Chancen im Bergbau und bei grüner Energie: Das schreibt die deutsche Außenwirtschaftsagentur GTAI in ihrem neuesten Norwegen-Bericht

Die Außenwirtschaftsagentur der Bundesrepublik Deutschland hat einen Wirtschaftsausblick für Norwegen veröffentlicht. Besonders im Bereich Bergbau und erneuerbare Energien sieht sie Chancen für deutsche Firmen.

Regelmäßig veröffentlicht die Außenwirtschaftsagentur der Bundesrepublik Deutschland, Germany Trade & Invest (GTAI), Analysen und Handelsprognosen zu verschiedenen Ländern. Anfang Juli erschien eine Momentaufnahme zu Norwegen mit einem Ausblick auf die kommenden Monate. Hier eine gekürzte Version des Berichts mit weiterführenden Links.

Seltene Erden aus Norwegen als Chance für Deutschland

Norwegen hat im Bereich Bergbau einiges vor. Als große Chance für Norwegen sieht die GTAI ein kürzlich entdecktes, großes Vorkommen an Seltenen Erden, den sogenannten Fen Carbonatite Complex. Das norwegische Bergbauunternehmen Rare Earths Norway schätzt, dass sich dort 8,8 Millionen Tonnen wirtschaftlich abbaubare Seltenerdoxide befinden. Laut der GTAI könnte dies für die deutsche Wirtschaft für Geschäftschancen in Branchen wie beispielsweise dem Infrastruktur- und Bergbau sorgen. Zudem ergebe sich dadurch für die auf Rohstoffe angewiesene deutsche Industrie eine Diversifizierung der Lieferländer.

Wirtschaftsentwicklung: Norwegen wächst, aber langsam

Die GTAI berücksichtig geht in ihrem Ausblick auf die voraussichtliche wirtschaftliche Entwicklung Norwegens ein. Das norwegischen Statistikamt SSB prognostizierten für 2024 ein Wachstum von 0,8 Prozent – ein verhaltener Wert, findet die GTAI. Sie sieht den Grund darin, dass Maßnahmen zur Gegensteuerung der wirtschaftlichen Flaute, wie zum Beispiel vorübergehende Steuersenkungen, erst langsam Wirkung zeigen. Eine nur langsam sinkende Inflation, eine eher schwache inländische wirtschaftliche Nachfrage und eine schwache Landeswährung gehören laut der GTAI zu den weiteren Herausforderungen Norwegens. Die Agentur zitiert zudem einen Bericht der Bank Nordea, der für 2024 einen Verbleib des Leitzinses auf 4,5 Prozentpunkten voraussagt.

Der Bericht erwartet aber auch Positives: Nach bedeutenden Kaufkraftrückgängen in den vergangenen Jahren soll sich die Situation für die norwegischen Haushalte zeitnah bessern. Nordea prognostiziert einen allgemeinen Lohnzuwachs von rund 5 Prozent. Gekoppelt mit einer voraussichtlich niedrigeren Inflation und gleichbleibenden Zinsaufwendungen werden die Haushalte nach dem Sommer wieder mehr Spielraum für den privaten Konsum haben. 

Exporte abseits von Öl und Gas holen auf

Nach wie vor bleiben der Öl- und Gassektor wichtige Hebel für das wirtschaftliche Wachstum in Norwegen, daraus macht auch der GTAI-Wirtschaftsausblick keinen Hehl. Das Land ist aber seit einiger Zeit bemüht, seine Wirtschaft unabhängiger von vom fossilen Sektor zu machen. Unter dem Motto „Ganz Norwegen exportiert“ hat die Regierung 2022 zum Beispiel eine Initiative gestartet, um bis 2030 die Exporte abseits von Gas und Öl um 50 Prozent zu steigern. Die GTAI weist darauf hin, dass das Programm nun erste Früchte trägt: Im März 2024 vermeldete der damalige Handels- und Industrieminister Jan Christian Vestre einen gesteigerten Warenexport Festlandnorwegens um 30 Prozent in den vergangenen zwei Jahren. 

Für 2025 rechne der norwegische Arbeitgeberverband NHO zudem mit einem Anstieg der Festlandexporte um 3,5 Prozent. Dies, nachdem im 1. Quartal 2024 die Gesamtexporte um 4 Prozent höher gelegen haben als im Vorjahreszeitraum. Laut der GTAI ist dies insbesondere auf die gestiegenen Ausfuhren von Metallen, Maschinenbauerzeugnissen und Textilien zurückzuführen. Dazu gehören auch Exporte von Ausrüstung für die Offshore-Windenergiebranche. Norwegen sei gut aufgestellt, um zusätzliche Marktanteile im Bereich erneuerbarer Energien zu gewinnen, stellt die Agentur fest.

Deutsche Perspektive: Energiethemen prägen die bilaterale Zusammenarbeit

Auf der Hannover Messe hat die die deutsch-norwegische Wasserstoff-Taskforce ihren Fortschrittsbericht präsentiert, Norwegen gilt als Großerzeuger von Wasserstoff im Nordseeraum. Zwischen norwegischen und deutschen Firmen gibt es bereits etliche Kooperationsvereinbarungen. Für ein Wasserstoffnetz zwischen Deutschland und Norwegen müssten zukünftig bestehende Pipelines umgerüstet oder neue verlegt werden – Geschäftsbereiche, in denen deutsche Unternehmen mit Erfahrung und Know-how punkten können, wie die GTAI in ihrem Bericht schreibt. 

Vom 26. bis 29. August 2024 findet in Stavanger mit der ONS eine der weltweit führenden Messen für Energie, Innovation und Technologie im Bereich Offshore statt. Die AHK Norwegen ist mit dem deutschen Pavillon vor Ort, und wird zu Geschäftsmöglichkeiten informieren. Auch in anderen Branchen floriert die deutsch-norwegische Kooperation: Erst kürzlich unterzeichneten beide Länder eine Erklärung, die einen weiteren Schritt in Richtung deutscher Raketenstarts vom Weltraumbahnhof Andøya in Nordnorwegen bedeutet, wie die GTAI hervorhebt.