„Ich will, dass man bei Wirtschaft automatisch an uns denkt“ 

Helena Melnikov ist seit dem 1. Januar 2025 Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), der Dachorganisation der deutschen Auslandshandelskammern. Sie folgt in dieser Funktion auf Martin Wansleben. Die promovierte Juristin bringt langjährige Erfahrung aus führenden Positionen der Verbandswelt mit: Zuletzt leitete sie als Hauptgeschäftsführerin den Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME). Zuvor war sie Hauptgeschäftsführerin des Waren-Vereins der Hamburger Börse e. V. und leitete beim Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) die Abteilung Recht und Wettbewerb. Mit diesem kurzen Interview stellen wir sie vor. 

Frau Melnikov, seit Anfang des Jahres stehen Sie an der Spitze der DIHK – mitten in einer Zeit voller wirtschaftlicher Herausforderungen. Was hat Sie in Ihren ersten Monaten am meisten beeindruckt? 

Ganz ehrlich? Die Kraft, die in diesem Netzwerk steckt. Überall in Deutschland sprechen wir direkt mit Unternehmen – vom Maschinenbauer bis zum Start-up – und wir bekommen auch in unseren Auslandshandelskammern mit, was international läuft. Dieses Gespür für den „Puls der Wirtschaft“, kombiniert mit konkretem Wissen, ist etwas, das kaum jemand sonst so gebündelt bieten kann. Und genau das motiviert mich: Ich will diese Stärke sichtbarer machen – in der Politik, in den Medien und auch international. 


Sie kommen selbst aus dem Verbandswesen, waren im Groß- und Außenhandel tätig. Was treibt Sie persönlich in dieser Rolle an?

Ich bin jemand, der gern Dinge in Bewegung bringt – am besten gemeinsam mit anderen. Ich glaube an die Kraft von Dialog und lösungsorientierter Zusammenarbeit. Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, sich nicht in Problemen zu verlieren, sondern zu fragen: Was können wir jetzt ganz konkret besser machen? Weniger Bürokratie in der Verwaltung, mehr Tempo bei Genehmigungen, bessere Bedingungen für Innovation – das sind keine abstrakten Themen, sondern ganz konkrete Hebel, damit Unternehmen wieder Lust auf Zukunft bekommen. 

Dr. Helena Melnikov, DIHK-Hauptgeschäftsführerin

Deutschland ist eng mit internationalen Partnern vernetzt – etwa auch mit Norwegen. Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit in Europa und weltweit für Sie? 

Eine ganz zentrale! Als Exportnation ist Deutschland auf verlässliche internationale Partnerschaften angewiesen – in Europa genauso wie darüber hinaus. Ob es um Energie, Digitalisierung, nachhaltige Technologien oder Fachkräfte geht: Viele Herausforderungen kennen keine Grenzen. Länder wie Norwegen zeigen, wie viel Potenzial in gemeinsamer Innovationskraft steckt – und das gilt genauso für Kooperationen mit Partnern in Asien, Nordamerika oder Afrika. Unsere Auslandshandelskammern spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie sind Brückenbauer, Impulsgeber, Netzwerker. Ich wünsche mir, dass wir diese Verbindungen weiter stärken – denn wer sich gemeinsam bewegt, kommt schneller voran. 

Sie sind die erste Frau an der Spitze der DIHK – bringt das eine andere Perspektive in die Debatten? 

Vielleicht. Ich glaube, Führung verändert sich ständig – nicht nur wegen Frauen, sondern weil die Anforderungen sich ändern. Es geht heute nicht nur um Durchsetzen, sondern auch um Vernetzen, Zuhören, Einordnen, Machen. Das ist auch mein Stil: Ich bin gerne mittendrin, frage nach, hole Perspektiven zusammen und lege dann los. Das brauchen wir gerade jetzt, wo die Wirtschaft ganz unterschiedliche Stimmen hat – aber genauso brauchen wir auch ein gemeinsames Ziel: wieder kraftvoll und positiv in die Zukunft gehen. 

Wir bedanken uns für das Gespräch und die interessanten Insides!