Das Norsk Hydrogenforum setzt sich als Branchenverband der Wasserstoffwirtschaft für die Förderung des Energieträgers ein. Tor Kristian Haldorsen, verantwortlich für politische Beziehungen und internationale Zusammenarbeit im NHF, erklärt, warum das Forum über die Landesgrenzen hinausschauen muss und Mitglied der AHK Norwegen geworden ist.
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Das Norsk Hydrogenforum (NHF) ist ein Branchenverband für Wasserstoff und wasserstoffbasierte Energieträger in Norwegen. Es setzt sich für die Förderung von Wasserstoff als zentrale Klimaschutzlösung ein. Seit der Gründung im Jahr 1996 ist das NHF auf über 100 Mitglieder angewachsen. Diese decken die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der Produktion über die Verteilung bis hin zur Nutzung und Speicherung. Der Verband setzt sich für eine aktive Wasserstoffpolitik ein. Er schafft die Voraussetzungen dafür, dass Wasserstoff zur Emissionsreduzierung und Wertschöpfung beiträgt.
Wasserstoff – Energieträger der Zukunft
Mit dem Übergang zu erneuerbaren Energiequellen wird Wasserstoff immer wichtiger. Er dient als flexibler Energieträger. Tor Kristian Haldorsen, verantwortlich für politische Beziehungen und internationale Zusammenarbeit im NHF, erklärt: „Der Vorteil von Wasserstoff liegt darin, dass die Produktion flexibel hoch- und heruntergefahren werden kann. Zudem lässt er sich in großen Mengen über lange Zeit speichern. Eine ganzheitliche Entwicklung des Energiesystems kann den Bedarf an Netzausbau reduzieren. Dafür muss die Infrastruktur für Elektronen und Moleküle gemeinsam geplant werden.“

Wasserstoff in Europa: Kapital, einfachere Regulierungen und schnellere Prozesse benötigt
Europa hat eine starke Ausgangsposition im globalen Wasserstoffwettlauf. Das liegt an erheblichem Know-how und Kapital. Dennoch sind die Investitionen in Asien und Nordamerika derzeit größer, so Haldorsen. Die geopolitische Lage, insbesondere nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine, hat das Bedürfnis nach Energieunabhängigkeit verstärkt. Mit dem bevorstehenden „Clean Industrial Deal“ der EU wird Wettbewerbsfähigkeit zum Schlüsselbegriff. Laut Haldorsen sind niedrigere Energiepreise, schnellere Genehmigungsverfahren und einfachere Regulierungen entscheidend. Auch eine stärkere Mobilisierung von privatem Kapital ist wichtig, um Europas Position zu sichern.
Deutschland ist ein zentraler Partner für das NHF, wie Haldorsen betont. Als größte Volkswirtschaft und Industrienation Europas hat Deutschland über 100 Jahre Erfahrung in der industriellen Wasserstoffproduktion. Das Land spielt eine führende Rolle beim Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur. Haldorsen fährt fort:
„Die deutsch-norwegische Zusammenarbeit ist essenziell, um Investitionsentscheidungen und industrielle Partnerschaften voranzutreiben!“
Eine pragmatischere Herangehensweise der EU an kohlenstoffarmen Wasserstoff könnte stabile Rahmenbedingungen schaffen. Sie würde den Weg für den großflächigen Export von norwegischem Wasserstoff nach Deutschland ebnen.
Eine deutsch-norwegische Kooperation
Die deutsche Industrie, insbesondere die Stahl- und Chemiebranche, muss ihre Emissionen reduzieren. Nur so kann sie wettbewerbsfähig bleiben. Hier können norwegische Unternehmen mit Wasserstofflieferungen, Technologie und Fachwissen unterstützen, sagt Haldorsen. Gleichzeitig sei deutsches Know-how für die Entwicklung des norwegischen Wasserstoffmarktes von Bedeutung. Dies gilt von der Projektentwicklung bis zum Betrieb von Produktionsanlagen.
Haldorsen betont:
„Wenn wir emissionsfreie Transportkorridore zwischen den Ländern etablieren können, wird das die Marktentwicklung sowohl in Norwegen als auch in Deutschland vorantreiben.“
Mitgliedschaft in der Deutsch-Norwegischen Handelskammer
Um über Markt- und Politikentwicklungen in beiden Ländern informiert zu bleiben, ist das NHF jetzt der Deutsch-Norwegischen Handelskammer beigetreten. „Als Mitglied hoffen wir, konstruktiv zum bilateralen Dialog beizutragen“, sagt Haldorsen. Zudem wolle man die Marktentwicklung in der nächsten Phase der norwegisch-deutschen Energie- und Industriekooperation noch enger verfolgen.
Herausforderungen und Chancen
Das NHF sieht Herausforderungen wie steigende Kosten, höhere Zinsen und unzureichende Fördermaßnahmen. Diese bremsen die Skalierung von Wasserstoffprojekten. Dennoch bleibt der Verband optimistisch. „Davon lassen wir uns nicht entmutigen!“, stellt Haldorsen klar. Dies unterstreiche nur die wachsende Bedeutung des NHF. Es fungiert als Wissensvermittler, Sprachrohr und Verbindung zwischen der Branche, staatlichen Stellen, Förderinstitutionen und Politikern.
Trotz gelegentlich schwieriger Rahmenbedingungen haben sich die globalen Investitionen in Wasserstoff seit 2020 laut dem Hydrogen Council versiebenfacht. Eine Studie von Multiconsult zeigt, dass sich der Umsatz der norwegischen Wasserstoffbranche von 2022 bis 2023 nahezu verdoppelt hat.
Anwendung in immer mehr Sektoren
Das Jahr 2024 markierte zudem mehrere Meilensteine. Neue Produktionsanlagen gingen in Betrieb, Investitionsentscheidungen wurden getroffen, und der Einsatz von Wasserstoff hat sich auf weitere Sektoren ausgeweitet. Ein konkretes Beispiel ist die 20-MW-Anlage von GreenH in Bodø. Sie hat eine Investitionsentscheidung erhalten und soll 2026 in Betrieb gehen. Die Anlage wird Wasserstoff für zwei Fähren auf der Vestfjorden-Verbindung liefern. Zudem soll sie den Einsatz in der Schwerlastlogistik, im Bauwesen und in der Luftfahrt ermöglichen.
„Es ist großartig zu sehen, wie sich diese Projekte entwickeln“, sagt Haldorsen. Er ist überzeugt, dass Wasserstoff sein Potenzial in den kommenden Jahren immer stärker entfalten wird – in Norwegen, Deutschland und ganz Europa.
