Norwegen steht vor der größten militärischen Anschaffung seiner Geschichte: Für rund 100 Milliarden NOK (ca. 8,6 Milliarden Euro) will das Land mindestens fünf neue Fregatten beschaffen. Die Regierung hat nun vier Länder als mögliche Partner für das Projekt benannt – darunter Deutschland. Eine endgültige Entscheidung soll 2025 fallen.
Bild (AdobeStock): Die Fregatte Roald Amundsen der Fritjof-Nansen-Klasse. Nun soll der Nachfolger entwickelt werden.
Die norwegische Marine plant, ihre Flotte mit mindestens fünf neuen Fregatten zu modernisieren. Mit einer geschätzten Investitionssumme von 100 Milliarden NOK (ca. 8,6 Mrd. EUR) handelt es sich um das teuerste Rüstungsprojekt, das Norwegen je in Angriff genommen hat.
Angesichts der technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen bei der Entwicklung und dem Bau solcher Kriegsschiffe sucht Norwegen die Zusammenarbeit mit einem engen Alliierten.
Vier Länder in der engeren Auswahl
Nach einer umfassenden Vorprüfung ist die Liste potenzieller Partner von ursprünglich elf auf vier Länder reduziert worden. Dies hat der norwegische Verteidigungsminister Arild Gram vergangene Woche auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Aktuell kommen noch Frankreich, Großbritannien, die USA und Deutschland für das gemeinsame Projekt infrage.
Gram betonte:
„Wenn Norwegen neue Fregatten kauft, gehen wir eine langfristige strategische Partnerschaft mit einer Nation ein, wovon beide Länder profitieren werden.“
Die Entscheidung, welches Land den Zuschlag erhält, will die norwegische Regierung im Verlauf von 2025 treffen. Dabei spielen nicht nur militärische Aspekte eine Rolle, sondern auch politische Überlegungen. Der Wunschpartner soll ein eigenes Fregatten-Programm betreiben und strategische Interessen in Nordeuropa verfolgen.
Deutschland als starker Partner im Fokus
Deutschland hat gute Chancen auf eine Zusammenarbeit. Verteidigungsminister Gram verwies auf die langjährigen sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Auch wenn sich die Zusammenarbeit bisher traditionell auf den Landbereich konzentriert habe, zeige Deutschland verstärktes Interesse an maritimer Präsenz und Operationen im hohen Norden.
Bereits bestehende Kooperationen untermauern Deutschlands Position. So arbeiten die beiden Länder bei der Entwicklung und Beschaffung von U-Booten sowie Anti-Schiffs-Raketen eng zusammen. Kürzlich haben sie zudem gemeinsam mit der NATO eine Initiative zum Schutz kritischer Unterwasserinfrastrukturen ins Leben gerufen.
Militärische Anforderungen und wirtschaftlicher Nutzen
Die geplanten Fregatten sollen besonders auf die Jagd von U-Booten spezialisiert sein. Dies umfasst unter anderem die Ausrüstung mit Bordhubschraubern, die solche Einsätze ermöglichen.
Neben der militärischen Zusammenarbeit zielt Norwegen auch auf wirtschaftliche Vorteile ab. Die Produktion und Wartung der Schiffe soll in enger Kooperation mit dem Partnerland erfolgen und Arbeitsplätze sowie Wertschöpfung in Norwegen schaffen. Bereiche wie Forschung und Entwicklung sollen ebenfalls Teil der strategischen Partnerschaft sein.
Die ersten neuen Fregatten sollen ab 2029 schrittweise in Dienst gestellt werden. Mit diesem Vorhaben will Norwegen seine Verteidigungsfähigkeit stärken und sich zugleich langfristig in eine engere Zusammenarbeit mit einem strategischen Verbündeten einbinden.
Quellen:
Forsvarets Forum: https://www.forsvaretsforum.no/bjorn-arild-gram-flateplanen-forsvarsdepartementet/gram-bekrefter-fire-land-er-med-videre-i-fregatt-kampen/407753
Teknisk Ukeblad (TU): https://www.tu.no/artikler/disse-landene-er-det-aktuelt-a-kjope-nye-fregatter-fra/551688
