Der norwegische Verteidigungsminister Bjørn Arild Gram unterzeichnete mit seinem deutschen Amtskollegen Boris Pistorius eine Vereinbarung über eine engere Zusammenarbeit im Bereich Verteidigung und Sicherheit. Foto: Forsvarsdepartementet
Norwegen und Deutschland sind verteidigungspolitisch eng verbunden. Das spiegelt sich im Handel der beiden Länder wider: 2023 exportierte Deutschland nur in ein Land mehr Rüstungsgüter als nach Norwegen.
Norwegen und Deutschland haben im vergangenen Jahr ihre Verteidigungszusammenarbeit stark intensiviert. Rüstungsexporte im Wert von 1,2 Milliarden Euro sind im Jahr 2023 nach Norwegen gegangen. Die ist ein Anstieg von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nur die Ukraine hat 2023 noch mehr Rüstungsgüter aus Deutschland importiert. Auch Deutschland importierte 2023 Rüstungsgüter im Wert von ca. 42,8 Millionen Euro aus Norwegen.
Am 12. September 2023 haben der Norwegens Verteidigungsminister, Bjørn Arild Gram, und sein deutscher Amtskollege Boris Pistorius ein Abkommen zur Stärkung und Erweiterung der Rüstungskooperation beider Länder unterzeichnet. Dabei geht es um Verteidigungsmaterial, Logistik, gemeinsame Manöver, Industrie und Forschung.
U-Boote und Panzer
Die größten deutsch-norwegischen Projekte sind derzeit die Bestellung und Fertigung von U-Booten und Kampfpanzern. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und die Norwegian Defence Materiel Agency (NDMA) haben ein gemeinsames Programmbüro in Kiel eingerichtet. Seit September 2023 fertigt Thyssenkrupp in Kooperation mit dem norwegischen Rüstungskonzern Kongsberg Defence & Aerospace sechs identische U-Boote. Zwischen 2029 und 2035 sollen vier an die norwegische und zwei U-Boote an die deutsche Marine gehen. Die enge bilaterale Kooperation, soll die austauschbare Nutzung von Ausrüstung beider Marinen ermöglicht.
Mehr zu dem Deutsch-Norwegischen U-Boot Deal: https://handelskammer.blog/uboote_thyssenkrupp/
Im Frühjahr 2023 hat Norwegen zudem eine Bestellung von 54 Kampfpanzern Leopard 2 beim deutschen Hersteller Krauss-Maffei Wegmann in Auftrag gegeben. Im Gegenzug hat der Zulieferer Krauss-Maffei Wegmann sich zur Beschaffung von Materialien aus der norwegischen Industrie in Höhe der Vertragssumme von knapp 2 Milliarden Euro verpflichtet. Die Panzer sollen zwischen 2026 und 2028 geliefert werden.
Kronprinz lobt Zusammenarbeit
In Zeiten geopolitischer Anspannung stimme die Deutsche-Norwegische Rüstungskooperation zuversichtlich auf eine enge und stärkere europäische Verteidigungszusammenarbeit. Dies hob der norwegische Kronprinz auf seiner Deutschlandreise im November 2023 Jahres hervor. In seiner Eröffnungsrede auf der Münchener Sicherheitskonferenz November sagte er damals: „Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Norwegen ist ein Beispiel für etwas Einzigartiges. Unternehmen, die früher miteinander konkurrierten, arbeiten jetzt zusammen, um innovative und bessere Lösungen zu finden. Die Partnerschaft hat zugunsten unserer gemeinsamen Sicherheit über den Wettbewerb gesiegt.“
Die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Norwegen ist ein Beispiel für etwas Einzigartiges.
Norwegischer Kronprinz Haakon
Deutschland und Norwegen arbeiten im Bereich Sicherheit und Verteidigung nicht nur wirtschaftlich eng zusammen, sondern auch politisch. 2011 unterzeichneten beide Länder die „Declaration of Intent (DoI) on the further Enhancement of Politico-Military and Military Relations“, welche bis heute Grundlage für die enge Verteidigungszusammenarbeit ist. Durch die NATO und die europäische Zusammenarbeit sind die Länder auch durch multinationale Verträge eng verbunden.
