Nesten Norwegisch” (nesten norw.= fast/so gut wie dt.), der inoffizielle Norwegen Podcast, dreht sich um ganz persönliche Eindrücke von zwei ausgewanderten Deutschen, Laura Herzig und Victoria Kau. Ungefiltert. Persönlich. Informativ – wie sie selbst ihren Podcast in drei Worten beschreiben. Kürzlich waren sie für eine Live-Folge im Gespräch mit Michael Kern, dem Geschäftsführer der AHK, zu Gast bei der AHK Norwegen.
Kennengelernt haben sich Victoria Kau und Laura Herzig über die Young Professionals der AHK Norwegen. „Aus dieser Gruppe entstand sowohl eine heute noch aktive private Freundinnengruppe, als auch eine enge Freundschaft“, erzählt Victoria. In der Pandemiezeit vertiefte sich der Austausch – nicht zuletzt durch unzählige Sprachnachrichten. „Da sagte Laura irgendwann: ‘Mensch, da müssten wir doch mal einen Blog darüberschreiben! Weil ich aus Berlin schon Podcast-Erfahrung hatte, wurde dann aus der Blog-Idee ein Podcast.“
Von Krefeld nach Oslo – zwei Lebenswege, ein Mikrofon
Dass beide gebürtig aus Krefeld stammen, ist reiner Zufall – denn ihre Wege nach Norwegen könnten unterschiedlicher kaum sein. Victoria zog 2014 der Liebe wegen nach Oslo, nachdem sie bereits während ihres Studiums ein Faible für das Land entwickelt hatte. Heute lebt sie mit Partner und zwei kleinen Töchtern im Stadtteil Høyenhall und leitet ab Herbst die Kreativabteilung einer der größten Eventagenturen Norwegens.
Laura kam ursprünglich für ein Masterstudium nach Bergen – ganz ohne Skandinavienbezug. Doch ein Nebenjob als Barkeeperin brachte sie schnell in Kontakt mit Land und Leuten: „Unter Alkoholeinwirkung sind Norweger:innen ja doch ziemlich gesprächig – so habe ich Norwegisch gelernt“, erzählt sie lachend. Inzwischen lebt sie mit ihrer Familie auf Fornebu und arbeitet als Partnerin bei Beta Mobility, einem nordischen Startup im Bereich nachhaltige Mobilität.
Was heißt eigentlich „fast norwegisch“?
Der Podcast-Titel „Nesten Norwegisch“ – zu Deutsch: „Fast norwegisch“ – bringt ein zentrales Lebensgefühl der beiden auf den Punkt. „Wir fühlen uns wirklich gut integriert, sprechen Norwegisch, haben Jobs und Familien hier. Und doch wird man irgendwie nie ganz Teil der Gesellschaft“, sagt Victoria. „Wir lieben es, mit dieser Dualität zu spielen und das Beste daraus zu machen.“
Dabei kommen Themen auf den Tisch, die viele Expats in Norwegen beschäftigen – vom Kulturschock bis zur Kinderbetreuung, vom Sprachlernen bis zu norwegischen Bräuchen. Besonders beliebt sind die Folgen, in denen es ganz persönlich wird: „Viele, die uns hören, fühlen sich manchmal allein mit ihrer deutschen Identität in Norwegen“, erklärt Laura. „Da hilft es, zu hören, dass es anderen genauso geht.“ Kein Wunder also, dass eine der meistgehörten Episoden sich der norwegischen Sprache widmet.

Hobbyprojekt mit Herzblut
Trotz Vollzeitjobs und Kindern ist der Podcast ein festes gemeinsames Projekt geblieben – wenn auch mit realistischen Ansprüchen: „Zum Glück muss ein Podcast nicht perfekt sein!“, sagen beide. Die Folgen entstehen häufig in einem kleinen Tonstudio in Oslo oder wie Anfang Juni in einem Live -Podcast bei der Handelskammer. Themenideen sammeln sie per Sprachnachricht, und der Schnitt bleibt inzwischen meist minimal.
Und die Hörerschaft? „Etwa zwei Drittel unserer Hörer:innen leben in Deutschland, rund ein Viertel in Norwegen – aber auch einige Skandinavier:innen, die Deutsch sprechen, sind dabei“, berichtet Laura. Die Rückmeldungen sind herzlich und oft sehr persönlich: „Einmal nannte uns jemand seine ‚Gruppentherapie‘ – das hat uns besonders berührt.“
Nah dran – und manchmal auch erkannt
Was als Freundinnenprojekt begann, hat längst eine treue Fangemeinde gefunden. Manchmal mit ganz realen Folgen: „Wir wurden schon am Flughafen-Gate erkannt – und einmal sogar an der Stimme, im Vinmonopol!“, erzählen sie schmunzelnd.
Wer Lust hat, tiefer in den norwegischen Alltag einzutauchen, skurrile Eigenheiten zu entdecken und persönliche Geschichten zu hören, ist bei „Nesten Norwegisch“ genau richtig, die Folge aus der AHK Norwegen gibt es hier.
