Interkulturelle Kompetenz als Schlüssel zum Erfolg

Deutsch Norwegisch (Buchsprache)

Deutsche und Norweger sind sich in ihrer Mentalität ähnlich. Deshalb wird häufig angenommen, dass sich die geschäftliche Zusammenarbeit zwischen den Ländern auf Anhieb einfach gestaltet. Umso größer ist die Verwunderung, wenn internationale Entsendungen oder Geschäftsverbindungen scheitern. Nicht selten werden die Ursachen für das Scheitern bei anderen oder in schlechten Rahmenbedingungen gesucht. Der Hauptgrund liegt jedoch oft in der unterschiedlichen Geschäftskultur der Länder und damit im eigenen Handeln. Wer versteht, warum die Unterschiede das erfolgreiche Miteinander beeinflussen, kann Missverständnisse vermeiden und die richtigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit schaffen.

Um das Potenzial und die Stärken der norwegischen Geschäftskultur zu erkennen, die deutsche Arbeitsweise zu reflektieren und die Synergien in der interkulturellen Zusammenarbeit auszuschöpfen bietet SveTys verschiedene Formate von interkulturellem Training an. Wir sprachen mit Uta Schulz, Inhaberin und Referentin des AHK-Mitgliedsunternehmens.

Warum ist interkulturelle Kompetenz für die bilaterale Zusammenarbeit so wichtig?

Weil sich die geschäftliche Zusammenarbeit nur auf einen allerersten, sehr oberflächlichen Blick einfach zu gestalten scheint. Deutsche und Norweger haben tatsächlich viel gemeinsam. In sehr entscheidenden Fragen, nämlich denen, die uns wirklich am Herzen liegen, unterscheidet sich jedoch unser Welt- und Menschenbild. Und das hat zur Folge, dass in Deutschland und Norwegen z.B. Kaufentscheidungen aus unterschiedlichen Beweggründen getroffen werden. Oder die Frage, was eine gute Führungskraft ist, wird in Deutschland und Norwegen durchaus unterschiedlich bewertet – sowohl von den Mitarbeitenden als auch vom Top-Management. Auch Entscheidungsprozesse laufen in deutschen und norwegischen Unternehmen unterschiedlich. Diese zu verstehen kann hilfreich sein, zum einen, wenn man selbst intern in die Prozesse eingebunden ist, zum anderen, wenn man z.B. in Verhandlungen die Abläufe bei Geschäftspartnern einzuschätzen versucht.

„Die Frage, was eine gute Führungskraft ist, wird in Deutschland und Norwegen durchaus unterschiedlich bewertet – sowohl von den Mitarbeitenden als auch vom Top-Management.“

Mit anderen Worten, egal ob wir im B2C- oder B2B-Bereich arbeiten, ob wir mit Geschäftspartnern oder eigenen Niederlassungen auf dem anderen Markt tätig sind, es hilft, in der Tiefe zu verstehen, was den Menschen, mit denen wir es zu tun haben, wichtig ist. Nur so können wir Signale (frühzeitig) richtig deuten und angemessen kommunizieren – in jedem Zusammenhang, intern und extern. Denn woher sollten wir sonst wissen, welche Fragen wir stellen müssen, um die richtigen Antworten zu finden? Antworten, ob unsere Produkte oder Dienstleistungen überhaupt auf dem anderen Markt mit Begeisterung aufgenommen werden? Welche Marktstrategien wir am besten entwickeln sollten? Wie wir glaubhaft als attraktive Arbeitergeber agieren und uns darstellen können? Wie wir die unterschiedlichen Erwartungen, Denk- und Lösungsansätze unserer Mitarbeitenden nutzen und Synergien schaffen können?

Gibt es einen typischen Fehler, der von Deutschen in Norwegen immer wieder gemacht wird, der untermauert, warum ein interkulturelles Training unbedingt empfehlenswert ist?

Naja, ein typischer Fehler ist, anzunehmen, dass in Norwegen ja nicht so viel anders sein kann als in Deutschland. Daher wird das erfolgreiche Geschäftskonzept aus Deutschland einfach eins zu eins in Norwegen umgesetzt – und scheitert im schlimmsten Fall bzw. bringt nicht die Ergebnisse, die man erwartet hat. Es gibt einige prominente Beispiele, dass das nicht funktioniert hat, z.B. im Einzelhandel, wo sich ein deutscher Discounter nach fünf Jahren (und Investitionen im sechs- bis sieben-stelligen Bereich) vom norwegischen Markt zurückgezogen hat. Wenn man sich (vor Markteintritt) Mühe gibt zu verstehen, wie die potenziellen Kunden „ticken“, kann man entweder sein Geschäftsgebaren anpassen oder wenn man dazu nicht bereit oder in der Lage ist, Fehlinvestitionen vermeiden.

