Kommentar zur 23. Weltklimakonferenz in Bonn

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Seit dem 12. November findet die 23. UN-Klimakonferenz in Bonn statt, zu der 25 000 Teilnehmer akkreditiert sind. Norbert Pestka, Geschäftsführer der AHK Norwegen, teilt seine Gedanken zu der Rolle Deutschlands als Gastgeber und Vorreiter.

Der Gastgeber Deutschland hat bereits mit der mutigen Entscheidung zur Energiewende und dem Ersatz von Atomenergie durch erneuerbare Energien eine Vorreiterrolle in der Welt übernommen, wenn auch die Umsetzung wenig strukturiert erscheint.

Eine entsprechende Vorreiterrolle bei der Verbesserung des Weltklimas hat Deutschland nicht, obwohl entsprechende Technologien vorhanden sind. Mit dem Klimaschutzplan 2050 hat die deutsche Regierung sich bei der Weltklimakonferenz in Marrakesch im Jahr 2016 ehrgeizige Ziele gesetzt, allerdings versäumt, entsprechende Maßnahmen zu definieren und umzusetzen, die eine deutliche Reduzierung der Treibhausgase zum Ziel haben.

So ist es auch nicht überraschend, dass seit 2016 die Treibhausgase in Deutschland weiter angestiegen sind und die Klimaziele bisher verfehlt wurden. Klimaschädliches Verhalten konnten wir in Deutschland unter anderem in folgenden Bereichen bisher nicht ändern:

  1. In der Logistik setzen wir auf Diesel und Benziner, obwohl wir seit dem Dieselgate wissen, dass Stickoxide gesundheitsgefährdend sind. Umso unverständlicher ist es, dass Diesel sogar steuerlich subventioniert wird. Die Einführung von emissionsfreien Elektrofahrzeugen verschiebt die Automobilindustrie in die Zukunft nach 2020, und bei Lastwagen sowie im öffentlichen Verkehr spielen alternative Technologien bisher eine untergeordnete Rolle.
  2. Wir wissen, dass Kohle klimaschädlich und nicht mehr rentabel ist, wenn alle gesellschaftlichen Kosten berücksichtigt werden. Dennoch wird sie weiterhin für die Energieerzeugung eingesetzt und sogar steuerlich subventioniert. Die Politik erwägt bisher einen Ausstieg erst ab 2030, obwohl wir aktuelle eine starke gesellschaftliche Unterstützung erfahren, die seit der letzten Woche auch durch 25 große deutsche Unternehmen geprägt wird. Eine weitere Verzögerung des Strukturwandels erscheint nicht sinnvoll.

Trotz der schwachen Klimabilanz Deutschlands hoffe ich, dass das diplomatische Gewicht Deutschlands die internationalen Klimaverhandlungen in eine positive Richtung führen wird.

Norbert Pestka, Geschäftsführer der AHK Norwegen