Seit gut zwei Monaten leitet Jutta Behnen das Goethe-Institut in Oslo. Nach beruflichen Stationen in den USA, Belarus und der Münchner Zentrale bringt sie neue Perspektiven in die deutsch-norwegischen Kultur- und Sprachbeziehungen ein. Im Gespräch mit uns wird deutlich, welche Ziele sie verfolgt und wie sie auf aktuelle Herausforderungen reagiert.
Bild: ©Swantje Kramer
Internationale Erfahrungen als Fundament
Behnens beruflicher Weg begann in der Lehre von Deutsch als Fremdsprache, die sie mit Theaterpädagogik verband. Ihre Stationen führten sie unter anderem in die USA: Etwa als Leiterin des Goethe Pop Up-Instituts in Kansas City während des Deutschlandjahres in den USA „Wunderbar Together“ – und nach Minsk, wo sie für den DAAD tätig war. In München war sie zuletzt für die internen Kommunikation des über 4,000 Mitarbeiter*innen umfassenden, global tätigen Kulturinstituts zuständig. Zudem war sie in Transformationsprozesse und Krisenkommunikation involviert. Diese Erfahrungen prägen ihre Arbeit in Norwegen: „Norwegen ist mein erstes eigenes Institut, und ich empfinde es als große Chance, hier die Sichtbarkeit des Goethe-Instituts auszuweiten“, sagt Behnen.
Sprachförderung in der Krise – neue Wege in Skandinavien
Der Rückgang der Deutschlernenden in Norwegen ist auch für Behnen ein zentrales Thema. Präsenzkurse gibt es in Oslo nicht mehr. Der Fokus liegt auf digitalen Formaten und Prüfungsabnahmen. Trotz der rückläufigen Zahlen hebt Behnen hervor, wie wichtig Deutschkenntnisse im wirtschaftlichen und kulturellen Austausch sind. Etwa für Studiengänge oder in der Fachkräftegewinnung. Das Goethe-Institut versucht dem Trend mit strategischer Kooperation zu begegnen.
Wir arbeiten sehr eng mit den anderen skandinavischen Goethe-Instituten zusammen, bündeln Ressourcen und setzen gezielt Initiativen in der Bildungskooperation um.
Engagiert ist man weiterhin an sogenannten PASCH-Schulen („Partner der Zukunft“), ein weltumspannendes Netz von mehr als 2.000 Schulen. In Norwegen wird nach der Bodø videregående skole derzeit in der Dønski videregående skole in Bærum der Deutschunterricht aktiv gefördert. Dies wird ergänzt durch Lehrerfortbildungen und Schülerprogramme.
Kulturarbeit als Brücke
Für Behnen bleibt die Kulturarbeit ein Herzensanliegen – nicht zuletzt als Mittel, um Sprache lebendig zu halten. Beispielhaft hebt sie das Engagement im Theaterbereich hervor. „Hier bietet sich für uns eine große Chance, deutsche Gegenwartskultur sichtbar zu machen und kulturellen Austausch mit Relevanz zu gestalten“, so Behnen. „Ich war begeistert, als ich sah, dass Det Norske Teatret dieses Jahr gleich zwei Gastspiele aus Deutschland für die Internationalen Fosse-Festspiele eingeladen hat. Das Interesse an zeitgenössischem Theater aus Deutschland ist da.“
Gegenwartsbezug statt Kanonpflege
Denn das öffentliche Bild Deutschlands will Behnen differenzierter vermitteln – neben der Förderung der deutschen Sprache und dem internationalen Kulturaustausch eine der drei Hauptaufgaben des Goethe-Instituts: „Goethe und Schiller sind nicht unser Tagesgeschäft“, betont sie. Vielmehr gehe es darum, ein gegenwärtiges Deutschlandbild zu zeigen. Über Veranstaltungen, Kooperationen mit lokalen Partnern, digitale Magazine und aktuelle Themen wie Nachhaltigkeit, Diversität oder europäische Werte. Parallel möchte sie unter anderem durch die Übersetzungsförderung mit ihrem Team dazu beitragen, deutsche Literatur in Norwegen noch bekannter zu machen. Literatur scheint für sie ein stark verbindendes Moment zu sein, das es weiter zu stärken gilt.
Nachhaltige Begegnungsräume
Ein zentrales Vorhaben für Behnen ist der Aufbau einer Künstlerresidenz. Im Sitz des Goethe-Instituts in Grünerløkka soll eine der drei Etagen Künstler*innen als Wohn- und Arbeitsraum zur Verfügung stehen, um an einem Projekt zum deutsch-norwegischen Kulturaustausch zu arbeiten.
Wir möchten Künstler*innen verschiedener Kunstparten einen mehrmonatigen Aufenthalt ermöglichen. Das ‚Produkt‘ kann dann unser Veranstaltungsprogramm in Norwegen sowie das anderer Institute in der Region bereichern.
Laut Behnen ermöglichten gerade internationale Künstlerresidenzen den Aufbau langfristiger und nachhaltiger Beziehungen. Diese machen das Leitmotiv des Goethe-Instituts „Für Vielfalt, Verständigung und Vertrauen“ lebendig.
Fokus und Weite
Bei aller Konzentration in der Hauptstadt will Behnen künftig verstärkt auch außerhalb Oslos präsent sein: „Ich möchte reisen, Kontakte aufbauen und Projekte auch im Norden Norwegens fördern.“ Zusammenarbeit mit Festivals in Stavanger, Kristiansand oder Lillehammer, die von ihren Vorgänger*innen und dem Team aufgebaut wurden, zeigen, dass dezentrale Präsenz möglich und weiter ausbaubar ist: „Es ist beeindruckend, was für ein starkes und stabiles Partnernetzwerk für das Goethe-Institut im Land besteht, auf das ich weiter aufbauen kann.“
Verbindungen, die bleiben
Als übergeordnetes Ziel hat Behnen das Schaffen von bleibenden Verbindungen definiert. Natürlich arbeitet das Goethe-Institut immer mit Partnern zusammen, und seit 1962, dem Gründungsjahr in Norwegen, sind langfristige Beziehungen entstanden. Doch sie möchte auch andere Organisationen, Unternehmen und Kulturinstitutionen anregen, zum deutsch-norwegischen Kulturaustausch beizutragen und sich dafür an das Goethe-Institut wenden: „Wir entwickeln Projekte am liebsten im Dialog. Kommen Sie gerne auf uns zu. Gemeinsam schaffen wir bleibende Verbindungen in den deutsch-norwegischen Wirtschafts- und Kulturbeziehungen.“

