Mit dem am 7. Oktober vorgestellten Staatshaushalt für 2027 setzt die norwegische Regierung klare Schwerpunkte: Sicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Infrastruktur. Für deutsche Unternehmen mit Aktivitäten in Norwegen enthält das Budget mehrere Signale, die aufhorchen lassen. Besonders relevant sind die steigenden Verteidigungsausgaben, die Investitionen in die Infrastruktur sowie neue Initiativen im Bereich der künstlichen Intelligenz.
Bild: Der norwegische Finanzminister Jens Stoltenberg stellt den Haushalt den Medien vor. Screenshot Pressekonferenz Regjeringen
Sicherheit wird zum Wachstumstreiber
Der größte wirtschaftspolitische Akzent liegt auf Verteidigung und Sicherheit. Die Regierung erhöht die Verteidigungsausgaben 2027 um weitere 6,5 Milliarden NOK (ca. 600 Mio. EUR) auf 122,6 Mrd. NOK (ca. 11,5 Mrd. EUR). Insgesamt sollen sie 3,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. 100 Millionen NOK (ca. 9,3 Mio. EUR) davon sollen für ein neues nationales Drohnenprogramm bereitgestellt werden. Das Programm soll dazu beitragen, das Fachwissen, die Kapazitäten und die Innovationskraft der Streitkräfte zu stärken und die Umsetzung der Drohnenstrategie für den Verteidigungssektor zu koordinieren.
Der von der Regierung vorgeschlagene Haushalt für 2027 sieht Ausgaben von rund 2322 Mrd. NOK (ca. 217 Mrd. EUR) vor bei Einnahmen von rund 2329 Mrd. NOK (ca. 217,5 Mrd. EUR). Unter den Einnahmen sind rund 608 Mrd. NOK (ca. 57 Mrd. EUR) eingerechnet, welche die Regierung dem staatlichen Ölfonds in 2027 entnehmen will.
Damit setzt Norwegen den Ausbau seiner Verteidigungsfähigkeiten konsequent fort. Für deutsche Unternehmen aus den Bereichen Defence, maritime Technologien, IT-Sicherheit, Sensorik, Infrastruktur und Logistik dürfte dies zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten schaffen. Hinzu kommen höhere Mittel für Polizei und Sicherheitsbehörden. Auch die Fortführung des Nansen-Programms mit 85 Milliarden NOK für die Ukraine unterstreicht Norwegens sicherheitspolitische Prioritäten.
Ebenfalls von deutschem Interesse ist die Bereitstellung von Mitteln für den Bau einer neuen Startrampe am Weltraumbahnhof Andøya. Insgesamt 323,3 Millionen NOK (ca. 30,2 Mio. EUR), aufgeteilt zwischen dem Verteidigungsministerium und dem Ministerium für Nationale Verteidigung, sollen die Weiterentwicklung des Weltraumbahnhofs als wichtigen Standort für norwegische und europäische Raumfahrtkapazitäten fördern.
Norwegische Wirtschaft bleibt auf Wachstumskurs
Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten bleiben robust. Für 2027 erwartet die Regierung ein Wachstum des Festland-BIP von 1,7 Prozent. Die Arbeitslosigkeit soll mit 2,1 Prozent weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau bleiben. Auch der private Konsum dürfte weiterwachsen. Die Kaufkraft der Haushalte steigt laut Regierung bereits das vierte Jahr in Folge. Für deutsche Anbieter von Konsumgütern, Dienstleistungen und Handelslösungen bleibt Norwegen damit ein attraktiver Absatzmarkt.
Infrastruktur und Digitalisierung bleiben wichtig
Positiv für die Wirtschaft ist die Fortsetzung laufender Investitionen in Straßen- und Schienenprojekte. Insgesamt will die Regierung 105 Milliarden NOK (ca. 9,8 Mrd. EUR) für Verkehrsinfrastruktur einsetzen.
Gleichzeitig kündigt die Regierung mehrere gezielte Maßnahmen zur stärkeren Nutzung von künstlicher Intelligenz an. Dafür sollen zusätzliche Mittel in Kompetenzen und Sicherheit fließen.
Für deutsche Technologieunternehmen eröffnet dies Chancen in Bereichen wie Digitalisierung, Cybersicherheit, Datenmanagement und KI-Anwendungen.
Weniger Fördermittel, aber weiterhin große Budgets
Nicht alle Signale fallen expansiv aus. Die Regierung plant Kürzungen bei Teilen der wirtschaftsnahen Förderinstrumente. Auch die Zuführung neuer Mittel zum von Enova verwalteten Klima- und Energiefonds wird um 3,8 Milliarden NOK (ca. 350 Mio. EUR). reduziert.
Allerdings verfügt der Fonds nach Angaben der Regierung Anfang 2027 weiterhin über rund 36 Milliarden NOK (ca. 3,4 Mrd. EUR). Die Finanzierungsmöglichkeiten für Klima- und Energieprojekte bleiben damit grundsätzlich erhalten.
Stabilität in unsicheren Zeiten
Der norwegische Staatshaushalt 2027 setzt Schwerpunkte auf Verteidigung und Sicherheit sowie auf Infrastrukturprojekte und damit auf Stabilität in unsicheren Zeiten. Für deutsche Unternehmen besonders interessant sind die starke Aufrüstung des Verteidigungssektors, Investitionen in Sicherheit und Infrastruktur sowie neue KI-Initiativen.
Gleichzeitig signalisiert Oslo fiskalische Disziplin: Die Nutzung von Mitteln aus dem Staatsfonds bleibt mit 2,7 Prozent des Fondsvermögens unter der langfristigen Zielmarke von drei Prozent. Das stärkt die Planbarkeit und macht Norwegen auch 2027 zu einem der attraktivsten und wirtschaftlich stabilsten Märkte Europas.
Die regierende Arbeiderpartiet muss nun in den kommenden Wochen eine Mehrheit für den Haushalt im Storting, dem Parlament, aushandeln.
Quelle: Norwegisches Finanzministerium, Staatshaushalt 2027, 7. Oktober 2026.
