rund 1,1 Billionen NOK (ca. 91 Mrd. EUR) beliefen. Rund 16 Prozent des norwegischen Export- und rund 11 Prozent des Importvolumens entfallen somit auf Deutschland. Im Jahr 2022 war dies anders: Das deutsch-norwegische Handelsvolumen erreichte damals Rekordhöhen (s. Grafik); rund ein Drittel des gesamten norwegischen Exportvolumens entfiel auf die Bundesrepublik.

Grund dafür waren der Energieengpass in Deutschland und die hohen Preise am Gasmarkt, welche 2022 ihren Gipfel erreichten. Vor zwei Jahren bezog Deutschland allein Gas für rund 58 Milliarden Euro aus Norwegen. Jetzt scheint sich der Handel wieder zu langsam zu „normalisieren“ – er hat das Niveau des Vorjahres 2021 erreicht.
