Bild: www.arved-fuchs.de
Seine aktuelle Expedition führt den deutschen Abenteurer, Forscher und Naturschützer Arved Fuchs nach Norwegen. Ein Bericht darüber, was er in Norwegen vorhat und was ihn auf seinen Expeditionen antreibt.
Arved Fuchs gilt als einer der größten Abenteurer Deutschlands. Als erster Mensch hat er innerhalb eines Jahres sowohl den Nord-, als auch den Südpol zu Fuß erreicht. Die Antarktis hat er auf Skiern und durch reine Muskelkraft durchquert – 2800 Kilometer, 92 Tage, kaum Temperaturen über minus 20 Grad.
Ist Arved Fuchs so etwas wie Deutschlands Antwort auf Roald Amundsen? Vielleicht. In einem Interview bezeichnete Fuchs den norwegischen Seefahrer und Polarforscher als eines seiner großen Vorbilder. Die beiden sind wohl aber nur bedingt vergleichbar; allein schon, weil sie rund ein Jahrhundert trennt. Während Amundsen als einer der größten Entdecker der Arktis und der Antarktis gilt, hat sich Fuchs vor allem dem Natur- und Kilmaschutz verschrieben. Mit seinen Expeditionen will er auf den Zustand der Meere und Polargebiete aufmerksam machen.
Ein Mann brennt für die Kälte
1953 in Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein geboren, interessiert sich Arved Fuchs schon früh für die Schifffahrt. Er macht eine Ausbildung bei der Handelsmarine und studiert anschließend Schiffsbetriebstechnik. Doch das ist ihm zu theoretisch – er bricht ab, fährt erst zwei Jahre zur See und stürzt sich dann in sein erstes Abenteuer, eine Kanu-Expedition durch den Nordosten Kanadas. Darauf folgen Expeditionen nach Grönland, in die Arktis und eine Atlantiküberquerung im Segelboot. Besonders die kalten Regionen unseres Planeten haben es ihm angetan. Unzählige Abenteuer folgen – zu Fuß, auf dem Boot, mit Schlittenhunden.
Auf die Frage, ob ihm Kälte denn nichts ausmache, sagte er einmal:
„Ich habe meinen Frieden mit dem Eis gemacht. Die Kälte ist praktisch der Eintrittspreis, um den Zugang zu einmalig schönen Landschaften zu haben. Die klare Luft, Eisberge, Gletscher und ein gigantischer Sternenhimmel entschädigen absolut!“
Doch was aus Abenteuerlust begann, wurde über die Jahre zu einer Mission. Fuchs beobachtete auf seinen Fahrten, wie sich die Natur und die klimatischen Bedingungen zunehmend veränderten. Er beschloss, seine Expeditionen fortan dem Umwelt- und Klimaschutz zu widmen, begann, sich an verschiedenen Fronten zu engagieren. Derzeit ist Fuchs Botschafter des deutschen Komitees der aktuellen UN-Ozeandekade. 2015 rief er das Projekt „Ocean Change“ ins Leben, um zu dokumentieren, wie Klimawandel oder Müll Ozeane verändern.
Entlang der norwegischen Küste
Im Rahmen des Projektes „Ocean Change“ findet nun auch Arved Fuchs‘ aktuelle Expedition statt. Von Kiel aus segelt er diesen Sommer in Richtung Norden, entlang der Küste Norwegens, bis auf die Bäreninsel zwischen dem Nordkap und Spitzbergen. „Ich habe die Insel zuletzt 1991 angefahren und bin sehr gespannt, welchen Eindruck sie heute – gut dreißig Jahre später – macht«, sagt er vor der Abreise.

Unterwegs läuft die Expedition „Ocean Change 2024“ verschiedene norwegische Häfen an. Dort wird das Team jeweils einige Tage verbringen und durch verschiedene Events auch im Austausch mit der Lokalbevölkerung stehen.
Eine Weggefährtin durch das Eis
Arved Fuchs‘ treue Begleiterin auf seinen Reisen ist die Dagmar Aaen, ein Segelschiff, gemacht für arktische Fahrten. In liebevoller Arbeit hat er sie Ende der Achtzigerjahre flottgemacht, seither ist sie Fortbewegungsmittel, Hauptquartier und Forschungsstation in einem auf den meisten seiner Expeditionen.
Der Einmaster ist zwar schon rund 90 Jahre alt, aber ausgestattet mit moderner Technik und Messinstrumenten. Damit erhebt das Expeditionsteam auch auf der aktuellen Reise meteorologische und ozeanographische Daten wie z.B. den Salzgehalt, die CO2-Sättigung und die Temperatur des Oberflächenwassers. Es sind wichtige Daten, die der Forschung Aufschlüsse zur Beurteilung des Zustands des Meeres liefern. Sie gehen unter anderem an das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.
Die Menschen mitnehmen
Fuchs sammelt auf seiner Expedition aber noch etwas Wichtigeres: Bildmaterial, Videos und Blogbeiträge. Der Abenteurer will mit seinen Expeditionen vor allem aufklären. Die Menschen sollen die atemberaubende und wilde Natur zu Gesicht bekommen. Sie sollen aber auch das schmelzende Eis, die Verschmutzung der Ozeane, oder die Zerstörung von Lebensraum sehen, und was das mit dem Planeten macht. Fuchs versteht sich als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Er ist überzeugt: Man muss die Menschen mitnehmen. Er sagt: „Das Problem wird nicht in irgendwelchen politischen Etagen geregelt – und löst sich schon gar nicht von selbst. Der Druck muss von unten kommen; von uns allen!“
So wird auch diese Expedition eine Fülle an Bildern und Geschichten produzieren. Mit ihnen wird Fuchs Menschen gleichermaßen faszinieren, aufklären und dazu inspirieren, Sorge für die Natur zu tragen. Mehr noch als ein Roald Amundsen, ist Arved Fuchs vielleicht ein David Attenborough.
| – Erfahren Sie mehr über die Expedition und deren Zeitplan auf der Ocean-Change-Webseite. Hier gibt es Blogberichte, laufend aktuelle Bilder, Podcasts und Videos. Zudem wird die Liveposition der Dagmar Aaen geteilt. – Wussten Sie, dass Sie mit der EyeOnWater-App ganz einfach einen Beitrag zur Forschung und zum Schutz der Meere beitragen können? Mehr Informationen hier. |
Dieser Text ist entstanden in der Zusammenarbeit mit unserer bilateralen Arbeitsgruppe für Meerestechnologie. Sie steht nicht nur im Austausch mit der maritimen Forschung in Deutschland und Norwegen, sondern legt auch Wert auf die nachhaltige Nutzung der Ozeane. Deren Schutz ist für Norwegen und Deutschland wichtig – auch aus einer wirtschaftlichen Perspektive. Mehr zur Arbeitsgruppe hier.
Quellen:
NDR: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Arved-Fuchs-Herr-im-ewigen-Eis,arvedfuchs147.html
Wherenext: https://wherenext.esri.de/polarforscher-arved-fuchs-interview
