Künstliche Intelligenz (KI) kann mehr als nur Texte schreiben. Das nutzt auch die produzierende Industrie. Unser Mitglied Bosch gilt in diesem Bereich als Vorreiter und setzt in seinen Fertigungslinien generative Sprach- und Bildmodelle ein. Dies macht sich bezahlt: Das Unternehmen steigert seine Produktivität und spart Geld.
Symbolbild: AdobeStock
Die weltweite KI-Euphorie musste diesen Sommer einen Knick hinnehmen, zumindest an der Börse. Dies änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass ChatGPT & Co. für viele aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Bei der Arbeit, etwa beim Erstellen von Texten, sind generative Sprachmodelle für viele Menschen zu einem festen Werkzeug geworden.
Doch der Einsatz künstlicher Intelligenz ist nicht nur auf Büro- und Kreativjobs beschränkt: Längst hat auch die Industrie das Potenzial der Technologie entdeckt und macht große Fortschritte. Schon heute wird KI in verschiedenen industriellen Bereichen eingesetzt: Etwa für intelligente Robotik in autonomen Fahrzeugen, für vorausschauende Wartung, oder die Erkennung von Mustern oder Anomalien in Datensätzen. Dabei ist das Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) könnte das verarbeitende Gewerbe in Deutschland durch einen breiteren Einsatz von KI seine Wertschöpfung um Milliarden steigern.
Bosch als Pionier
Ein Unternehmen, das bereits stark auf den industriellen Einsatz von KI setzt, ist unser Mitglied Bosch. Das Unternehmen gilt als Vorreiter im Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Industrie und integriert KI laut eigenen Angaben bereits in alle seine Produkte und Lösungen – sei es bei der Entwicklung, Produktion oder Überwachung.
Bosch setzt KI zum Beispiel bei der Qualitätssicherung von Hochdruckpumpen oder zur Überprüfung von Schweißungen in der Elektromotorenfertigung ein. Früher dauerte es laut dem Unternehmen mehrere Monate, dem System beizubringen, wie es beschädigte Bauteile, etwa Statoren, erkennen kann. Dank generativer KI ist es nun möglich, in nur drei Stunden 15.000 Vergleichsbilder künstlich zu erstellen, was einen erheblichen Fortschritt bedeutet. Diese Methode verbessert nicht nur die Qualität der Produktion und spart Kosten, sondern entlastet auch die Beschäftigten, die früher kleinste Strukturen visuell prüfen mussten. Sie können nun andere Tätigkeiten übernehmen.
Algorithmen helfen beim Prüfen
Weiter setzt Bosch auf neue Algorithmen, um die Zeit für Prüfvorgänge zu verkürzen. So dauert die Komponentenprüfung anstatt dreieinhalb, jetzt noch drei Minuten. Das bedeutet in einer industriellen Fertigungslinie, wo jede gesparte Sekunde einen großen Kostenunterschied machen kann, eine markante Verbesserung.
In Pilotwerken in Deutschland nutzt das Unternehmen generativer KI und Foundation Models zudem gezielt zur Produktionsplanung, -überwachung und -kontrolle. An zwei deutschen Standorten sind entsprechende Projekte angelaufen. Das Ziel: Die Projektierungs- und Inbetriebnahmezeiten von sechs bis zwölf Monaten auf wenige Wochen zu verkürzen. Gleichzeitig soll die Skalierbarkeit von KI-Modellen über verschiedene Produktionslinien und Werke hinweg gewährleistet werden.
Die Technologie macht sich bezahlt
Die Ergebnisse lassen sich sehen: Bosch gibt an, durch den Einsatz von KI je nach Größe des Werks Produktionssteigerungen und Kosteneinsparungen von jährlich mehreren hunderttausend Euro bis hin zu niedrigen einstelligen Millionenbeträgen zu erreichen. Und die Technologie steht erst am Anfang ihres künftig noch viel breiteren Einsatzspektrums.
Um dieses zu erweitern, hat das Unternehmen bereits viel in die Forschung und Entwicklung investiert: Das deutsche Unternehmen ist in der Lage, seine KI-Modelle größtenteils selbst zu erstellen und zu trainieren, insbesondere im Bereich der generativen KI. Die Softwaremodelle werden in der Bosch-Forschung entwickelt und anschließend in den eigenen Werken implementiert. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf bildbasierten Anwendungsfällen, die sich direkt auf die Geschäftsfelder des Unternehmens beziehen, z.B. die Erkennung von Verkehrsschildern.
Um seine KI-Kompetenzen weiterzuentwickeln, arbeitet Bosch aber auch mit externen Partnern zusammen, etwa mit der Carnegie Mellon University in Pittsburgh. In diese Forschungskooperation investiert Bosch laut eigenen Angaben 8 Millionen US-Dollar. Im Bereich der generativen KI besteht zudem eine Zusammenarbeit mit führenden Unternehmen wie Microsoft, Google, Aleph Alpha und AWS.
Chance für die Wirtschaft
Was Bosch bereits anwendet und entwickelt, also die verbesserte Überwachung und Autokorrektur von Fehlern in der Manufaktur, sieht auch der internationale Wirtschaftsprüfer- und Berater PWC als eines der größten Potenziale der KI für die Industrie. Weiter könne KI die Nachfrage nach Produkten steigern, indem diese auf Konsumenten personalisiert und durch industrielle Effizienzsteigerungen günstiger werden. Das Beratungsunternehmen schätzt in einer Studie, dass KI das Potential hat, bis 2030 bis zu $15,7 Billionen zur globalen Wirtschaft beizutragen. Lokale Wirtschaftsstandorte könnten ihr gesamtwirtschaftliches Wachstum um bis zu 26 Prozent steigern. Dies vor allem durch eine gesteigerte Produktivität und Automatisierungen.
Dies sieht man auch bei Bosch so: Generative KI erlaube es, in natürlicher Sprache komplexe Informationen aus verschieden Quellen zu konsolidieren. Auch für nicht IT-affine Nutzer werde es so einfacher, mit IT-Systemen umzugehen, bspw. um Produktionsdaten aus einem IT-System zu erhalten. Dies könne zu einer erheblichen Steigerung der Produktivität führen, schreibt das Unternehmen. Zudem erhöhe die Möglichkeit der Interaktion über natürliche Sprache auch die Nutzerfreundlichkeit und damit die Zufriedenheit der Nutzer. Bosch wolle das Potential von KI-Sprachmodellen deshalb sowohl für mehr interne Effizienz nutzen als auch extern für neue Produkte und Lösungen für seine Kunden. Das eröffne die Möglichkeit, neue Geschäftsfelder zu erschließen. Das Unternehmen stellt klar: „Künstliche Intelligenz ist für uns eine Schlüsseltechnologie. Bei der Forschung an industrieller KI will Bosch zur Weltspitze gehören.“
Quellen:
Frankfruter Allgemeine: https://www.faz.net/aktuell/finanzen/die-ki-euphorie-an-den-boersen-ist-vorbei-suche-nach-neuen-favoriten-beginnt-19938576.html
IW Consult: https://der-digitale-faktor.de/download/240415_IW_Google-Studie_FourPager_Manufacturing.pdf
PWC: https://www.pwc.com/gx/en/issues/data-and-analytics/publications/artificial-intelligence-study.html