Internationale Verteidigungsabkommen
Aufgrund seiner Lage hat Norwegen eine besondere strategische Bedeutung: Norwegens Küste erstreckt sich von der Nordsee bis zum Nordatlantik, mit einer direkten Grenze zu Russland und dem nahe gelegenen russischen Marinestützpunkt Murmansk. Norwegen ist Gründungsmitglied der NATO und seit 2021 Mitglied des Europäischen Verteidigungsfonds (European Defence Fund, EDF). Darüber hinaus sind Deutschland und Norwegen Teil der Northern Group, ein Forum für militärische Zusammenarbeit und Sicherheit in der Nordseeregion. Zwölf Staaten sind Teil des Forums und tauschen sich regelmäßig über die Sicherheitspolitische Lage in der Region aus. Auch in der OSZE arbeiten die beiden Länder zusammen. Die Organisation ist ein Instrument Stärkung der Sicherheit welches 57 Teilnehmerstaaten in Europa, Nordamerika und Teilen Asiens umfasst.
Wie viele andere europäische Nato-Mitglieder verfehlte Norwegen 2023 zum wiederholten Mal das Ziel, zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung auszugeben. Die Regierung hat verkündet dies bis 2026 erreichen zu wollen und veröffentlichte ambitionierte Pläne für Verteidigungsinvestitionen bis 2030. Am meisten Geld soll in die maritime Verteidigung fließen (32 Prozent), gefolgt von der Luftverteidigung (29 Prozent) und Waffensystemen am Boden (26 Prozent). Deutschland hingegen könnte laut Medienberichten das 2-Prozent-Ziel 2024 nach langer Zeit erstmals wieder erreichen.
Wehrdienst in Norwegen beliebt
Das norwegische Militär genießt ein hohes Ansehen, sowohl im Ausland als auch bei der eigenen Bevölkerung. Wehrdienst ist in Norwegen Pflicht, seit 2015 auch für Frauen. Durch die hohe freiwillige Bereitschaft in der Bevölkerung muss in der Regel aber niemand Wehrdienst leisten, der nicht möchte. Von den 24 600 jungen Norweger*innen, die im Jahr 2022 zum Eignungstest erscheinen mussten, wurden lediglich 40 Prozent einberufen. 9840 Personen haben demzufolge Wehrdienst geleistet, darunter 36,2 Prozent Frauen; insgesamt besteht das norwegische Militär zu 20 Prozent aus Frauen. Zum Vergleich: in der deutschen Bundeswehr liegt der Frauenanteil bei 13 Prozent. Anders als für die norwegischen Streitkräfte stellt die Anwerbung neuer Rekrut*innen für die deutsche Bundeswehr zudem eine zunehmende Herausforderung dar.
Messe für Wehrtechnik
In Nürnberg findet vom 26. bis 28. Februar 2024 die Enforce Tac 2024 statt, eine internationale Messe für Sicherheit und Verteidigung. Die AHK Norwegen ist als Teil des Skandinavisch-Deutschen Symposiums der Verteidigungsindustrie vertreten.
Weitere Quellen:
Frauenanteil Bundeswehr: https://www.bundeswehr.de/de/ueber-die-bundeswehr/selbstverstaendnis-bundeswehr/chancengerechtigkeit-bundeswehr/frauen-bundeswehr#:~:text=Inzwischen%20leisten%20%C3%BCber%2024.000%20Soldatinnen,sind%20es%20mehr%20als%2024.000.
Forsvarsdepartementet, Future Acquisitions For the Norwegian Defence Sector 2023–2030, May 2023 https://www.regjeringen.no/contentassets/595f6354301a4d7b9d63ef1c8e486482/faf-2023-2030-engelsk-versjon.pdf
