Angebotskonferenz für den Stad-Schiffstunnel: Das erwartet interessierte Firmen

Norwegens Pläne für den größten Schiffstunnel der Welt haben international für Aufsehen gesorgt. Auf einer Konferenz für interessierte Baufirmen haben die Verantwortlichen das Projekt jetzt genauer vorgestellt. Eines wurde dabei klar: Es ist einzigartig und renommiert, birgt aber auch Herausforderungen. 

Am 17. Dezember lud die norwegische Küstenverwaltung (Kystverket) zur Angebotskonferenz für den Stad-Schiffstunnel – ein einzigartiges und ambitioniertes Bauprojekt. Rund 150 Vertreter von Bauunternehmen, Ingenieurbüros und Baustoffzulieferern waren anwesend, um sich über die Details der Ausschreibung zu informieren.  

Die Stimmung auf der Konferenz war gut, in der Branche kennt man sich. In den Pausen herrschte ein reger und herzlicher Austausch. Im Raum war vorwiegend Norwegisch zu hören. Es waren aber auch Vertreter*innen von Firmen aus Dänemark, Frankreich, Spanien, China oder Tschechien gekommen. Das Projekt hat in den vergangenen Jahren international immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Ein Vertreter der Küstenverwaltung sagte zum Konferenzauftakt denn auch: „Wir wollen hier ein Stück Ingenieurskunst schaffen, das weltweit Aufmerksamkeit erregt.“ Die Konferenz fand allerdings ausschließlich auf Norwegisch statt. Auch die Dokumentation mit den Projektvorgaben ausschließlich in der Landessprache verfügbar, Bewerbungen und Projekteingaben werden nur in norwegischer Sprache akzeptiert.  

Kein Projekt für schwache Nerven 

Der geplante Schiffstunnel, der die gefährliche Küstenpassage rund um die Halbinsel Stadlandet entschärfen soll, ist ein Meilenstein in der maritimen Infrastruktur. Mit jährlich über 100 Sturmtagen ist die Region ein schwieriger Abschnitt für die Schifffahrt. Der Tunnel mit einer Länge von 1,7 Kilometern, 50 Metern Höhe und 36 Metern Breite wird nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch den Treibstoffverbrauch passierender Schiffe senken. Denn diese sitzen bei schlechtem Wetter nicht mehr vor der Stader Halbinsel fest. Der Schiffstunnel ist also auch ein Umweltprojekt. Mit seinem Querschnitt, der dem von etwa 18 Straßentunneln entspricht, gehört das Bauwerk zu den weltweit größten seiner Art. 

Entsprechend wird der Bau keine leichte Aufgabe. Das machen die Verantwortlichen auf der Konferenz deutlich: Der norwegische Gneis, ein extrem harter Fels, erfordert anspruchsvolle Spreng- und Sicherungsarbeiten. Hinzu kommen wasserführende Schichten im Gestein, die sorgfältig abgedichtet werden müssen, sowie aufwändige Maßnahmen wie Hangsicherungen, Korrosionsschutz und die Installation von Eisfangnetzen. Die geologischen Herausforderungen machen eine ständige Überwachung des Projekts notwendig.  

Ökologische und ästhetische Anforderungen 

Die norwegische Küstenverwaltung betonte auf der Konferenz, dass das Projekt höchsten Anforderungen an Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit genügen muss. Beispielsweise wird sämtlicher während der Bauarbeiten eingesetzter Kunststoff eingesammelt und entsorgt. Für die Baumaterialien, wie etwa Beton oder Armierungseisen, gelten strenge Nachhaltigkeitsvorgaben. Zudem sollen Sprengarbeiten die Laichzeiten der Fische in den umliegenden Fjorden berücksichtigen.  

Der Tunnelaushub – rund 3,5 Millionen Kubikmeter Gestein – soll vor Ort wiederverwertet werden, so die Vorgabe; etwa für die Außenverkleidung des Tunnelportals, und für Stützmauern. Ein Großteil soll zudem in Aufschüttungen an der Fjordküste eine Verwendung finden. Auf dem neugewonnenen Land soll ein Industriepark entstehen. Dafür soll der Tunnel gleich auch das Baumaterial liefern, wie auch für einen geplanten neuen Stadtteil im nahegelegenen Måløy. 

Auch zu optischen Aspekten des Tunnels gibt es Vorgaben, Kystverket hat dazu ein „Design Manual“ erstellt. Denn der Tunnel soll nicht nur funktional sein, sondern als ikonisches Bauwerk die Gemeinde Stad wirtschaftlich beleben und touristisch aufwerten.  

Der Fahrplan bis zum Zuschlag 

Das norwegische Parlament hat für das Projekt 5 Milliarden NOK (rund 430 Millionen Euro) bereitgestellt. Den Wert des ausgeschriebenen Tunnelbauprojekts schätzen die Verantwortlichen auf rund 3,5 Mrd. NOK (ca. 300 Mio. Euro). Die Bauzeit wird auf vier bis sechs Jahre geschätzt, mit einer geplanten Eröffnung im Jahr 2030.  

Interessierte Unternehmen müssen bis zum 31. Januar 2025 über das Wettbewerbsdurchführungsinstrument der norwegischen Küstenverwaltung (KGV) ihren Antrag auf eine Teilnahme einreichen. Im März folgt eine Qualifikationsrunde, aus der drei bis fünf Bieter ausgewählt werden. Diese haben bis Ende Mai Zeit, ein konkretes Angebot einzureichen. Entscheidend für den Zuschlag im Herbst wird das beste Verhältnis von Preis und Qualität sein. Firmen, die es nicht in die finale Auswahl schaffen, erhalten eine Entschädigung von 7,5 Millionen NOK (ca. ca. 640‘000 Euro). 

Weitere Ausschreibungen möglich 

Neben dem Hauptbau des Tunnels wird auch die technische und elektrische Infrastruktur des Bauwerks eine bedeutende Rolle spielen. Die Küstenverwaltung stellte in Aussicht, dass diese später möglicherweise separat ausgeschrieben werden könnte. Damit könnten sich für spezialisierte Unternehmen weitere Chancen ergeben, sich an diesem innovativen Projekt zu beteiligen. 

Weitere Informationen zum Projekt und der Ausschreibung gibt es auf der Webseite der norwegischen Küstenverwaltung.