Norwegen hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer bedeutenden Raumfahrtnation entwickelt und spielt heute eine führende Rolle in der europäischen Raumfahrtbranche. Das Land gilt als der größte Akteur in der nordischen Raumfahrtindustrie.
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Ein historischer Meilenstein war der Start der ersten norwegischen Forschungsrakete vom Andøya Space Center am 18. August 1962. Seitdem wurden mehr als 1.200 wissenschaftliche Raketen von der Anlage auf Andøya aus gestartet. Der Raketenstartplatz hat sich in der norwegischen Raumfahrt zu einem Zentrum mit internationaler Bedeutung entwickelt. Bereits seit 1987 ist Norwegen ein vollwertiges Mitglied der European Space Agency (ESA). Außerdem ist das Land ein aktiver Teilnehmer an EU Programmen wie Galileo, dem Programm für das neue europäische Satellitennavigationssystem, und Copernicus, dem europäischen Programm zur Überwachung der Umwelt für die zivile Sicherheit.
Investitionen in die Raumfahrtindustrie
Die Beteiligung an internationalen Programmen bildet das Rückgrat des Engagements der norwegischen Regierung in der Raumfahrtindustrie. Darüber hinaus gibt es Investitionen in die Anlage auf Andøya in Nordnorwegen und in die Raumfahrtforschung. Für 2024 hatte die Raumfahrtagentur Norsk Romsenter zuletzt rund 2 Millionen Euro für nationale Förderprogramme vergeben. Insgesamt sah der Staatsetat knapp 182 Millionen Euro an Mitteln für weltraumbezogene Forschungsaktivitäten vor. Rund 40 Prozent dieser Mittel waren für die Teilnahme an EU-Programmen vorbehalten. Mittlerweile hat Andøya Space einen Jahresumsatz von mehr als 21 Millionen Euro.
Andøya als erste Weltraumbahnhof
Im November 2023 wurde die Anlage „Andøya Spaceport“ in Andøya als erste Weltraumbahnhof für den Abschuss von Kleinsatelliten in Europa eröffnet. Der norwegische Staat ist größter Eigentümer. Die kommerzielle Startanlage wird der erste Launch Site des deutschen Raketenherstellers Isar Aerospace sein. Der kommerzielle Raumfahrtmarkt, mit anderen Worten New Space, und die damit verbundene technologische und wirtschaftliche Entwicklung, haben es Norwegen außerdem ermöglicht, eigene Kleinsatelliten zur Überwachung von Meeresgebieten zu entwickeln. Die ersten beiden Generationen AISSat-1 und AISSat-2, wurden 2010 bzw. 2014 gestartet. Diese Kleinsatelliten sind nur 20x20x20 Zentimeter groß und wiegen nur 6 Kilogramm.
Raumfahrtindustrie für kommerzielle Zwecke
Der größte Akteur in der norwegischen Raumfahrt ist Space Norway, das sich im Eigentum des norwegischen Staates befindet. Space Norway hat für das „Arctic Satellite Broadband Mission“ zwei Highly Elliptical Orbit-Satelliten (HEO) im Betrieb, um Breitbandkommunikation in den nördlichen Regionen anzubieten, wo herkömmliche geostationäre Satelliten nur eine begrenzte Abdeckung haben. Das Projekt soll sowohl kommerziellen als auch militärischen Akteuren gerecht werden. Damit hat das Unternehmen dazu beigetragen, dass Norwegen sich in den nördlichen Gebieten in der Raumfahrtindustrie etablieren konnte.
Raumfahrtindustrie für strategische Zwecke
Mit der ersten Startbasis auf dem europäischen Festland hätte Norwegen zusätzlich einen strategischen Vorteil. Im Januar 2025 wurde der Satellit NorSat-4 erfolgreich in die Umlaufbahn gebracht. Der 36 Kilogramm schwere Mikrosatellit NorSat-4 wurde im Rahmen des Raumfahrtprogramms der norwegischen Küstenverwaltung zur Überwachung von Schiffen in norwegischen Gewässern in die Luft geschickt. Er wurde in Zusammenarbeit mit dem Norwegischen Küstenwerk (Kystverket), dem Norwegischen Verteidigungsforschungsinstitut (FFI) und dem Norwegischen Raumfahrtzentrum entwickelt und sammelt AIS-Daten. Mit einem neuartigen Schwachlichtkamera-System ausgestattet, kann der Satellit Schiffe identifizieren, die ihre AIS-Signale deaktiviert haben. Damit wird Norwegens Fähigkeit gestärkt, den Überblick über die Vorgänge in seinem Meeresgebieten zu behalten, was im heutigen geopolitischen Klima von besonderer Bedeutung ist.
Deutsch-Norwegische Zusammenarbeit
Neben der internationalen Zusammenarbeit spielt auch die bilaterale Zusammenarbeit eine große Rolle. Zwischen Norwegen und Deutschland gibt es seit Juni 2024 eine Vereinbarung zur Vertiefung der Kooperation im Weltraumsektor. Diese Partnerschaft ebnet den Weg für deutsche Satellitenstarts vom Andøya Spaceport und fördert den Austausch von Technologie und Expertise zwischen norwegischen und deutschen Unternehmen. Mit ISAR Aerospace gehört denn auch ein deutsches Unternehmen zu den ersten Mietern des neuen Weltraumbahnhofs. Das Unternehmen hat seine erste kommerzielle Trägerrakete in Deutschland entwickelt. Nun wurde sie Stück für Stück nach Andøya transportiert. Dort wird sie zusammengebaut und zum Testen vorbereitet. Doch wann dieser sein wird, bleibt ein Geheimnis.
Weitere Informationen über Trends, Akteure sowie die Möglichkeiten der bilateralen Zusammenarbeit in der Raumfahrt vermittelt der Space Report der AHK Norwegen
