Mit einem zunehmend internationalen Profil präsentiert sich das vierte internationale Fosse Festival im September in Oslo. Nicht zuletzt durch zwei bemerkenswerte Beiträge aus Deutschland. Die Schaubühne Berlin und das Schauspiel Köln stehen gemeinsam mit großen Namen aus Belgien und Schweden auf dem Programm. Fast alle Stücke werden – selbstverständlich – auf Nynorsk im Det Norske Teatret aufgeführt. Ausnahme bilden die Produktionen auf Englisch, Französisch, Schwedisch und Deutsch. Diese werden zusätzlich mit Nynorsk-Untertiteln versehen.
Bilder: Det Norske Teatret/ Agnete Brun/Samlaget
Die Festivalpremiere fand 2019 anlässlich Jon Fosses 60. Geburtstags statt und hat sich seither zu einem der wichtigsten internationalen Theaterfestivals in Norwegen entwickelt.
Jon Fosse war seit seinem Debüt äußerst wichtig für das Det Norske Teatret, für das Theater auf Nynorsk und für die Nynorsk-Sprache.
Siri Løkholm Ramberg, Dramaturgin Det Norske Teatret
Seit Fosse 2023 den Literaturnobelpreis erhalten hat, hat das Festival seinen Fokus erweitert und bezieht nun auch andere künstlerische Positionen ein, die Fosses ästhetische und thematische Spuren aufnehmen.
Seine Art, der stummen Sprache eine Stimme zu geben, haben wir als Ausgangspunkt genommen und Künstler:innen eingeladen, die auf ihre eigene Weise das Schweigen und das Erzählen erforschen.
Starke Stimmen aus Deutschland
Unter den vier internationalen Gastspielen stechen in diesem Jahr die deutschen Produktionen sowohl in Form als auch im Ausdruck hervor. Aus Berlin kommt Qui a tué mon père (Wer hat meinen Vater umgebracht) – ein intensiver Monolog nach dem Roman von Édouard Louis, inszeniert von Thomas Ostermeier, in dem Louis selbst auf der Bühne steht.
Eine kurze und intensive Inszenierung, unter der Regie Thomas Ostermeier, der bereits früher erfolgreich mit Louis gearbeitet hat – und der eine wichtige Rolle für Fosses Durchbruch in Deutschland spielte. Dass Louis selbst in dieser Aufführung mitwirkt, ist sensationell.
Ostermeier hat entscheidend dazu beigetragen, Fosse dem deutschen Publikum nahezubringen, und seine Präsenz beim Festival gilt als bedeutende künstlerische Brücke.
Das Schauspiel Köln unter der Leitung von Kay Voges zeigt Der Name – eine ungewöhnliche und kraftvolle Interpretation eines von Fosses bekanntesten Stücken. Voges setzt dabei sowohl auf Absurdes als auch auf Horror, um das Dunkel in Fosses Text hervorzuheben – eine Inszenierung, die sich deutlich von der poetischeren Fosse-Tradition abhebt.
Die Aufführung sticht heraus aus der Vielzahl (eher) poetischer und andeutender Fosse-Inszenierungen und ist in vielerlei Hinsicht genau die Inszenierung, nach der wir lange gesucht haben.

Theater für alle Sprachen
Alle Aufführungen beim Fosse Festival werden mit Untertiteln auf Englisch und Nynorsk gezeigt. Damit wird das Festival sowohl einem internationalen Publikum als auch denjenigen in Oslo zugänglich gemacht, die kein Norwegisch verstehen.
Das Festival richtet sich an ein internationales Publikum, ist aber auch eine gute Gelegenheit, Theater für Menschen in Oslo anzubieten, die kein Norwegisch verstehen.
Die Zusammenarbeit mit deutschen Theatern hat lange Tradition und große Bedeutung. Das deutsche Regietheater hat das norwegische Theater über Jahrzehnte hinweg geprägt. Das Festival sieht es als logische Erweiterung, starke Produktionen direkt von den Bühnen in Berlin und Köln zu holen.
Die darstellende Kunst hat in der deutschen Kultur einen hohen Stellenwert, und viele Strömungen, die wir später im skandinavischen Theater sehen, nehmen genau dort ihren Anfang.
Ein Treffpunkt für künstlerischen Austausch
Die Festivalleitung hofft, dass die deutschen Beiträge in diesem Jahr das norwegische Publikum sowohl inspirieren als auch herausfordern. Gleichzeitig sollen sie neue Zugänge zu Fosses Texten ermöglichen.
Was Der Name betrifft, glauben wir, dass es eine entautomatisierende Wirkung hat, Fosse in einer anderen Sprache zu erleben – man nimmt ihn anders wahr, als wenn man ihn in der Originalsprache hört. Das eröffnet neue Perspektiven, ganz einfach.
Mit Ostermeier und der Schaubühne können wir unserem Publikum etwas vom Besten bieten, was das europäische Theater derzeit zu bieten hat. Es ist kraftvoll und aktuell, aber auch ein kleines Stück Theatergeschichte.
Gleichzeitig sieht man das Festival auch als Sprungbrett für weitere Kooperationen – auch in umgekehrter Richtung.
Wir zeigen während des Festivals mehrere Fosse-Produktionen vom Det Norske Teatret, darunter Einkvan, Vinter und die Uraufführung von Skodespelet, die ihrerseits vielleicht zu Gastspielen eingeladen werden oder zu neuen deutschen Inszenierungen inspirieren.
Mit internationalen Stars wie Édouard Louis und Milo Rau im Programm und einem klaren Schwerpunkt auf deutsch-norwegischen Kooperationsprojekten festigt das Fossefestival seine Position als eine der wichtigsten Plattformen für neue europäische Theaterkunst.
Für Der Name bietet das Det Norske Teatret einen 30 % Rabatt auf Tickets an. Karten können unter diesem Link bestellt werden.
