Das norwegische Schulsystem unterscheidet sich stark vom deutschen – vor allem in Bezug auf die Kultur und die Notengebung. In diesem Artikel haben wir einige Unterschiede zusammengestellt, die für viele Deutsche neu oder überraschend sein könnten.
Bild: AdobeStock
In Norwegen beginnen die Kinder in dem Jahr, in dem sie sechs Jahre alt werden, mit der 1. Klasse. Die Grundschule (in Norwegen „barneskole“), dauert sieben Jahre – also von der 1. bis zur 7. Klasse. In dieser Zeit bleiben die SchülerInnen in der Regel in der gleichen Klasse mit denselben Mitschülern, häufig auch mit der gleichen Lehrkraft, wobei Letzteres etwas variieren kann. Nach Abschluss der Grundschule wechselt man in die Sekundarstufe I („ungdomsskole“), die die 8. bis 10. Klasse umfasst. Die ersten zehn Schuljahre sind in Norwegen verpflichtend. Danach folgt die weiterführende Schule („videregående skole“) von der 11. bis zur 13. Klasse. Diese ist freiwillig, aber die allermeisten entscheiden sich dafür, sie zu besuchen. Die „videregående skole“ endet mit einem Abschlusszeugnis nach bestandener Prüfung.
Noten
Im norwegischen Schulsystem erhalten Schüler erst ab der Sekundarstufe I, also ab der 8. Klasse, Noten. Von der 1. bis zur 7. Klasse gibt es keine Noten, sondern nur reguläre Bewertungen und Rückmeldungen. Man möchte Kinder in jungen Jahren nicht zu sehr unter Leistungsdruck setzen, sondern vielmehr das Lernen fördern– nicht nur das Auswendiglernen für gute Noten. Norwegische Schüler bekommen also nur in der Sekundarstufe I und der weiterführenden Schule Noten. Es ist zudem möglich, Noten später zu verbessern, wenn man mit den ursprünglichen Ergebnissen unzufrieden ist. So wiederholen viele Schüler nach dem Abschluss der „videregående“ einige Fächer, um ihre Noten für die Studienbewerbung zu verbessern.
Beziehungen zu Lehrern
An norwegischen Schulen ist es nicht üblich, Lehrkräfte oder Schulleiter mit „Herr“, „Frau“ oder dem Nachnamen anzusprechen. Stattdessen verwenden alle – unabhängig von Beziehung oder Position – ausschließlich Vornamen. Dies kann aus deutscher Perspektive ungewohnt sein, da in Deutschland die Höflichkeitsform bei der Anrede von Lehrkräften üblich ist. In Norwegen ist es kulturell nicht üblich, Nachnamen oder Anredeformen wie „Herr“ oder „Frau“ zu verwenden – mit Ausnahme der Königin und des Königs.
Spezialisierung
In Norwegen gibt es keine Differenzierung nach Bildungswegen vor Beginn der weiterführenden Schule (ab der 11. Klasse). Erst dann können die SchülerInnen zwischen einem allgemeinbildenden und einem berufsbildenden Zweig wählen. Bis dahin durchlaufen alle denselben schulischen Weg – also bis zum Ende der Sekundarstufe I in der 10. Klasse.
Englisch als Fremdsprache
In Norwegen beginnt der Englischunterricht bereits in der 1. oder 2. Klasse, und viele SchülerInnen beherrschen die Sprache bereits in der 5. Klasse gut. Weitere Fremdsprachen wie Deutsch, Französisch oder Spanisch können erst ab der 8. Klasse gewählt werden. In der gesamten Grundschule liegt der Fokus stark auf dem Englischunterricht, damit die Schüler die Sprache so früh wie möglich fließend beherrschen.
