Konjunkturumfrage: Attraktivität Norwegens schwindet

Ergebnisse der jährlichen Konjunkturumfrage der Deutsch-Norwegischen Handelskammer

Die Deutsch-Norwegische Handelskammer (AHK Norwegen) hat die Ergebnisse ihrer aktuellen Konjunkturumfrage veröffentlicht, die Teil einer globalen Erhebung der deutschen Auslandshandelskammern ist. 80 Unternehmen mit Deutschlandbezug, die in Norwegen aktiv sind, haben sich beteiligt. Das Ergebnis: Unternehmen blicken entgegen dem Trend positiv in die Zukunft, dennoch verliert der Wirtschaftsstandort Norwegen stetig an Attraktivität.

Mehrheit erwartet positive Geschäftsentwicklung

Die Unternehmen blicken in Norwegen positiv auf die aktuelle Wirtschaftslage, die erwartete Geschäftsentwicklung sowie die erwarteten lokalen Investitionen in den nächsten zwölf Monaten. 60 Prozent der befragten Unternehmen schätzen ihre eigene Geschäftslage als „gut“ ein. 2024 waren es 51 Prozent. Knapp acht Prozent halten ihre Situation für „schlecht“, verglichen mit 11 Prozent im Vorjahr. Mehr als die Hälfte der Unternehmen erwartet eine Verbesserung der Geschäftsentwicklung in den nächsten 12 Monaten; 31 Prozent rechnen mit steigenden Investitionen.

Die positiven Konjunkturerwartungen stechen aus den Ergebnissen der globalen Erhebung heraus:  Aktuell erwarten nur 19 Prozent der international aktiven Unternehmen eine Verbesserung der lokalen Konjunktur. Der Anteil derjenigen, die mit einer Verschlechterung rechnen, steigt auf 33 Prozent.

Norwegen attraktiver Standort – mit Einschränkungen

Trotz dieser positiven Prognosen sehen die Unternehmen eindeutige Risiken und die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Norwegen schwinden. 44 Prozent geben an, dass sich die Attraktivität in den letzten drei Jahren verschlechtert hat (2024 41 Prozent). Immerhin hat sich für 16 Prozent der Standort verbessert bzw. für 35 Prozent ist er unverändert geblieben.

Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sehen 48 Prozent als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung sehen. Dieser Wert ist von 33 Prozent im Jahr 2024 deutlich gestiegen.

Die Risikofaktoren Nachfrage (46 Prozent) und Fachkräftemangel (34 Prozent) liegen wie im vergangenen Jahr ebenfalls vorne. Durch die globale wirtschaftspolitische Lage neu hinzu kommt dagegen die Regulierung von Handelshemmnissen (29 Prozent) als eines der größten Risiken. Im Jahr 2024 gaben dies gerade mal 7 Prozent an.

„Unsere Mitglieder spiegeln uns, dass die Unsicherheit der derzeitigen Handelspolitik die Planung erheblich erschwert,“ erläutert Michael Kern. „Gleichzeitig kann die politische Volatilität in den USA eine Chance sein, Europas und auch Norwegens Attraktivität wieder zu steigern – vorausgesetzt, wir bleiben bei stabilen und verlässlichen Rahmenbedingungen.“

Wenig Überraschung: Potenzial in bilateraler Zusammenarbeit

Bei der Frage nach Potenzialen für engere Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Norwegen stehen Energie, maritime Wirtschaft, die Verteidigungsindustrie und sowie die Raumfahrt im Fokus. „Die Ergebnisse sind wenig überraschend. Wir sehen eine Konstante Dynamik in den deutsch-norwegischen Wirtschaftsbeziehungen, die uns natürlich freut“, so Kern. „Gerade bei strategischen Zukunftsthemen wie der Energiewende oder grüner Industrieproduktion ist Norwegen ein verlässlicher und starker Partner.“

Über die Umfrage:

Die „World Business Outlook“-Umfrage ist eine globale Erhebung der deutschen Auslandshandelskammern an der im Frühjahr 2025 weltweit über 4.600 Unternehmen in über 90 Ländern teilnahmen. Der Erhebungszeitraum zwischen dem 17. März und 14. April 2025 fiel in eine Phase erheblicher geopolitischer Umbrüche – darunter Donald Trumps sogenannter „Liberation Day“ und dessen unmittelbare Folgen für die Handelspolitik. In Norwegen beteiligten sich 80 deutsch-norwegische Unternehmen.