Ferrolegierungen: EU-Zölle treffen Norwegen

Die EU will ihre Industrie für Ferrolegierungen schützen und erhebt deshalb Zölle. Diese treffen auch das EWR-Land Norwegen. Dessen Reaktion fällt deutlich aus.

Die EU-Kommission hat am 18. November entschieden, ab sofort Zölle auf die Einfuhr von bestimmten Ferrolegierungen zu erheben. Sie sollen die Branche in der EU schützen, welche 1800 Menschen beschäftigt, wie die EU-Kommission in einer Medienmitteilung schreibt. 

Dabei sollen 75 Prozent der Importe zollfrei bleiben, während die restlichen 25 Prozent mit Zöllen belegt werden. Dort legt die EU eine Preisschwelle für jede Ferrolegierung fest. Liegt der Preis der Produkte beim Import darunter, wird die Differenz zur Preisschwelle in Form einer Zollgebühr fällig.

Norwegens Industrieverband warnt vor Konsequenzen

Die Zölle treffen insbesondere das Nicht-EU-Land Norwegen. Die Skandinavier sind einer der größten Exporteure von Ferrolegierungen in die EU; Norwegen deckte vergangenes Jahr rund 43 Prozent aller EU-Importe mit einem Volumen von über 20 Mrd. NOK (ca. 1,7 Mrd. EUR). Entsprechend stark hatte sich das Land in den vergangenen Monaten gegen die Zölle eingesetzt. Geholfen hat es nichts.  


Jetzt drohen nicht nur Umsatzeinbußen, die Zölle gefährden auch rund 2500 Jobs, warnt der Norwegische Industrieverband. Die Reaktionen in den norwegischen Medien reichen von Unverständnis bis zum Ruf nach Gegenmaßnahmen, etwa die Einstellung norwegischer Kohäsionszahlungen an die EU.

Zölle trotz EWR-Mitgliedschaft

Besorgt zeigt sich Norwegen insbesondere auch deshalb, weil das Land trotz seiner Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) außerhalb der EU-Zollmauer gelandet ist. Die Erklärung aus der EU-Kommission: Als Nicht-EU-Land müsse Norwegen als Drittland behandelt werden, ungeachtet der EWR-Mitgliedschaft. Eine norwegische Ausnahme hätte laut EU-Vertretern einen Verstoß gegen die Vorschriften der Welthandelsorganisation (WTO) bedeutet. Diese besagen, dass alle Drittländer gleichbehandelt werden müssen.

Diese Argumentation ist allerdings umstritten, die norwegische Regierung drückte ihr Unverständnis über den Entscheid aus. Gleichzeitig kündigte sie an, sich für die Industrie im Land einzusetzen. Für den Mittwoch, 19. November, ist eine Reise der Wirtschaftsministerin Cecilie Myrseth und des Außenministers Espen Barth Eide nach Brüssel geplant.