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Laut einer Hochrechnung lag der Anteil an erneuerbaren Energien in Deutschland im Jahr 2023 bei über 50 Prozent, gleichzeitig sind die Treibhausgasemissionen deutlich zurückgegangen.
Anfang Januar veröffentlichte die Denkfabrik Agora Energiewende eine vorläufige Auswertung, laut derer 2023 in Deutschland 673 Millionen Tonnen Treibhausgase ausgestoßen worden sind und damit 10 Prozent weniger als in 2022 und 46 Prozent weniger im Vergleich zu 1990. Die Gründe für den Rückgang sind vielschichtig.
Immer mehr erneuerbar
Zum einen hat die Nutzung erneuerbarer Energie aus Wind und Solar deutlich zugenommen. Nach einer Hochrechnung des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) deckte Deutschland im vergangenen Jahr mit 52 Prozent erstmals mehr als die Hälfte seines Stromverbrauchs mit erneuerbaren Energien. Im Vergleich zu 2022 entspricht das einem Plus von etwa 5 Prozent. Die Studie geht davon aus, dass der gesamte Bruttostromverbrauch, also der Verbrauch aller Haushalte, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen, in 2023 final bei rund 517,3 Milliarden Kilowattstunden liegen wird. Bis 2030 soll der Verbrauch zu mindestens 80 Prozent durch Erneuerbare Energien abgedeckt werden.
Zum anderen ist die Nachfrage nach Strom in Deutschland im vergangenen Jahr gesunken und es gab tiefere Stromexporte. Dadurch war weniger Kohlestrom nötig. Der deutsche Wirtschaftsminister, Dr. Robert Habeck, sieht darin in einem Statement auf der Homepage des BMWK erste Früchte der Energiewende der letzten zwei Jahre. Er sagt:
„Die Emissionen in Deutschland sind im letzten Jahr massiv gesunken. Gerade bei der Stromerzeugung sind wir auf einem sehr guten Weg: Die Kohleverstromung erreicht einen historischen Tiefstand, der Ausbau der Erneuerbaren hat dank der harten Arbeit der letzten zwei Jahre klar angezogen.“
Dr. Robert Habeck, Wirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland
Das sei sehr gut für den Klimaschutz und eine saubere und sichere Energieversorgung, betont er.
Ein Rückgang mit Schattenseiten
Die geringere Nachfrage nach Strom hat allerdings nicht nur positive Seiten. Sie gründet vor allem in der krisenbedingten Zurückhaltung der Industrie und ist damit wenig nachhaltig. Agora Energiewende geht davon aus, dass nur etwa 15 Prozent der Einsparungen wirklich auf Klimaschutzmaßnahmen zurückgehen.
Dieses Problems ist sich Habeck bewusst. „Mein Ziel als Wirtschaftsminister ist, dass Deutschland ein starker Industriestandort bleibt und klimaneutral wird. Deswegen haben wir unter großer Anstrengung die Industrieprogramme aus dem Klima- und Transformationsfonds nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts gerettet und setzen sie konsequent um.“
Agora Energiewende
…ist eine Denkfabrik, die hauptsächlich durch private Spenden und öffentliche Zuwendungen finanziert wird. Gesellschafter sind die Stiftung Mercator, die von der Stifterfamilie Schmidt (Metro AG) gegründet wurde, und die European Climate Foundation. Nach eigenen Angaben werden keine Spenden von Unternehmen angenommen. Im Rat der Agora sitzen unter anderem Vertreter*innen der Wissenschaft, der Bundespolitik, der Bundesnetzagentur, von Umweltverbänden und aus der Energiewirtschaft.
