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Norwegen Rohstoffvorkommen: Schlüssel für Deutschlands Rohstoffversorgung

Koboltgruve i Åmot, Norge

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat Norwegens Rolle bei der Versorgung Deutschlands mit mineralischen Rohstoffen untersucht. Das Land ist aufgrund seiner reichen Rohstoffvorkommen und stabilen politischen sowie wirtschaftlichen Verhältnisse ein wichtiger Handelspartner. Doch welche Bedeutung hat Norwegen heute und welches Potenzial bietet es für die Zukunft?

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat Anfang Dezember 2024 eine Studie zur Rohstoffproduktion und zu den Rohstoffpotenzialen Norwegens vorgestellt.

Norwegen und Skandinavien im Allgemeinen haben aufgrund des Rohstoffvorkommens, der geographischen Nähe und der politischen Stabilität eine hohe Relevanz für Deutschland. Außerdem passt Norwegen durch die Nutzung von Wasserkraft in die ökologischen Ziele der Rohstoffstrategie der aktuellen Bundesregierung.

Für die Publikation hat ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der BGR, unterstützt durch den Geologischen Dienst von Norwegen (NGU), umfangreiche Recherchen in Norwegen durchgeführt. Dabei haben die Spezialist*innen zahlreiche große Bergwerke und Verarbeitungsbetriebe im ganzen Land besucht. Die Studie zeigt unter anderem, dass Norwegen über wichtige Bodenschätze und Produkte der Weiterverarbeitung verfügt, dazu zählen u.a. Graphit, Olivin, Larvikit (Naturwerkstein), hochreiner Quarz und Ferrolegierungen.  – sie alle haben für die Rohstoffversorgung Deutschlands eine große Bedeutung.

Rohstoffversorgung aus Norwegen

Norwegen gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Rohstofflieferanten Deutschlands. Besonders die Exporte von Erdöl und Erdgas haben einen hohen Stellenwert: Im Jahr 2023 stammten etwa 45 Milliarden Kubikmeter Gas aus Norwegen – fast ein Drittel der gesamten deutschen Erdgasimporte. Neben Energierohstoffen liefert das Land mineralische Rohstoffe wie Natursteine, Kalkstein und Quarz. Diese Materialien sind essenziell für Bau- und Industrieanwendungen in Deutschland.

Norwegen verfügt über eine dynamische Bergbauindustrie, die jährlich rund 1,2 Milliarden Euro Umsatz generiert. Etwa die Hälfte der Produktion geht in den Export, darunter bedeutende Mengen an gebrochenen Natursteinen, Quarz und Kalkstein. Besonders die Provinz Rogaland ist ein Zentrum der Steinbruchindustrie, wo jährlich Millionen Tonnen hochwertiger Gesteinskörnungen abgebaut werden. Ein markantes Beispiel ist der Steinbruch Jelsa, der größte in Europa. Hier werden jährlich über 12 Millionen Tonnen Granodiorit abgebaut und weltweit, auch nach Deutschland, exportiert.

Mineralische Rohstoffgewinnung

Die Gewinnung von mineralischen Rohstoffen umfasst ein breites Spektrum: von Industriemineralen wie Nephelinsyenit über Metallerze bis hin zu Natursteinen. Deutschland importiert dabei vor allem hochwertige Kalk- und Dolomitsteine sowie Edelsplitte. Diese Rohstoffe sind nicht nur für den Bau, sondern auch für spezielle industrielle Anwendungen unersetzlich. „Darunter sind auch Metalle, wie Nickel oder Silizium. Auf Letzteres ist in Deutschland zum Beispiel die Wacker Chemie AG für die Produktion von Silikonen angewiesen,“ erklärt Elsner.

Während es nur wenige aktive Metallminen gibt, verfügt Norwegen über zahlreiche Anlagen zur Weiterverarbeitung von importierten Metallerzen. Diese Kombination aus Rohstoffabbau und Weiterverarbeitung macht Norwegen zu einem starken Akteur in der globalen Rohstoffwirtschaft.

Norwegen als gegenwärtiges und potenzielles Lieferland

Neben seiner aktuellen Rolle als Rohstofflieferant könnte Norwegen in Zukunft für Deutschland und die EU noch wichtiger werden. Durch die Erkundung neuer Lagerstätten sowie die gute Infrastruktur bietet das Land großes Potenzial, die Versorgung mit kritischen Rohstoffen wie Graphit oder hochreinem Quarz zu steigern. Zu diesem Schluss kommt der BGR-Bericht. „Bei der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung fallen in Norwegen Beiprodukte an, die für die deutsche Industrie von Interesse sein können,“ kommentiert Elsner die Ergebnisse. „Bisher werden diese noch nicht nach Deutschland exportiert. Hier sehen wir  Potential.“

Weiteres Potential sehen die Wissenschaftler in Seltenen Erden wie Phosphat, Titan und Vanadium. Projekte wie“Fen“- nahe Ulefoss in Telemark könnten hierzu beitragen. Dort befinden sich unter anderem das weltweit sechstgrößte -Vorkommen von Seltenen Erden, die für Zukunftstechnologien wie Elektromobilität und erneuerbare Energien von großer Bedeutung sind. Das Bjerkheim-Explorationsprojekt im Rogaland-Gebiet bestätigte wiederum größere Phosphat-, Titan- und Vanadium-Vorkommen.

Die Nachfrage nach den in Norwegen gefundenen Rohstoffen steigt kontinuierlich. Derzeit bezieht Europa rund 90 Prozent seiner Seltenen Erden aus China, was zu einer erheblichen Abhängigkeit führt. Sollte das Potential, dass die Wissenschaft in Norwegen sieht, in Zukunft gehoben werden, könnte dies zur Diversifizierung beitragen. Der nun vorliegende Bericht kann von der Politik als Anstoß gesehen werden, aktiv zu werden und die Zusammenarbeit mit norwegischen Unternehmen zu fordern.

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