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Das belgisch-schwedische Konsortium Ventyr (Parkwind und Ingka) hat die staatliche Auktion um den Bau des Offshore-Windparks im Gebiet Sørlige Nordsjø II auf dem norwegischen Festlandsockel gewonnen. Insgesamt waren fünf Konsortien zugelassen, vier nahmen an der Auktion teil. An zwei der zugelassenen Konsortien waren auch deutsche Unternehmen beteiligt: RWE hatte gemeinsam mit der norwegischen Equinor Interesse an der Auktion geäußert. Das Konsortium Norseman Wind, unter Beteiligung von EnBW, hatte seine Teilnahme bereits vor Auktionsstart abgesagt.
Die rein digitale Auktion startete Montag, 18.3. unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Erst mit Ende der Auktion heute Mittwoch, 20.3., gab das Ministerium für Energie das Konsortium Ventyr als Gewinner und sein Gebot von 115 Öre/kWh bekannt. Insgesamt gab es zwei Bieter. Welches weitere Konsortium neben Ventyr mit welchen Geboten teilnahm, wurde nicht veröffentlicht.
Auch wenn kein deutsches Unternehmen am Bau des Windparks beteiligt sein wird, zeigte sich Michael Kern, Geschäftsführer der Deutsch-Norwegischen Handelskammer positiv gestimmt. „Dass zwei deutsch-norwegische Konsortien für die Auktion zugelassen waren, zeigt wie erfolgreich die bilaterale Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern ist. Wir gehen davon aus, dass die Erfahrungen aus dem Verfahren in andere große Projekte mit einfließen werden.“
Wie wurde geboten?
Für das Eröffnungsgebot hatten die Teilnehmer 40 Minuten Zeit. Erst nach Abgabe des eigenen Gebotes erfuhren die Teilnehmer, ob sie unterboten wurden, ohne die Höhe des niedrigsten Gebotes zu erfahren. Für jedes neue Gebot wurde 10 Minuten hinzugefügt. Geboten wurde in Norwegischen Krone (NOK). Jedes neue Gebot musste mindestens 0,25 Öre/kWh unter dem vorherigen Gebot desselben Teilnehmers liegen, damit es akzeptiert wurde. Der Mindestpreis lag bei 5 Öre/kWh. Mit zwei Tagen Laufzeit dauerte die Auktion unerwartet lange.
Wie geht es weiter?
Das erfolgreiche Gebot von Ventyr bestimmt nun den Preis, der die Grundlage für den zweiseitigen Differenzvertrag bildet. Durch diesen Vertrag wird der norwegische Staat in Zukunft die Differenz zahlen, sollte der Marktpreis für Strom niedriger als der vertraglich festgelegte Preis sein. Liegt der Marktpreis darüber, erhält der Staat die Differenz. Ventyr hat vier Wochen Zeit, den Differenzvertrag zu unterzeichnen. Bei Nichtunterzeichnung droht eine Geldstrafe von 400 Mio. NOK. Sollte sich das Konsortium zu einem späteren Zeitpunkt von der Erschließung zurückziehen, muss es eine Strafe von 2 Mrd. NOK zahlen.
Sørlige Nordsjø II
Sørlige Nordsjø II ist das erste Gebiet auf dem norwegischen Festlandsockel, das für die Entwicklung der Offshore-Windenergie erschlossen wird. Es befindet sich 152 Kilometer vor der Küste der Provinz Agder in Südnorwegen. In der ersten Phase soll eine Kapazität von 1,5 Gigawatt erschlossen werden. Die durchschnittliche Wassertiefe des Gebietes beträgt 60 Meter. Der Windpark wird aus fest installierten Turbinen bestehen und via Stromkabel mit dem Festland verbunden.
Im März 2023 wurde die erste Ausschreibung für die Auktion um das Projektgebiet bekannt gegeben. Ende des Jahres gingen sieben Bewerbungen beim Ministerium für Energie ein. Im Februar 2024 teilte das Ministerium mit, dass sich fünf Konsortien für die Teilnahme qualifiziert hatten. Dazu gehörte auch das Konsortium Norseman Wind, unter Beteiligung von EnBW, das sich noch vor Auktionsstart zurückzog. Laut norwegischen Medien sei einer der Schlüsselfaktoren für den Rückzug die Anforderungen der alleinigen Kabelverbindung nach Norwegen und die begrenzten staatlichen Subventionen von 23 Mrd. NOK, gewesen. Um daraus Schlussfolgerungen für die Teilnahmen an anderen Auktionen in Norwegen zu ziehen, sei es laut EnBW noch zu früh.
Der Gewinner Ventyr
Das Konsortium Ventyr besteht aus dem belgischen Offshore-Windentwickler und -betreiber Parkwind sowie der Firma Ingka Investments. Letztere hat eine Beteiligung von 49 Prozent am Konsortium und ist der Investmentarm der Ingka Group – dem größten Betreiber von IKEA Retail. Beide Partner verweisen auf ihre lange Geschichte in der innovativen und nachhaltigen Entwicklung von Offshore-Windkraft und betonen ihre „starke und ehrgeizige Kombination aus technischem Know-how und Erfahrung, finanzieller Stärke und einer langfristigen Strategie“. Nicht als Teil, aber als enger Partner des Konsortiums fungiert zudem die norwegische Energieservicegesellschaft NorSea. Sie gehört zu 99 Prozent der norwegischen Reederei Wilh. Wilhelmsen.
