Energiewende in Deutschland braucht Kurswechsel – DIHK-Studie warnt vor Kosten von bis zu 5,4 Billionen Euro

Die Energiewende bleibt eine der größten Herausforderungen unserer Zeit – und sie ist notwendig, um die Klimaziele zu erreichen. Doch in ihrer aktuellen Ausgestaltung droht sie für Unternehmen und Haushalte in Deutschland zu einer enormen Belastung zu werden. Das zeigt eine neue Studie „Neue Wege für die Energiewende (Plan B)“, die die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) bei der Wirtschaftsberatungsgesellschaft Frontier Economics in Auftrag gegeben hat.

Massive Kostenbelastungen für Wirtschaft und Verbraucher

Die Studie prognostiziert für den Zeitraum 2025 bis 2049 Gesamtkosten in Höhe von 4,8 bis 5,4 Billionen Euro. Darin enthalten sind unter anderem 2,0 bis 2,3 Billionen Euro für Energieimporte, 1,2 Billionen Euro für Netzkosten, 1,1 bis 1,5 Billionen Euro für Investitionen in die Energieerzeugung sowie 500 Milliarden Euro für den Betrieb von Erzeugungsanlagen. Zudem müssten die jährlichen privaten Investitionen in Energie, Industrie, Gebäude und Verkehr zur Umsetzung der Energiewende von aktuell rund 770 Milliarden Euro um mindestens 15 bis 41 Prozent gegenüber dem heutigen Niveau steigen.

Risiko für Wettbewerbsfähigkeit und Akzeptanz

Schon heute ziehen sich energieintensive Unternehmen aus Deutschland zurück. Sie verlagern ihre Produktion ins Ausland. Der DIHK sieht die Gefahr, dass steigende Kosten und zu ambitionierte Vorgaben nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit schwächen, sondern auch die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende untergraben.

Vorschläge für einen „Plan B“

Die Studie des DIHKs macht konkrete Vorschläge, wie die Energiewende effizienter gestaltet werden könnte. Zentrale Bausteine sind:

  • Umfassender CO-Zertifikatehandel mit internationaler Anbindung, um Klimaschutz wirksam, aber ohne Wettbewerbsnachteile zu gestalten
  • Technologieoffenheit statt detaillierter staatlicher Regulierung – etwa durch die Nutzung von Gasnetzen für Wasserstoff und klimaneutrales Erdgas (mit CCS)
  • Entlastung durch Bürokratieabbau, insbesondere bei EU-Vorgaben und nationalen Gesetzen wie dem Gebäudeenergiegesetz
  • Internationale Kooperationen: Investitionen in zertifizierte Klimaschutzprojekte im Ausland sollen in Deutschland angerechnet werden können

Durch diesen Kurswechsel könnten bis 2050 Einsparungen von 530 bis 910 Milliarden Euro erzielt werden: Eine Kostenreduktion von 11 bis 17 Prozent.

DIHK-Forderung: Flexibler, einfacher, bezahlbarer

Aus Sicht der DIHK braucht es kurzfristig und langfristig ein Umdenken. Netzplanung, Förderungen und der Energiemix müssen stärker marktwirtschaftlich und technologieoffen ausgerichtet werden.

Die Botschaft ist klar: Die Energiewende ist richtig, aber nur wenn wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Klimaschutz Hand in Hand gehen, kann sie auch gelingen.