Uta Schulz führt Coaching, Training und Beratung auf allen Hierarchie-Ebenen durch. Sie arbeitet mit Vorständen und Geschäftsführungen sowie Fach- und Führungskräften. Zudem hat sie Erfahrung in Workshops mit Studierenden und „Young Professionals“, (beratende) Begleitung bei internationalem Jugendaustausch sowie in Trainings mit Auszubildenden.

Ob Unternehmen auf der Suche nach einem neuen Markt, entsandte Mitarbeitende, Projektmanager, Teammitglieder oder Verkäufer – die Zielgruppen eines interkulturellen Trainings können sehr vielseitig sein. Wie arbeiten Sie mit den unterschiedlichen Zielsetzungen?

Ich gehe davon aus, dass jedes Unternehmen und seine Mitarbeitenden die eigenen Produkte und Dienstleistungen, die eigenen Kompetenzen, Arbeitsweisen und Möglichkeiten am besten selbst einschätzen können. Niemand ist dichter dran. Ich kann dabei helfen, den Perspektiv-Wechsel herzustellen und mit „norwegischen Augen“ das eigene Vorhaben zu betrachten, die richtigen Fragen zu stellen und die richtigen Antworten und Lösungen zu finden.

Coaching, Workshop oder Vortrag – wann empfehlen Sie welches Format?

Unter Coaching werden oft unterschiedliche Dinge verstanden. Es kann zum einen eine individuelle, ergebnisoffene Begleitung und Förderung eines Klienten oft über einen längeren Zeitraum sein, die sich insbesondere in schwierigen oder neuen beruflichen Situationen anbietet. Dazu kann auch ein internationaler oder interkultureller Einsatz zählen. Als interkulturelles Coaching wird oft eine individuelle Auslandsvorbereitung bezeichnet, insbesondere vor Entsendungen. In diesem Fall ist das Ziel, das Rüstzeug für den Auslandseinsatz zu vermitteln und den Klienten auf seine Arbeitsaufgaben individuell und konkret vorzubereiten.

Workshops richten sich an Gruppen und Teams, die sich gemeinsam Kenntnisse und Lösungen erarbeiten. Je nach Zielsetzung kann es um konkrete Arbeitsergebnisse gehen, die man zu einem bestimmten Thema wünscht. Je nach Situation können auch interkulturelle Aspekte eingewoben werden.

Ein Vortrag ist tendenziell eher eine frontale Veranstaltung, bietet sich also an, wenn eine sehr große Gruppe in sehr kurzer Zeit informiert werden soll. Auch wenn Vorträge natürlich auch amüsant gehalten werden und interaktive Elemente enthalten können, ist ein Vortrag eher eine rationale Ansprache.

„Ich kann dabei helfen, den Perspektiv-Wechsel herzustellen und das eigene Vorhaben mit „norwegischen Augen“ zu betrachten, die richtigen Fragen zu stellen und die richtigen Antworten und Lösungen zu finden.“

Für nachhaltige Lernergebnisse sind aus meiner Sicht prinzipiell interaktive Formate empfehlenswert, die erfahrungsorientiert sind und in denen die Teilnehmenden z. B. in Simulationen selbst einen Kulturschock hautnah erleben können. Neben Workshops fallen mir da noch weitere sinnvolle Formate wie interkulturelle Trainings oder interkulturelle Team-Entwicklung ein.

Können Sie abschließend ein/zwei Dos and Don’ts für den Umgang mit norwegischen bzw. deutschen Geschäftspartnern nennen?

Mit Dos and Don’ts tue ich mich immer ein wenig schwer, weil für mich eine ganzheitliche Sicht wichtig ist – nicht zuletzt auch um Dos and Don’ts richtig einschätzen zu können. Oft werden dann so „oberflächliche Dinge“ wie duzen und siezen, korrekte Kleidung oder Humor in Verhandlungen angesprochen, was natürlich auch wichtig ist.

Vielleicht zwei goldene Regeln für Norweger, wie sie bei deutschen Geschäftspartnern einen schlechten Eindruck machen und in der Zusammenarbeit demotivieren können:

  1. Vermeide, dich gut auf Meetings vorzubereiten. Das Meiste wird sich schon irgendwie regeln und wer fragt schon nach Details?
  2. Lass dir Zeit und antworte auf Mails irgendwann und liefere dann, wenn du von deiner hytte zurück bist. Hastverk er lastverk.

Und zwei goldene Regeln für Deutsche, wie sie bei norwegischen Geschäftspartnern einen schlechten Eindruck machen und in der Zusammenarbeit demotivieren können:

  1. Drücke dich klar und deutlich aus und sprich alles Negative an. Selbstverständlich hast du Recht. Du solltest deine guten Ideen durchsetzen und dich vollständig auf das Geschäft konzentrieren.
  2. Halte an den gewohnten Regeln und am Kleingedruckten fest. Wo kommen wir denn sonst hin?

Ach. Und vielleicht noch eine dritte für Deutsche: Was war noch gleich am 17. Mai?


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