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Die Automobilindustrie steht vor großen Veränderungen. Paul Hegna, Vice President Corporate Communication and CSR bei der Møller Mobility Group, erzählt, wie das Unternehmen zur nachhaltige Mobilität beiträgt und an neuen Mobilitätslösungen arbeitet.

Was bedeutet nachhaltige Mobilität für Sie?

Paul Hegna: Norwegen ist dem Pariser Abkommen beigetreten und hat sich dazu verpflichtet, eine notwendige und zukunftsgerichtete Umstellung des Transportsektors vorzunehmen, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Kurzum: Wir müssen unsere Ressourcen viel smarter nutzen als bisher. Deshalb sind neue und energieeffiziente Mobilitätslösungen auch ein Teil unseres Gesellschaftsauftrags.

Die Møller Mobility Group leistet seit 80 Jahren einen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung und Mobilität in Norwegen. Wir bereiten uns auf die Zukunft vor, die ziemlich anders sein wird als die Vergangenheit. Unser Kerngeschäft, die Automobilindustrie, steht vor weitreichenden Veränderungen. Elektrische und autonome Fahrzeuge sind ein Teil dieser Zukunft.

Ein wichtiger Teil unserer neuen Strategie ist es, eine Schlüsselposition bei urbanen, intelligenten Mobilitätslösungen und Städtekonzepten einzunehmen. Hierbei stärkt uns die Volkswagen Group, der weltgrößte Automobilhersteller, den Rücken. Mobilität, Digitalisierung und nachhaltige Lösungen sind neben dem Autoverkauf, wie wir ihn heute kennen, zukünftig die wichtigsten Treiber der Branche.

Dies setzt voraus, dass wir uns darauf vorbereiten, bis 2030 mehr als 30 Prozent der heutigen Einnahmen durch neue Mobilitätsdienste zu ersetzen. 2017 haben wir deshalb unseren Unternehmensnamen von MøllerGruppen zu Møller Mobility Group geändert, den Carsharing-Dienst Hyre lanciert und im Sommer das MobilityLab etabliert.

Die Møller Mobility Group will ein Vorreiter in puncto Elektromobilität sein. Wie soll dieses Ziel erreicht werden?

In den letzten Jahren haben wir eine führende Position bei aufladbaren Autos eingenommen. Dieses Jahr werden mehr als die Hälfte unserer Volkswagen aufladbar sein. Wir haben das klare Ziel, ab 2025 nur noch aufladbare Autos in Norwegen zu verkaufen. In den letzten Jahren haben wir große Investitionen bei unseren Händlern vorgenommen und umfassende Schulungsprogramme für unsere Mitarbeiter durchgeführt, die es uns ermöglichen sollen, auf diesem Markt der beste Anbieter zu werden. Wir sind auch sehr dankbar für die umfassenden Investitionen des Volkswagen-Konzerns.

Mit „Roadmap E“ hat die Volkswagen Group die wohl ehrgeizigste Elektrifizierungsinitiative der Automobilindustrie lanciert. Dies bedeutet unter anderem, dass die Konzernmarken bis ins Jahr 2025 80 elektrische Modelle lancieren werden., davon rund 50 vollelek-
trische und 30 aufladbare Hybrid-Fahrzeuge. Bis 2030 wird Volkswagen schließlich Elektroversionen aller Modelle anbieten.

Der Konzern baut zudem die weltgrößte Batteriefabrik, und investiert derzeit in den Ausbau der Ladeinfrastruktur in Europa und den USA. In Europa wird ein Ladenetzwerk mit 350-Kilowatt-Schnellladern gebaut, das dafür sorgen soll, die Batterien in kurzer Zeit aufzuladen. Der Bau der Ladestationen begann bereits 2017, bis 2020 sollen europaweit 400 Ladeplätze zur Verfügung stehen. In Norwegen werden die Stationen in Zusammenarbeit mit Circle K errichtet.

Wann werden in Norwegen mehr Elektroautos als Dieselautos unterwegs sein?

Es wird noch viele Jahre dauern, bis die meisten Autos in Norwegen Elektrofahrzeuge sind. Allerdings werden hierzulande schon sehr viele elektrische Autos verkauft: Im ersten Halbjahr wurden erstmals mehr Elektroautos in Norwegen zugelassen als jede andere Autogruppe. Der Anteil lag bei 26 Prozent im Vergleich zu 17 Prozent bei Diesel- und 24 Prozent bei Benzinfahrzeugen. Aufladbare Hybridautos machten mit 20 Prozent ebenfalls einen großen Anteil aus.

Sie setzen auf die Mobilitätslösungen der Zukunft und haben sowohl das MobilityLab als auch den Carsharing-Dienst Hyre etabliert. Können Sie uns mehr zu diesen Projekten erzählen?

Wir glauben, dass der Transportbedarf bis 2030 deutlich steigen wird. Alles deutet darauf hin, dass der Transport mit dem Auto weiterhin eine große Rolle spielen wird, es ist jedoch unklar, wie die Besitzerverhältnisse in Zukunft aussehen werden. Wir haben das MobilityLab etabliert, um Einsicht zu gewinnen und Wissen zur smarten, urbanen Mobilität aufzubauen. Außerdem müssen wir dazu bereit sein, kommerzielle Möglichkeiten zu identifizieren und zu nutzen, und unsere Glaubwürdigkeit innerhalb der Mobiliät zu erhöhen. Das ist für uns ein sehr wichtiges Thema, und wir freuen uns darüber, strategische Partner wie das Transportökonomische Institut, die Oslo Kommune, Telenor, If, NSB, Circle K sowie Posten an unserer Seite zu haben.

Die Art und Weise, wie sich Menschen und Waren bewegen, ist im Wandel. Die Møller Mobility Group strebt eine führende Position bei der Entwicklung der zukünftigen Mobilitätslösungen an, und ist deshalb mit dem Start-up HYRE eine Zusammenarbeit für einen neuen und modernen Carsharing-Dienst eingegangen. Mithilfe eines digitalen Schlüssels soll es für Kunden von HYRE einfacher werden, ihr Auto mit anderen zu teilen, wenn sie es nicht selbst benötigen. Der Carsharing-Dienst ist nur eine von vielen Initiativen in den kommenden Jahren. Wenn Carsharing und andere Sharing-Dienste zu einem regulären Angebot werden, möchten wir natürlich auch ein führender Anbieter dieser Dienste sein.

Der zunehmende Verkauf von Elektrofahrzeugen in Norwegen wird oft positiv dargestellt. Gibt es auch Herausforderungen?

Im Großen und Ganzen ist dies eine sehr positive Entwicklung. Es ist jedoch wichtig, dass das Tempo der Einführung neuer Technologien an die Infrastruktur angepasst wird. So bekommen unsere Kunden ein attraktives Angebot und die Automobilbranche ausreichend Zeit, sich anzupassen und sicherzustellen, dass die Mitarbeiter über das erforderliche Wissen zu den neuen Technologien verfügen.

Interview: Hilde Bjørk