Sternblick empfängt die Besucher seiner Webseite mit einer Bildergalerie, aufgenommen in der Region Stavanger, Norwegen. Bild: Ole Henrik Kalviknes
In Zeiten des Fachkräftemangels sind die Dienstleistungen von Personalvermittlern besonders gefragt. Doch wie arbeiten diese und welche Methoden nutzen sie? Vidar Fredriksen, Gründer und Geschäftsführer unseres Mitglieds Sternblick AS, gibt einen Einblick.
Viele Unternehmen gehen davon aus, dass die meisten Stellenbesetzungen mit einer Stellenausschreibung beginnen, auf die sich dann die passenden Kandidaten bewerben. Doch die Realität sieht anders aus, wie Vidar Frederiksen, Geschäftsführer der norwegischen Recruitingfirma Sternblick AS, sagt:
Die besten Kandidaten sind in der Regel nicht auf Jobsuche und werden daher nicht auf ausgeschriebene Stellen reagieren.
Die Kandidaten müssten aktiv identifiziert und dazu motiviert werden, mit dem Auftraggeber von Sternblick in Kontakt zu treten.
Netzwerke und Social Media
Sternblicks Aufgabe ist es, über Netzwerke, Empfehlungen und Social Media passende Kandidaten zu finden und anzusprechen. Anschließend wird ermittelt, was die Kandidaten motivieren könnte, sich auf eine neue Stelle einzulassen. Dies wird dann mit den Anforderungen der vakanten Position abgeglichen. Das können neue Herausforderungen, mehr Entwicklungsmöglichkeiten, ein größeres Fachumfeld oder eine neue Branche sein.
Sternblick wurde 2014 gegründet und wird heute von Vidar Fredriksen und John Gaute Laland mit Büros in Egersund und Stavanger in Norwegen geführt. Sie sind im ganzen Land und auch international tätig; unter anderem in Deutschland und Schweden.
Tiefere Einblicke durch Persönlichkeitstests
„Eine gute Stellenbesetzung bedeutet, dass beide Seiten zufrieden sind, sowohl der Kunde, der einstellt, als auch der Kandidat, der eingestellt wird“, so Fredriksen. Deshalb reiche es nicht aus, den richtigen Kandidaten für die Stelle zu finden. Fredriksen und sein Team müssen auch den richtigen Job für den Kandidaten finden.
Sternblick setzt dabei verstärkt auf psychometrische Tests (Persönlichkeitstests), um Kandidaten zu evaluieren und so das Risiko von Fehlansetzungen zu reduzieren. Vidar lobt die Psychometrie als Tool, das Einblicke und Antworten ohne Bias liefern kann. „Wir können in unseren Tools zum Beispiel Loyalität messen und Motivationsfaktoren ziemlich genau identifizieren“, sagt Fredriksen.
Standard-Interviews reichen nicht
Herkömmliche Interviewtechniken decken nicht alles ab, was man im Rahmen einer Stellenbesetzung wissen muss. Man braucht tiefere Einblicke, um zu wissen, ob ein Kandidat zu einer Stelle passt oder nicht.
Es gibt viele Dinge im Verhalten eines Kandidaten, die man in einem Interview nicht erkennen kann
, sagt Fredriksen. Sowohl ungeübte als auch geübte Interviewer können Fehler machen, und dominante Personen können den Rest des Interviewgremiums beeinflussen.
Sternblick hat viel praktische Erfahrung mit dem richtigen Einsatz anerkannter Testverfahren, die dazu beitragen, das Risiko zu verringern, dass der falsche Kandidat in der falschen Position landet.
Langfristige Orientierung
Neben dem Einsatz psychometrischer Tests legt Sternblick großen Wert auf Langfristigkeit. Das Unternehmen möchte, dass die vermittelten Kandidaten langfristig die richtige Wahl sind und in der neuen Position so lange bleiben, dass sie einen Unterschied für die Organisation ausmachen.
„Langfristigkeit bedeutet, gute Beziehungen zu Kunden und potenziellen Kandidaten aufzubauen und zu pflegen. Der beste Weg, dies zu erreichen, ist eine gründliche Arbeit in jedem Rekrutierungsprozess, bei der alle Parteien mit dem Ergebnis zufrieden sind“, so Fredriksen.

Vidar Fredriksen und John Gaute Laland von Sternblick. Bild: Dalane Tidende
Deshalb nimmt sich Sternblick Zeit für die umfangreichen Verfahren der psychometrischen Tests und die anschließenden Gespräche. Grundsätzlich ist bei allen Gesprächen des Einstellungsprozesses auch jemand Sternblick dabei.
“Wir wollen wissen, was auf beiden Seiten des Tisches gesagt wurde. Dies erleichtert es uns, zur Klärung der Erwartungen beizutragen und Missverständnisse am Ende eines Einstellungsverfahrens zu vermeiden.”
Kunden in allen Branchen
Sternblicks Kunden kommen aus den unterschiedlichsten Branchen, darunter IT- und Softwareentwicklung, Design, Meerestechnik, Aquakultur, Energie, Green Tech, Innovation und neuerdings auch Raumfahrt.
Obwohl die Kunden aus so unterschiedlichen Bereichen kommen, gibt es doch Gemeinsamkeiten bei den Aufträgen des Unternehmens. Zum einen geht es um spezifische Positionen wie Führungskräfte, Spezialisten oder andere Schlüsselpositionen. Bei der Besetzung dieser Profile sei die Branche nicht unbedingt entscheidend, betont Fredriksen.
Zum anderen sind die meisten Kunden KMU (kleine und mittelständische Unternehmen) mit kleinem Auftragsvolumen. Große Aufträge mit vielen Stellenbesetzungen passen nicht zur umfangreichen Methode von Sternblick. Vidar Fredriksen und John Gaute Laland bearbeiten etwa 45 Stellen pro Jahr.
Büro in Hamburg geplant
Der Name des Personalvermittlers verrät ein Interesse an Deutschland. Seit seiner Gründung hat Sternblick den Gedanken an eine Expansion in einen der wichtigsten Handelspartner Norwegens gehegt und hofft, sobald sich die Gelegenheit ergibt, ein Büro in Hamburg eröffnen zu können.
Hamburg sei aus mehreren Gründen interessant, erklärt Fredriksen. Die Geschäftswelt sei sehr vielfältig, und die wichtigsten Branchen in der Region seien Sternblick bereits gut bekannt: die maritime Industrie, die Design- und Technologieentwicklung und die Softwareentwicklung. Sternblick beliefert bevorzugt kleine und mittlere Unternehmen. Davon gebe es in Norddeutschland und speziell in Hamburg viele – und sie gehören zu den profitabelsten der Welt, sagt Fredriksen. “In der Stadt liegt für uns die spannendste und vielfältigste Geschäftswelt von ganz Deutschland.“
