de no

Øystein Dørum, Chefökonom des Unternehmerverbandes NHO

Die norwegische Konjunktur erlebt derzeit einen Aufschwung. Die Spuren der Ölkrise vor vier Jahren werden immer schwächer. Das Festlandwachstum übersteigt seit eineinhalb Jahren die Normalwerte. Es sind viele Arbeitsplätze entstanden und die Arbeitslosenquote ist auf unter vier Prozent gesunken. Die Quartalsumfrage unter unseren Mitgliedern zeigt ebenfalls, dass die Unternehmen so positiv sind wie seit zehn Jahren nicht mehr, und auch im nächsten Jahr mit einer zunehmenden Produktion rechnen.

Eine expansive Finanzpolitik, niedrige Zinsen, eine schwache Krone und moderate Löhne halfen der Wirtschaft auf die Beine. Der Ölpreis ist stark angestiegen und wird in den nächsten Jahren voraussichtlich auf einem stabilen Niveau von mehr als 70 Dollar liegen. Gleichzeitig hat die Ölindustrie erhebliche Kostensenkungen vorgenommen, wodurch viele Projekte rentabel geworden sind. Die Zeit mit stark rückläufigen Ölinvestitionen ist überstanden; bis 2020 sollen diese wieder um 15 Prozent steigen.

Das gute Wachstum der Weltwirtschaft begünstigt auch die norwegische Wirtschaft. In mehreren großen Industrieländern wie den USA, Deutschland und Großbritannien ist die Arbeitslosenquote so gering wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Auch wenn das Wachstum in der Eurozone im ersten Halbjahr 2018 deutlich nachgelassen hat, blicken Unternehmen und private Haushalte positiv in die Zukunft, was ein zunehmendes Aktivitätswachstum vermuten lässt. Die Weltwirtschaft wird im nächsten Jahr voraussichtlich um knapp vier Prozent wachsen. In den Industrieländern wird das Wachstum auf zwei Prozent und in den Wachstumsländern auf fünf Prozent geschätzt. Für Unsicherheit haben in der letzten Zeit erhöhte Zinssätze, Marktturbulenzen und die Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA gesorgt. Für eine kleine, offene Wirtschaft wie die norwegische ist eine mögliche Eskalation des Handelskonflikts ein erhebliches Abwärtsrisiko.

Der Aufschwung der norwegischen Wirtschaft dürfte sich bis nächstes Jahr fortsetzen. Das anhaltend hohe globale Wachstum und die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit stimulieren den norwegischen Export. Insbesondere die steigenden internationalen Ölinvestitionen werden für höhere Exportraten der norwegischen Öllieferanten sorgen. Erhöhte Aktivitäten und Erträge werden die Geschäftsinvestitionen auf dem Festland ankurbeln, auch wenn andere Faktoren in der Zukunft weniger förderlich wirken. Die Finanzpolitik ist inzwischen weitaus weniger expansiv ausgerichtet als zuvor. Nach einer Anhebung des Leitzinses im September kündigte Norges Bank weitere Zinserhöhungen an. Durch die rekordhohen Verschuldungsraten werden höhere Zinsen die Kaufkraft der privaten Haushalte zunehmend einschränken, was womöglich zu einem moderaten Konsumwachstum führt. Nach Jahren starken Wachstums werden höhere Zinssätze auch die Nachfrage und Investitionen im Immobilienmarkt bremsen.

Die Voraussetzungen dafür, dass sich die norwegische Wirtschaft auch nächstes Jahr im Aufwind befindet, sind gegeben, wenngleich dieser sicherlich milder ist. Unsere Prognosen deuten auf ein Wachstum von etwas mehr als zwei Prozent in der Festlandwirtschaft hin – damit liegen wir leicht über dem erwarteten Trendwachstum.

Hilde Karoline Midsem
Übersetzung: Ava Moll