In Sachen Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien gilt Norwegen in vielen Bereichen als Musterschüler. Beim Thema Kreislaufwirtschaft zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild. Das Land hat hohe Ambitionen, steht aber noch am Anfang eines umfassenden Wandels.
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Die norwegische Regierung verfolgt das Ziel, eine grüne und zirkuläre Wirtschaft aufzubauen. Mit der nationalen Strategie von 2021 und dem Aktionsplan 2024–2025 wurden dafür wichtige Leitlinien geschaffen. Im Mittelpunkt stehen langlebige Produkte, mehr Wiederverwendung, bessere Recyclinglösungen und effizientere Wertschöpfungsketten.
Ein hoher Materialverbrauch
Trotzdem bleibt die Ausgangslage anspruchsvoll. Norwegen weist einen hohen Materialverbrauch pro Kopf auf. Nach Berechnungen des Circularity Gap Report werden nur rund zwei Prozent der eingesetzten Materialien wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt. Damit liegt das Land deutlich unter dem Niveau, das für eine echte Kreislaufwirtschaft erforderlich wäre.
Gleichzeitig verfügt Norwegen über einige bemerkenswerte Erfolgsmodelle. Besonders bekannt ist das Pfandsystem für Getränkeflaschen und Dosen. Es zählt zu den effizientesten weltweit. 2024 wurden 93 Prozent der Behälter zurückgegeben. Die Sammelquote erreichte sogar 98 Prozent. Das System zeigt, wie klare Anreize und einfache Prozesse hohe Rücklaufquoten ermöglichen. Kürzlich hat in Norwegen zudem eine der weltweit modernsten Sortieranlagen für Plastikabfall ihren Dienst aufgenommen, mit einer Kapazität von rund 90 000 Tonnen pro Jahr.
Ein Land mit Leuchtturmprojekten
Im Vergleich zu Deutschland setzt Norwegen bislang stärker auf einzelne Leuchtturmprojekte als auf eine breite Kreislaufwirtschaft in allen Branchen. Die Bundesrepublik erreicht bei der Nutzung von Sekundärrohstoffen höhere Werte und verfügt über eine lange Tradition im Recycling- und Abfallmanagement.
Norwegen profitiert von seiner engen Anbindung an den europäischen Binnenmarkt und übernimmt zunehmend Vorgaben aus dem EU-Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft. Besonders große Chancen sehen Experten in der Bauwirtschaft, im Transportsektor sowie bei Reparatur-, Wiederverwendungs- und Sharing-Modellen. Diese Bereiche verursachen einen erheblichen Teil des Ressourcenverbrauchs und stehen deshalb im Fokus künftiger Maßnahmen.
Gesucht: Technologien und Geschäftsmodelle
Für deutsche Unternehmen ergeben sich daraus interessante Perspektiven. Gefragt sind Technologien, digitale Lösungen und Geschäftsmodelle, die Materialkreisläufe schließen und Ressourcen effizienter nutzen. Mit den Plänen der Regierung sind die Weichen gestellt. Nun entscheidet die Umsetzung darüber, ob Norwegen seinen Anspruch als Vorreiter der grünen Transformation auch in der Kreislaufwirtschaft einlösen kann.
Quellen:
- Norwegische Regierung: Action Plan for a Circular Economy 2024–2025
- Norwegische Regierung: Norway’s Strategy for Developing a Green, Circular Economy
- Circularity Gap Report Norway 2025
- Infinitum Annual Report 2024
- European Environment Agency Deutschland: Circular Material Use Rate
- Teknisk Ukeblad: Her kan des ortere all norsk husholdningsplast
