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Die norwegische Krone hat sich 2023 im Vergleich zum Euro und US-Dollar deutlich abgeschwächt und bisher nicht zu alter Stärke zurückgefunden. Die norwegische Statistikbehörde SSB sieht dafür mehrere Gründe – und trifft eine Einschätzung, ob sich eine Kursänderung abzeichnet.
Dieser Bericht ist Anfang 2024 erschienen. Unseren neuesten Artikel zu diesem Thema finden Sie hier.
Die norwegische Krone präsentiert sich seit über einem Jahr schwach gegenüber dem Euro. Im September 2022 unterschritt die Krone das letzte Mal die Wechselkursmarke von 1:10. Dann verlor sie ungebremst an Stärke und erreichte ihren Tiefpunkt am 30. Mai 2023, als 1 Euro 12 Norwegische Kronen kosteten. Seither gab es einige Schwankungen, die Marke von 1:11 unterschritt die Krone aber nicht mehr. Derzeit liegt der Wechselkurs bei etwa 11,3 NOK für 1 Euro. Seit Ende 2022 hat sie gegenüber dem Euro somit ungefähr 10 Prozent an Wert eingebüßt.
Entwicklung des Euros gegenüber der norwegischen Krone seit 2003:

Quelle: Google Finanzen
Im Sommer 2023 verorteten Experten die Ursachen für die schwache norwegische Währung unter anderem im Zins- und auf dem Rohstoffmarkt. Doch dort sind die Gegebenheiten nun anders als noch vor einem halben Jahr: Die beiden für Norwegen am stärksten ausschlaggebenden Rohstoffe, Öl und Gas, stiegen im Herbst preislich merkbar an, ohne dass dies einen großen Einfluss auf die Krone gehabt hätte. Und auf den Zinsmärkten deuten die Zeichen derzeit wieder mehr in Richtung Entspannung als noch im vergangenen Sommer. Warum also verharrt die norwegische Währung in ihrem Tief?
Auch jetzt gilt: Die Gründe sind unzähligen komplexen Marktmechanismen geschuldet, die Experten immer wieder in Erklärungsnot bringen. Finanzspezialistinen der norwegische statistische Behörde SSB haben kürzlich eine Auflistung möglicher Ursachen präsentiert, und diese in lang- und kurzfristige Einflüsse eingeteilt:
Kurzfristige Einflüsse:
Globale Unruhen:
Vom Ukraine-Krieg bis zu Kämpfen im Nahen Osten: Derzeit sieht sich die Westliche Welt einigen Krisen ausgesetzt. In Krisenzeiten suchen sich Anleger*Innen sichere Häfen für ihr Geld. Das heißt, sie setzen auf Währungen die als stabil empfunden werden, wie den Dollar oder den Euro. Kleinere Währungen wie die Norwegische Krone haben es da schwieriger. Es ist also möglich, dass die norwegische Krone als riskanteres Investment wahrgenommen und deshalb eher gemieden wird. Dieses Schicksal teilt sie sich mit anderen „kleineren“ Währungen wie der Schwedischen Krone: Auch sie wurde in der vergangenen Zeit ähnlich stark abgewertet.
Zinsdifferenz zum Ausland:
Anleger erzielen in der Regel eine bessere Rendite, wenn sie Währungen in Ländern mit hohen Zinssätzen besitzen, als in Ländern mit niedrigen. Norwegen hat, verglichen mit dem Euroraum, eher spät damit begonnen, den Leitzins anzuheben. Folglich wurden Investitionen in Norwegischen Kronen für Anleger in dieser Zeit weniger attraktiv, was dazu geführt haben könnte, dass sich die Krone abschwächt. Diese Effekte können laut SSB einen langfristigen Effekt haben, was die aktuelle Schwäche der Krone erklären könnte, obwohl Norwegen im Dezember den Leitzins noch einmal erhöht hat. Wie im Euroraum steht dieser nun bei 4,5 Prozent.
Währungshandel der Norwegischen Zentralbank:
Der norwegische Staat erhält große Steuereinnahmen in norwegischen Kronen. Ölunternehmen erhalten Einnahmen in Dollar. Die Unternehmen müssen einen Teil der Einnahmen in norwegische Kronen umtauschen, um Steuern und Abgaben an den norwegischen Staat zu zahlen. Dies schafft eine Nachfrage nach norwegischen Kronen, die isoliert betrachtet die Krone stärken würde.
Die Norges Bank muss jedoch die Steuereinnahmen aus dem Ölsektor wieder in Dollar umtauschen, um das Geld in den Ölfonds zu investieren, was die Krone schwächen kann. Der Zeitpunkt dieser Operationen kann kurzfristig den Wechselkurs beeinflussen. Andere Marktteilnehmer könnten große Kronenverkäufe der Norges Bank als negatives Signal betrachten. Die Operationen der Norges Bank erregen typischerweise mehr Aufmerksamkeit auf dem Markt, als wenn Geld in Form von Steuerzahlungen an das Finanzministerium fließt.
Apropos Ölfonds: Dessen Fremdwährungsreserven dürfen laut Gesetz nicht dazu genutzt werden, um die norwegische Währung zu stützen.
