Die norwegische Regierung hat Anfang August ein umfassendes Maßnahmenpaket vorgestellt, um den Ausbau von Stromnetzen und erneuerbarer Stromerzeugung schneller voranzubringen. Nach Angaben von Ministerpräsident Jonas Gahr Støre handelt es sich um die umfangreichsten Schritte zur Beschleunigung von Kraft- und Netzausbau seit vielen Jahren. Das Ziel: Planungs- und Genehmigungsprozesse verkürzen, Bürokratie abbauen und neue Investitionen schneller umsetzen.
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Steigender Strombedarf erhöht den Handlungsdruck
Norwegen sieht sich mit einer wachsenden Nachfrage nach Strom konfrontiert. Neue Industrieprojekte, die Ansiedlung von Data-Centren, die Elektrifizierung bestehender Unternehmen und der Aufbau klimafreundlicher Wertschöpfungsketten erhöhen den Bedarf an Netzkapazitäten und zusätzlicher Stromproduktion. Nach Einschätzung der Regierung hält das bisherige Ausbautempo mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Bereits heute fehlen in mehreren Regionen freie Netzkapazitäten für neue Unternehmensansiedlungen und Investitionen.
Die Regierung betont zugleich, dass Stromüberschüsse und wettbewerbsfähige Energiepreise wichtige Voraussetzungen für die norwegische Industrie bleiben. Mehr Strom und leistungsfähigere Netze seien daher nicht nur für die Energiewende, sondern auch für die langfristige wirtschaftliche Entwicklung des Landes entscheidend.
Ausbauzeiten sollen halbiert werden
Ziel des Maßnahmenkatalogs ist es, die Zeit für Planung, Genehmigung und Ausbau des nationalen und regionalen Stromnetzes im Durchschnitt zu halbieren. Erste Verbesserungen sollen bereits kurzfristig sichtbar werden, während sich die volle Wirkung der Maßnahmen voraussichtlich erst gegen Ende der laufenden Legislaturperiode und in den 2030er-Jahren zeigen wird.
Weniger Bürokratie und schnellere Genehmigungen
Die Regierung sieht die Genehmigungsverfahren als einen der wichtigsten Hebel für mehr Tempo. Deshalb soll für die Bearbeitung von Stromnetz-Projekten durch die norwegische Energiebehörde NVE künftig eine Frist von zwei Jahren gelten. Diese Frist beginnt, sobald ein vollständiger Antrag vorliegt. Eine entsprechende Frist soll auch für neue Kraftwerksprojekte eingeführt werden.
Zudem plant die Regierung, die Einspruchsrechte der Provinzverwaltungen (Statsforvalter) und anderer staatlicher Behörden bei Netz- und Wasserkraftprojekten abzuschaffen. Die Einspruchsmöglichkeiten des samischen Parlaments Sametinget bleiben dagegen bestehen.
Auch die Anforderungen an Umwelt- und Folgenabschätzungen sollen überprüft und vereinfacht werden. Ziel ist, nur noch die Untersuchungen durchzuführen, die für eine fundierte Entscheidung tatsächlich notwendig sind. Gleichzeitig sollen Umwelt-, Natur- und Beteiligungsinteressen weiterhin berücksichtigt werden.
Priorität für wichtige Netzprojekte
Weitere Maßnahmen betreffen die strategische Stromnetz-Entwicklung. Statnett und die NVE sollen besonders wichtige Projekte für das norwegische Energiesystem priorisieren. Außerdem prüft die Regierung Vereinfachungen bei Modernisierungen bestehender Leitungen sowie bei weniger konfliktträchtigen Projekten im regionalen Netz.
Darüber hinaus betont die Regierung die Bedeutung einer besseren Auslastung der vorhandenen Infrastruktur. Netzbetreiber sollen bestehende Kapazitäten möglichst effizient nutzen, damit mehr Unternehmen schneller angeschlossen werden können.
Windkraft an Land soll schneller vorankommen
Neben dem Stromnetz-Ausbau richtet sich der Fokus auf neue Stromerzeugung. Die Regierung bezeichnet die Windkraft an Land als die Technologie, mit der sich zusätzliche Strommengen am schnellsten und wirtschaftlichsten bereitstellen lassen.
Um die Akzeptanz in den Kommunen zu erhöhen, sollen Gemeinden künftig früher von Windkraftprojekten profitieren. Bislang erhalten sie Einnahmen aus der Produktionsabgabe erst nach Inbetriebnahme eines Parks. Künftig sollen diese Einnahmen bereits ab Baubeginn ausgezahlt werden. Der Staat will die Zahlungen zunächst vorfinanzieren. Details sollen im Staatshaushalt 2027 vorgestellt werden.
Kommunales Vetorecht bleibt bestehen
Ein wichtiger Punkt für die Kommunen: Das Recht, Windkraftprojekte zu genehmigen oder abzulehnen, soll erhalten bleiben und sogar gesetzlich gesondert verankert werden. Gleichzeitig plant die Regierung eine Vereinfachung der kommunalen Verfahren. Unter anderem soll die Pflicht zur Erstellung eines Regulierungsplans entfallen. Dadurch sollen Entscheidungen schneller und transparenter werden.
Deutsch-norwegische Relevanz
Auch wenn es sich um einen nationalen Maßnahmenkatalog handelt, sind die angekündigten Maßnahmen auch für deutsche Unternehmen relevant. Norwegen setzt ein deutliches Signal für den beschleunigten Ausbau seiner Energieinfrastruktur. Mehr Netzkapazität und zusätzliche Stromerzeugung gelten als wichtige Voraussetzungen für neue Industrieansiedlungen, die Elektrifizierung der Wirtschaft und deutsch-norwegische Kooperationen in Bereichen wie Wasserstoff, Batterien und grüne Industrie.
