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Am 2. Juni 2017 wurde Oslo zur „Grünen Hauptstadt Europas 2019“ ernannt, und zwar in der damaligen Umwelthauptstadt Essen. Am 4. Januar 2019 fällt endlich der Startschuss für das Umwelthauptstadtjahr in Oslo, die als zehnte Stadt den von der Europäischen Kommission vergebenen Titel erhält. Was bedeutet diese Auszeichnung eigentlich für diese Städte? Warum ist es wichtig, Städte mit einer grünen Entwicklung vorzustellen? Welche Ziele verfolgt Oslo? Auf den folgenden Seiten finden Sie Antworten auf diese Fragen und Informationen zu den Vorbereitungen die Oslo für das Aktionsjahr 2019 trifft.

„Green cities – fit for life”

Die meisten Menschen leben in Städten – genauer gesagt leben zwei Drittel aller Europäer in Städten. Gleichzeitig verursachen Städte die größten Emissionen und den größten Druck auf Ressourcen und Umwelt. Wir sind also darauf angewiesen, dass unsere Städte gute Arbeit leisten, wenn uns der Wandel zu einer nachhaltigen Gesellschaft gelingen soll. Dafür braucht es eine gute länderübergreifende Zusammenarbeit, um Erfahrungen und Inspiration auszutauschen, und zu planen, wie wir weiter auf umweltfreundlichere Städte hinarbeiten können.

Viele europäische Städte sind bereits auf einem guten Weg. Mit der Auszeichnung als Umwelthauptstadt möchte die Europäische Kommission diese Städte belohnen und andere Städte dazu ermutigen, ihrem guten Beispiel zu folgen. Die Initiative wurde 2006 ins Leben gerufen, um das Engagement wegweisender Städte zu honorieren und ihre Ideen für ein umweltfreundliches Stadtleben vorzustellen. Denn in Zukunft soll es noch mehr grüne, lebenswerte und nachhaltige Städte geben.

Wasserwege als Wohlfühlfaktor

In der Begründung der Jury wurde die ganzheitliche Stadtentwicklung in Oslo gelobt. Klima- und Umweltthemen ziehen sich wie ein roter Faden durch alle politischen Diskussionen – von der Volksgesundheit bis hin zur Integration. Oslo will eine Stadt für alle sein, eine Stadt mit einer guten Lebensqualität, die das Wohl ihrer Bürger an erste Stelle setzt.

Ein besonderer Fokus lag auf den Bemühungen der Stadt, die Wasserwege wieder zu öffnen. Das Osloer Stadtbild ist zum Teil von städtischen Wasserstraßen geprägt: Zehn verschiedene Fluss- und Beckenläufe bahnen sich ihren Weg von den Bergen aus durch die Stadt bis zum Fjord – insgesamt 345 Kilometer.

Diese Wasseradern sind für das Ökosystem und die Tierwelt der Stadt wichtig, weil sie den Einwohnern gute Erholungsmöglichkeiten bieten und Überschwemmungen verhindern. Bis in die 1980er Jahre galten die Wasserwege aufgrund von Leckagen im Abwassersystem sowie starker Verschmutzung durch Emissionen und Müll als problematisch. Bei der Stadtplanung wurden sie als Hindernis wahrgenommen. Daher wurden große Teile in unterirdische Rohre verlegt.

In den letzten Jahren wurde hart daran gearbeitet, diese Entwicklung rückgängig zu machen. Dies ist ein Teil des Klimaschutzplans, um die Stadt gegen Überschwemmungen zu schützen, aber auch um andere positive Umwelteffekte auszunutzen. Im vergangenen Jahrzehnt wurden Wasserwege von mehr als 3 000 Metern Länge freigelegt – und die Arbeit geht weiter. In den nächsten zehn Jahren sollen weitere acht Kilometer geöffnet werden.

Budget für Treibhausgase

Auch das Klimabudget führt die Jury als Best Practice im europäischen Kontext an. Das Budget ist ein internationaler Meilenstein und das wichtigste Instrument der Oslo Kommune, die Treibhausgasemissionen der Stadt zu reduzieren. Im Gegensatz zu dem, was man normalerweise mit dem Wort „Budget“ assoziiert, beinhaltet das Klimabudget keine Finanzzahlen: Das Budget enthält Zielgrößen für den CO2-Austoß der Stadt. Ein reguläres Budget gibt einen Höchstbetrag für Ausgaben an. Ebenso gibt das Klimabudget eine Obergrenze für die Menge an Treibhausgasen an, die in dem Jahr, für das sie budgetiert sind, freigesetzt werden können.

Das Klimabudget wurde im Jahr 2016 im Rahmen des ordentlichen Haushaltsbudgets der Oslo Kommune eingeführt und bietet einen Überblick über die Maßnahmen, die der Stadtrat umsetzen will, um die Klimaziele in Oslo zu erreichen. Darüber hinaus wird die Verantwortung für die einzelnen Maßnahmen an die jeweiligen kommunalen Akteure verteilt. Das Klimabudget umfasst auch staatlich umgesetzte und finanzierte Maßnahmen mit direkter Wirkung zur Reduktion von Treibhausgasemissionen.

Das Budget ist kürzlich in der dritten Auflage erschienen und hat sich für 2019 sehr ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Gegenüber den Emissionswerten der Oslo Kommune von 1990 sollen die Emissionen bis 2030 um 95 Prozent sinken. Zwischen 2016 und 2020 müssen gemäß des Klimabudgets 319 000 Tonnen CO2 eingespart werden – rund 500 kg CO2 pro Einwohner.