Die norwegische Regierung hat kürzlich ihre neue Strategie für die Zuliefererindustrie im Bereich Offshore-Wind vorgestellt. Die Botschaft ist klar: Norwegens Offshore-Windindustrie ist längst kein Zukunftsprojekt mehr, sondern schon heute ein Milliardenmarkt – und einer der am schnellsten wachsenden Industriezweige des Landes.
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Im Jahr 2023 erzielten norwegische Zulieferer im Bereich Offshore-Wind einen Umsatz von 44,6 Milliarden Kronen. Das ist fast ein Drittel mehr als im Vorjahr. Rund 38,6 Milliarden davon entfielen auf internationale Geschäfte – ein Zuwachs von 41 Prozent. Auch die Exporte legten kräftig zu und erreichten 20,2 Milliarden Kronen. Etwa 800 Unternehmen sind inzwischen aktiv, viele mit Erfahrung aus der Öl- und Gasindustrie. Gemeinsam beschäftigen sie rund 6.000 Menschen, was bereits einem Viertel aller Arbeitsplätze im Bereich erneuerbare Energien in Norwegen entspricht.
Fachkräfte gesucht
Das Wachstum zeigt, welches Potenzial in dieser Industrie steckt. Doch die Strategie nennt auch Herausforderungen der Branche: Material- und Logistikkosten steigen, Häfen und Installationskapazitäten drohen an ihre Grenzen zu kommen, und es fehlt an Standardisierung. Am deutlichsten wird der Bedarf beim Thema Personal: Bis 2040 werden laut der Studie VindKOMP II fast 20.000 zusätzliche Fachkräfte gebraucht, vor allem Technikerinnen und Techniker, Ingenieurinnen und Ingenieure sowie maritimes Personal.
Die norwegische Regierung reagiert mit Milliardeninvestitionen, neuen Förderprogrammen und dem Ausbau von Hafeninfrastruktur für schwimmende Offshore-Windanlagen. Schon heute sind 14 Standorte für sogenannte Sammenstillings- og installasjonshavner, also spezielle Bau- und Montagehäfen für Komponenten der Offshore-Windindustrie, identifiziert. Gleichzeitig setzt sie auf enge Kooperationen im Nordseeraum und mit der EU, um die Offshore-Windkraft weiter voranzubringen.
Große Chancen für Deutschland
Für Deutschland eröffnet diese Entwicklung große Chancen. Deutsche Hersteller von Windturbinen und Netztechnologien können sich mit norwegischem Know-how im Offshore-Bau, in Subsea-Technologien und in der maritimen Logistik ergänzen. Gemeinsame Wertschöpfungsketten in der Nordsee sind ebenso denkbar wie Ausbildungsinitiativen, die den steigenden Fachkräftebedarf abfedern.
