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Die norddeutsche Schleusenstadt Brunsbüttel am Eingang des Nord-Ostsee-Kanals könnte in Zukunft Standort für das erste deutsche Flüssiggas-Importterminal sein. Die Anlage soll einen Beitrag zur Diversifizierung der Energieversorgung in Deutschland und zur Einführung von Flüssiggas als saubere Alternative zum Treibstoff im See- und Straßenverkehr leisten und die Umweltbelastung durch den Transportsektor verringern.

Wirtschaftliches Wachstum in der Region

Hinter der Projektidee steht Frank Schnabel, Geschäftsführer der Brunsbüttel Ports, der großes Potential für die lokale Industrie und den Hamburger Hafen sieht: „Wir haben den größten Industriepark des Landes, den wir mit LNG versorgen können. Das gleiche gilt für die Schifffahrt an der Elbe, den Hamburger Hafen sowie andere Häfen.“ Die skandinavischen Länder und baltischen Staaten seien ebenfalls leicht über den Nord-Ostsee-Kanal zu erreichen.

Mit der Errichtung des Terminals sind in der gesamten Wirtschaftsregion erhebliche Wertschöpfungseffekte zu erwarten, nicht nur durch Aufträge für kleine und mittelständische Unternehmen, sondern auch durch Neuansiedlungen. Durch die Anbindung an das globale Gasnetz erhält das LNG-Terminal eine bundesweite Bedeutung in der Energiepolitik: „Es wäre der einzige deutsche Standort mit einem Importterminal“, so Schnabel.

Yara International als Befürworter

Ein starker Befürworter des Vorhabens ist der norwegische Düngemittelhersteller Yara International. Das Yara-Werk in Brunsbüttel braucht für seine Produktion von Ammoniak und Harnstoff für Dünger und Treibstoffzusätze große Mengen Erdgas – bis zu 90 000 Kubikmeter pro Stunde. „Yara benötigt ein Prozent des Gesamtverbrauchs an Erdgas in Deutschland und ist damit der fünftgrößte Erdgasverbraucher“, so Geschäftsführerin Julia Lindland. Statt aus der Pipeline könnte dieses künftig in flüssiger Form aus dem LNG-Terminal im Hafen kommen und eine kostengünstigere Alternative darstellen. So könnten Betriebskosten reduziert und die Versorgungssicherheit besser gewährleistet werden.

Finale Investitionsentscheidung in 2019

Auch auf politischer Ebene findet das Projekt großen Zuspruch: Die Hauptausschüsse der Stadt Brunsbüttel und des Kreises Dithmarschen haben den Plänen für das Terminal kürzlich Vorrang vor einem Vielzweckhafen gegeben. Gemeinsam mit Ministerpräsident Daniel Günther, Bürgermeister Stefan Mohrdieck und einer 35-köpfigen Delegation mit Vertretern von lokalen und nationalen Behörden hat Schnabel im April das 2011 eröffnete LNG-Terminal Gate in Rotterdam besichtigt.

Mit der German LNG Terminal GmbH wurde Anfang des Jahres ein Investorenkonsortium gegründet, das über den Bau, Besitz und Betrieb des 220 000 Kubikmeter großen Tanklagers entscheidet. Im Rahmen der „Open Season“ werden bis zum Ende des Jahres Marktinteresse und Kundenbedarf eruiert und entsprechende Genehmigungen eingeholt. 2019 wird dann entschieden, ob das 500-Millionen-Euro- Terminal gebaut und 2022 in Betrieb genommen wird.

LNG-Konferenz in Norwegen

Am 31. Mai und 1. Juni findet die Konferenz „LNG and beyond: Global challenges, sustainable solutions“ in Regie von Innovation Norway und der AHK Norwegen bei Yara International statt. Experten, Marktakteure und politische Entscheidungsträger aus dem maritimen Sektor treffen sich zum Erfahrungsaustausch zu Trends, Projekten, Technologien und zukünftige Geschäftsmodellen. Mehr Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie hier.

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