Bild: AdobeStock
Lustig, lustig, traleralala,
bald ist Nikolausabend da!
Die ersten zwei Zeilen dieses Weihnachtsliedes kennt jeder in Deutschland. Aber wer ist der gute Nikolaus und was passiert an seinem Abend?
Nikolaus von Myra lebte im 4. Jahrhundert als großzügiger und volksnaher Bischof, der vor allem den Armen und den Kindern half. Um seine Person ranken sich eine Reihe von Legenden, es gibt wenige belegte Tatsachen. Die zahlreichen Legenden führten dazu, dass er der Schutzheilige vieler Gruppen ist, wie der Seefahrer, Juristen, Apotheker, Studierenden, Reisenden und ganz besonders der Kinder.
Goldgefüllte Schuhe
Bereits seit dem Mittelalter ist es Tradition, Kinder am 6. Dezember, Nikolaus` Todestag, zu beschenken. Laut einer Legende half Nikolaus einem armen Mann, der sich die Mitgift für seine drei Töchter nicht leisten konnte, indem er in drei aufeinanderfolgenden Nächten durch das geöffnete Fenster der Familie Gold in die Schuhe der Töchter warf.

Mit roter Kutte, weissem Bart und Bischofsstab: So tritt der deutsche Nikolaus für gewöhnlich in Erscheinung. Bild: AdobeStock
Daraus leitet sich das heutige Brauchtum ab, am Vorabend des Nikolaustages die geputzten Schuhe vor die Tür zu stellen, in der Hoffnung, dass Nikolaus sie füllen wird. Im Volksmund heißt es, dass nur brave Kinder etwas vom Nikolaus bekommen. Alternativ darf auch ein Teller vor die Tür gestellt werden oder Nikolaus kommt persönlich am Abend des 6. Dezembers in die Familie, um Geschenke zu bringen. Dabei führt er sein goldenes Buch mit, in dem vermerkt ist, wer im letzten Jahr brav war. Begleitet wird er von einem furchteinflößenden Gehilfen mit Rute, der in weiten Teilen Deutschlands Knecht Ruprecht und in Süddeutschland Krampus genannt wird, und den bösen Kindern droht. Für viele Familien ist es ein Spaß, wenn Nikolaus bei seinem Besuch nachliest, ob auch die Eltern immer brav gewesen sind.
Singende Kinder und sechs gruselige Bösewichte
Neben diesem nationalen Brauch gibt es auch eine Reihe regionaler Traditionen, die weniger bekannt sind. So gibt es in Bremen und im Umland das Sunnerklauslaufen (Hochdeutsch Nikolauslaufen). Kinder ziehen am Abend des 6. Dezember von Haus zu Haus, sagen einen Spruch auf oder singen ein Lieg in plattdeutscher Sprache, und erbitten damit Süßigkeiten. Ähnliches findet in der Gegend um Kassel am Glowesabend (Hochdeutsch Nikolausabend) statt.
Etwas Befremdliches spielt sich auf der Nordseeinsel Borkum in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember ab: Beim Umzug der Klaasohms, ziehen sechs Furcht erregend maskierte Männer grölend und tanzend durch die Stadt und schlagen jungen Frauen mit einem Kuhhorn auf den Hintern. Die Tradition ist auch in Deutschland kaum bekannt und wird von den Insulanern gewahrt, ohne dass viel darüber nach außen dringt.