Langfristige Einflüsse:
Ölpreis
Lange bewegte sich die norwegische Krone mehr oder weniger parallel zu den Preisen auf dem fossilen Markt. Diese Zeiten sind vorbei. Zwar können höhere Preise für Öl und Gas immer noch einen stärkenden Effekt auf die norwegische Währung haben, dieser Effekt hat sich aber abgeschwächt. Die SSB führt hier verschieden gründe ins Feld: Zum einen beeinflusst der Grad, zu dem die norwegische Festlandwirtschaft vom Öl und Gas abhängig ist, die Währung. Diese Abhängigkeit hat, ironischerweise unter anderem wegen des Ölfonds, der ein sicheres finanzielles Polster bildet, abgenommen. Entsprechend kleiner sind die Effekte höherer Preise auf dem fossilen Markt auf die Krone.
Längerfristig ist auch die die Ausphasung der Ölproduktion ein Thema. Wie wird die Nachfrage nach Öl und Gas längerfristig aussehen? Und wie wird sich die Klimapolitik, auf die derzeit immer noch stark fossil geprägte norwegische Wirtschaft auswirken? Diese Unsicherheiten können dazu führen, dass die norwegische Krone längerfristig als risikoreicher empfunden und deshalb abgewertet werden könnte.
Preisniveau im Vergleich zum Ausland:
Die Inflation im Euroraum betrug im Januar 2024 im Vergleich zum Vorjahresmonat 2,8 Prozent. In Norwegen betrug sie im gleichen Zeitraum 4,7 Prozent. Für einen fundierten Vergleich und um die Auswirkungen auf die Währungen zu erfassen, wäre zwar eine breitere Analyse der Zahlen über die vergangenen Monate nötig. Aber generell lässt sich sagen, dass sich ein stärkerer Anstieg des Preisniveaus im Vergleich zum Ausland auf längere Sicht schwächend auf die Landeswährung auswirken kann, so der ökonomische Grundsatz. Ausschlaggebend ist hier, wie sich die norwegischen Inflationsraten im Vergleich zum Ausland in den kommenden Monaten und Jahren entwickeln.
Direktinvestitionen aus dem Ausland (FDI):
Bei den ausländischen Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment oder FDI) handelt es sich um Investitionen von Unternehmen oder Einzelpersonen in Geschäftsbetriebe oder Immobilien in einem anderen Land. Diese haben in Norwegen laut SSB zuletzt eine negative Entwicklung genommen. Im Verhältnis zu den Investitionen, die nach Norwegen fließen, wird mehr in anderen Ländern investiert. Dies wirkt sich auf den Wechselkurs der Krone aus – ein negativer Kapitalfluss deutet darauf hin, dass die Investoren in der norwegischen Wirtschaft weniger Potenzial sehen als in der Eurozone.
Wie sieht die Zukunft aus?
Eine verlässliche Prognose, wie sich der Kurs der Norwegischen Krone entwickeln wird, ist schwierig bis unmöglich. Das stellt auch das SSB in seinem Bericht fest. Einiges hängt davon ab, wie sich oben genannte Faktoren entwickeln. Analystinnen und Konjunkturforscher versuchen sich trotzdem regelmäßig an Schätzungen. Jene des SSB gehen, derzeit nicht von einer baldigen Rückkehr der Krone zur früheren Stärke aus, sondern dass sich die Währung erst einmal auf dem aktuellen Niveau bewegen wird.
Was bedeutet das?
Die „Verlierer“ einer schwachen Landeswährung sind Unternehmen, die auf das Importgeschäft angewiesen sind. Für sie sind Waren sind im Vergleich zu früher teurer. Das wiederum trifft auch die Konsumentinnen und Konsumenten, auf welche die Preise in der Regel abgewälzt werden: Ihre Reallöhne sinken dadurch, dies kann wiederum zu einem Rückgang des Konsums führen, was die Wirtschaft schädigt. Doch nicht alle Effekte der schwachen Krone sind negativ. Von der Situation profitieren zum Beispiel norwegische Exporteure, deren waren im Ausland jetzt billiger zu haben und somit konkurrenzfähiger sind. Der Export macht ein großer Teil der norwegischen Wertschöpfung aus. Ebenfalls zu den Gewinnern gehört der norwegische Tourismus – Norwegen ist für ausländische Reisende durch die schwache Krone günstiger geworden.
Seit zehn Jahren immer schwächer
Die norwegische Krone, die schwächer wird, ist kein neues Phänomen – eher eine Entwicklung, die seit ungefähr 2014 anhält und sich zuletzt noch einmal zugespitzt hat, wie das norwegische Wirtschaftsportal E24 schreibt. Vor etwas mehr als zehn Jahren bewegte sich der Kronen-Euro-Kurs mehrere Jahre mehr oder weniger Stabil auf einem Kurs von um die 1:8. Ausgelöst wurde der Fall 2014 durch einen Niedergang des Ölpreises, dem die norwegische Krone folgte. Obwohl sich der Ölpreis daraufhin stabilisierte, verlor die norwegische Krone weiterhin an Wert, was der Bericht zum einen auf die globalen Märkte und die Stärke des US-Dollars zurückführt. Zum anderen werden ähnliche Argumente, wie sie das SSB nennt, ins Feld geführt: negative Kapitalströme, abnehmendes FDI und, wenn auch umstritten, die Zinsdifferenz.
Quellen:
SSB:
https://www.ssb.no/nasjonalregnskap-og-konjunkturer/konjunkturer/artikler/hva-pavirker-kronekursen
https://www.ssb.no/nasjonalregnskap-og-konjunkturer/konjunkturer/statistikk/konjunkturtendensene
E24:
https://e24.no/norsk-oekonomi/i/RGM8AA/kronen-har-svekket-seg-i-nesten-ti-aar-hvorfor
