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Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Bundes: Norwegisches Wirtschaftswachstum „auch abseits von Öl und Gas“

Jedes Jahr publiziert die deutsche Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Bundes, GTAI (Germany Trade and Invest) einen Ausblick für Norwegen. Für 2025 errechnet sie ein solides norwegisches Wirtschaftswachstum – vor allem auf dem Festland. Die deutsch-norwegische Wirtschaftszusammenarbeit werde sich weiter intensivieren.

Die GTAI prognostiziert in ihrem aktuellen Ausblick für die norwegische Wirtschaft 2025 ein Wachstum von 0,9 Prozentpunkten. Sie stützt sich dabei auf Zahlen des norwegischen Statistikamtes SSB.  Auf dem norwegischen Festland, das heißt ohne die Öl- und Gasindustrien, soll die Wirtschaft sogar um 1,8 Prozent zulegen. Die GTAI titelt „Norwegens Wirtschaft gedeiht auch abseits von Öl und Gas“.

Pensionsfonds kurbelt Wirtschaft an

Die positive Wachstumsprognose stützt sich laut der GTAI auf verschiedene Aspekte. So könne der norwegische Staat etwa auf seinen bekannten Pensionsfonds (ugs. Ölfonds) zurückgreifen und damit die Wirtschaft ankurbeln. Aktuell plant die Regierung dem Fonds für den Staatshauhalt 2025 knapp 40 Mrd. Euro zu entnehmen. Nebst Investitionen in den Bereich Sicherheit und Verteidigung sollen weitere Teile in den Bereich Infrastruktur, in die Bauwirtschaft sowie in diverse Energieprojekte fließen. Dies sorgt laut der GTAI dafür, dass die Prognose für das Wirtschaftswachstum 2025 positiv ausfällt.

Ebenso die ehrgeizige Exportstrategie des Landes fördere das Wirtschaftswachstum laut der Agentur. Norwegen will seine Exporte abseits von Öl und Gas bis 2030 um 50 Prozent zu steigern. Im März 2024 verkündete das Wirtschaftsministerium, dass die Warenexporte aus Festlandnorwegen seit 2022 um 30 Prozent gestiegen sind.

Ölgeschäft und Produktivität schwächen norwegische Krone
Den gestiegenen Festlandsexporten zum Trotz: In einem kürzlich veröffentlichten Bericht sehen Ökonom*innen der Norwegischen Nationalbank ein mit anderen Ländern vergleichsweise kleineres Wachstum der Produktivität in den vergangenen Jahren. Gemeinsam mit der längerfristig abnehmenden Bedeutung des Ölsektors sei dieser Umstand schuld an der Abschwächung norwegischen Krone, argumentieren sie, und ziehen einen Vergleich zu Kanada, wo ein ähnlicher Effekt einsetzt. 

Laut der GTAI ein weiterer Grund für das voraussichtliche Wirtschaftswachstum Norwegens sind geplante Zinssenkungen der Nationalbank. Der seit 2023 bestehende Leitzins von 4,5 Prozentpunkten soll Im Jahr 2025 fünf Senkungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte erfahren. Kombiniert mit dem laut SSB höchsten Reallohnzuwachs seit zehn Jahren rechnet die GTAI mit einem positiven Konsumverhalten der norwegischen Bevölkerung – ein stimulierender Effekt für die Wirtschaft.  

Zudem sinkt 2025 in Norwegen die erforderlichen Hypothekeneinlage von 15 auf 10 Prozent. Nach einem massiven Rückgang des Wohnungsbaus sei zu erwarten, dass niedrigere Zinssätze und eine höhere Kaufkraft eine positive Auswirkung auf die Immobilien- und Baubranche haben werden.

Stärkere Zusammenarbeit in drei Bereichen

Die GTAI rechnet damit, dass Deutschland und Norwegen künftig noch näher wirtschaftlich zusammenrücken. So sieht die Agentur im Bereich Verteidigung ein wachsendes Potenzial in der bilateralen Zusammenarbeit und nennt als Beispiel das gemeinsame U-Boot-Projekt. Zu nennen wäre hier sicherlich auch die norwegische Anschaffung und Endmontage deutscher Leopard-Panzer oder Norwegens Ausschreibung eines Großprojektes zur Beschaffung von Fregatten, bei der sich Deutschland derzeit in der Endrunde befindet.

Gestützt auf den Bericht der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), rechnet die GTAI zudem damit, dass die norwegische Rohstoffbranche weiter in den Fokus der Bundesrepublik rückt. 

Erfolgsversprechende Ausgangslagen für eine Intensivierung der Zusammenarbeit beider Länder bieten sich zudem im Bereich Infrastruktur, hebt die Agentur hervor. Sie nennt hier als Beispiel den geplanten Stad-Schiffstunnel an der norwegischen Westküste oder die Absicht der Regierung, jährlich über 9 Mrd. Euro in die Verkehrsinfrastruktur zu investieren.

Indirekt nennt die GTAI hier den Bereich Energie. Deutschland ist und bleibt für Norwegen voraussichtlich bis auf Weiteres ein großer Abnehmer von Erdgas. In diesem Zuge nimmt auch die Zusammenarbeit beider Länder im Bereich CCS Fahrt auf. Norwegen zeigt sich in diesem Bereich immer wieder als Pionier. Deutsche Firmen, wie etwa das Baustoffunternehmen Heidelberg Materials, spielen wichtige Rollen in norwegischen CCS-Projekten, wie die GTAI hervorhebt.