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Deutschland hat sich ehrgeizige Ziele für die Reduktion von Treibhausgasemissionen und für die Entwicklung eines auf erneuerbaren Energien basierenden Energiesystems gesetzt. Bis 2050 will Deutschland eine Niedrigemissionsgesellschaft sein.

Als die Energiewende angestoßen wurde, erhielt sie viel positive Aufmerksamkeit. In letzter Zeit häuft sich jedoch die Kritik, dass der Umstellungsversuch auf erneuerbare Energien erfolglos geblieben und der gesamte Prozess stagniert sei. Viele kritische Stimmen thematisieren, dass Deutschland den Kohleausstieg nicht schafft und dass ein Energiesystem, das vorwiegend auf unregelmäßigen erneuerbaren Energien wie Wind und Sonnenlicht beruht, nicht tragfähig ist.

Aber stimmt diese Annahme? Deutschland steht vor großen Herausforderungen, und es ist korrekt, dass der Kohleausstieg zu lange dauert. Trotzdem ist Kohle langsam aber sicher Vergangenheit. Ein Blick auf die Entwicklung zeigt, dass Deutschland auf einem guten Weg ist, sein Energiesystem zu transformieren – obwohl es noch viel braucht, um die Klimaziele zu erreichen.

38 Prozent der Energie ist erneuerbar

Durch einen Aufschlag auf die Energierechnung, sogenannte Einspeisevergütungen, hat Deutschland die Voraussetzungen für den Ausbau erneuerbarer Energien im großen Umfang geschafft. Dies hat dazu beigetragen, dass Wind- und Solarenergie heute an verschiedenen Orten der Welt mit fossilen Energiequellen konkurrieren können – so auch in Deutschland.

Dong Energy und EnBW haben 2017 erstmals Auktionen für die Entwicklung von Offshore-Windparks ohne Subventionen gewonnen. Nach Angaben des Forschungsinstituts Fraunhofer ISE ist Strom aus Solarenergie heute die günstigste aller verfügbaren Technologien in Deutschland.

Innerhalb von 20 Jahren hat Deutschland den Anteil erneuerbarer Energien im Energiemix von Null auf 38 Prozent gesteigert und will diesen Anteil bis 2030 sogar auf 65 Prozent erhöhen. Das ist eine kleine Errungenschaft, aber der Weg ist noch lang, wenn Deutschland sein Ziel einer Niedrigemissionsgesellschaft bis 2050 erreichen will.

CO2-Ausstöße sinken, aber zu langsam

Trotz des starken Wachstums erneuerbarer Energien stagnierten die CO2-Emissionen in den letzten Jahren etwas, das Ziel der CO2-Reduktion bis 2020 wird nicht erreicht. Die Klima- und Energiepolitik steht deshalb zurzeit ganz oben auf der politischen Agenda.

Deutschland hat Schwierigkeiten beim Ausstieg aus der Kohlekraft. Das ist aber nicht der Grund dafür, dass die Emissionen in den letzten zehn Jahren nicht weiter reduziert wurden. Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist der CO2-Ausstoß von 2007 bis 2017 um fast sieben Prozent gesunken. Dies reicht angesichts des Pariser Abkommens und der deutschen Klimaziele nicht aus, aber ist immer noch eine bessere Leistung als vergleichbare Länder erzielen konnten, Norwegen eingeschlossen.

Emissionen im Energiesektor um 18 Prozent gesenkt

Die Unfähigkeit Deutschlands, die gesamten CO2-Emissionen im Rahmen des 2020-Ziels zu reduzieren, wird oft als Beweis für eine gescheiterte Energiewende angeführt. Es ist jedoch fehlleitend, den CO2-Ausstoß eines Landes nur anhand des Anteils erneuerbarer Energien zu bewerten.

Die CO2-Emissionsquellen betreffen weit mehr als nur der Energiesektor. Der Energiesektor verursacht etwa ein Drittel der Emissionen des Landes, der Rest verteilt sich auf Industrie, Verkehr, Baubranche und Landwirtschaft. Tatsache ist, dass die Emissionen im Energiesektor durch die Zunahme erneuerbarer Energien seit 2007 um 18 Prozent verringert haben, so das Umweltbundesamt.

Das schwarze Schaf der deutschen Klimarechnung ist der Verkehrssektor, in dem die CO2-Emissionen im selben Zeitraum um 11 Prozent gestiegen sind.

Reduktion der Steinkohle um 34,1 Prozent

Obwohl Kohle auch im deutschen Energiesystem immer noch eine große Rolle spielt, ist die Behauptung, dass der deutsche Kohleverbrauch kaum gesunken sei, nicht korrekt. Insbesondere Braunkohle bleibt auf einem stabilen Niveau. Von 2007 bis 2017 wurde der Einsatz von Braunkohle nur um 3,3 Prozent reduziert. Für Steinkohle liegt der Rückgang jedoch bei 31,4 Prozent – und dieser Trend hat sich 2018 fortgesetzt.

Bedarf an einem flexiblen Energiesystem

Deutschland hat Anfang des Jahres eine so genannte Kohlekommission einberufen, deren Auftrag es ist, einen Termin für den Kohleausstieg, vor allem für Braunkohle, festzulegen. Wenn dieser Ausstieg stattfindet, muss das deutsche Energiesystem eine völlig andere Flexibilität haben als das derzeitige System mit der Grundlast herkömmlicher Kraftwerke. Bislang können ungeprüfte Technologien wie Wasserstoff in Kombination mit der Kohlenstoffabscheidung eine wichtige Lösung darstellen.

Für Norwegen kann Gas auch bei hohem CO2-Preis ein wichtiges Exportprodukt bleiben. Für Deutschland gibt der mit norwegischem Erdgas erzeugte Wasserstoff dem deutschen Energiesystem die nötige Flexibilität, wenn der Großteil der Energie aus unregelmäßigen erneuerbaren Energiequellen stammt und Kohle keine Alternative mehr darstellt.

Der Artikel ist eine leicht abgeänderte Fassung der Chronik von Tor Kristian Haldorsen, Projektmitarbeiter bei der AHK Norwegen, die am 26.11.2018 bei Enerwe veröffentlicht wurde.