Das norwegische Parlament (Storting) hat sich im Juni auf ein neues Mineralgesetz geeinigt. Es soll die Voraussetzungen für eine verstärkte Bergbauaktivität schaffen und Norwegen zu einem sicheren und verlässlichen Lieferanten kritischer Rohstoffe machen – eine Ressource, die sowohl für die europäische Verteidigungsindustrie als auch für den grünen Wandel von entscheidender Bedeutung ist.
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Stärkung der norwegischen Mineralindustrie und Sicherheitsinteressen
Der Gesetzesvorschlag wurde im Storting verabschiedet und soll die Bearbeitung von Bergbauprojekten effizienter machen. Dies geschieht unter anderem durch die Koordinierung verschiedener Genehmigungsverfahren. Dadurch soll es einfacher werden, neue Mineralprojekte zu starten.
Darüber hinaus legt das Gesetz Bedingungen fest, die einen nachhaltigen Bergbau gewährleisten und die Rechte der samischen Bevölkerung besser schützen sollen. Außerdem verknüpft das Gesetz die Mineralindustrie und die Verwaltung von Mineralressourcen mit nationalen Sicherheitsinteressen.
„Mineralien gewinnen zunehmend an strategischer und geopolitischer Bedeutung – etwa als Komponenten für erneuerbare Energien, digitale Transformation sowie die Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie. Wir wollen die Mineralwirtschaft entwickeln und gleichzeitig unsere nationalen Sicherheitsinteressen wahren“, sagt Wirtschaftsministerin Cecilie Myrseth in einer Pressemitteilung der Regierung. In Norwegen rückt der Bergbausektor wieder stärker in den Fokus.
EU will unabhängiger bei Rohstoffen werden
Das neue Mineralgesetz ist Teil der Umsetzung der Mineralstrategie der norwegischen Regierung, die vor zwei Jahren vorgestellt wurde. Die Strategie legt fest, dass Norwegen die weltweit nachhaltigste Mineralindustrie entwickeln will. Sie knüpft die norwegischen Rohstoffbestrebungen zudem eng an den EU-Rechtsrahmen Critical Raw Materials Act (CRMA) an. Der CRMA identifiziert 14 kritische Rohstoffe, bei denen die EU unabhängiger werden will, und die norwegische Regierung hat den Wunsch geäußert, das Regelwerk in das EWR-Abkommen aufzunehmen.
Diese kritischen Rohstoffe sind zentral für die weitere Energiewende und die Produktion von Verteidigungsgütern. Im Rahmen des CRMA hat die EU bisher 60 Projekte als „strategisch“ eingestuft – zwei davon befinden sich in Norwegen: Nussir ASA und Norgraph AS, die sich mit der Gewinnung von Kupfer bzw. Graphit beschäftigen. Auch ein Bericht der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) aus dem Jahr 2024 hob Norwegen als potenziell wichtiges Lieferland für seltene Erdmetalle hervor.
Größtes Vorkommen seltener Erden Europas in der Telemark
Unter den kritischen Rohstoffen nehmen seltene Erden (Rare Earth Elements) eine wichtige Rolle ein. Sie sind insbesondere für die Herstellung von Permanentmagneten entscheidend, die etwa in Windkraftanlagen und Elektrofahrzeugen verwendet werden. Laut EU wird sich die Nachfrage nach seltenen Erden bis 2030 verfünffachen.
Das Fensfeld in der Gemeinde Nome in Telemark enthält das größte bekannte Vorkommen seltener Erden in Europa. Das Gebiet hat internationale Aufmerksamkeit erregt und gilt als ein Schlüsselprojekt zur Stärkung der europäischen Selbstversorgung mit diesen Rohstoffen. Die beiden norwegischen Unternehmen, die über Abbaurechte im Fensfeld verfügen – Rare Earths Norway und REE Minerals – planen, die Förderung bis 2035 aufzunehmen. Zudem wird derzeit in Herøya eine Verarbeitungsanlage für seltene Erden gebaut (REEtec). Der Antrag von Rare Earths Norway, das Fensfeld als strategisches Projekt im Rahmen des CRMA anerkennen zu lassen, wurde aufgrund des Entwicklungsstatus abgelehnt. Das Unternehmen wurde jedoch von der EU ermutigt, einen neuen Antrag einzureichen.
Quellen:
Ny minerallov skal øke mineralaktiviteten i Norge – regjeringen.no
Prop. 71 L (2024–2025) – regjeringen.no
Global supply chains threatened by lack of Chinese rare earths
Carmakers battle to find supplies of rare earths as China tightens its grip
