Sieben Geschäftsbereiche für die deutsch-norwegische Wasserstoffzusammenarbeit

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Im Laufe des Jahres haben Deutschland und Norwegen ehrgeizige Pläne für die Entwicklung einer Wasserstoffwirtschaft vorgelegt. In diesem Zusammenhang hat die AHK Norwegen nun ein Positionspapier veröffentlicht, das sieben Geschäftsbereiche mit einem großen Potential für eine engere bilaterale Zusammenarbeit identifiziert.

Deutschland und Norwegen verfügen über gute Voraussetzungen, um die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft künftig voranzutreiben und haben komplementäre Stärken, Bedürfnisse und Herausforderungen. Die nationale Wasserstoffstrategie Deutschlands hat einen starken Fokus auf internationaler Zusammenarbeit und stellt zwei Milliarden Euro für internationale Partnerschaften bereit. Damit soll die Versorgungssicherheit durch den Import von Wasserstoff sowie die Wettbewerbsfähigkeit durch den Export deutscher Wasserstofftechnologie in wasserstoffproduzierende Länder gewährleistet werden.

Die norwegische Wasserstoffstrategie enthält derzeit keine konkreten Maßnahmen für internationale Partnerschaften. Das norwegische Ministerium für Erdöl und Energie wird jedoch eine Roadmap für Wasserstoff in Norwegen erarbeiten, bei der Vorschläge für die Zusammenarbeit mit internationalen Akteuren erwartet werden. Die AHK Norwegen hat daher sieben Bereiche identifiziert, in denen ein besonders großes Potenzial für die deutsch-norwegische Zusammenarbeit im Bereich Wasserstoff besteht.

1. Transport. Norwegen ist weltweit führend in der Elektrifizierung des Personenverkehrs und hat sich ehrgeizige Ziele für die Reduzierung von Klimagasemissionen im Schwertransport gesetzt. Im landbasierten Transport ist Norwegen ein attraktiver Testmarkt für in Deutschland produzierte Fahrzeuge.

2. Produktion. Mit großen Mengen an günstigem Strom und der geografischen Nähe zu Kunden aus dem maritimen Sektor und der Prozessindustrie besteht in Norwegen ein großes Potenzial für die Errichtung von großtechnischen Produktionsanlage für grünen und blauen Wasserstoff sowie für grünen und blauen Ammoniak, Methanol und E-Fuels. Deutsche Akteure, die zur Planung und Entwicklung solcher Anlagen beitragen können, sind gefragte Ansprechpartner für norwegische Interessengruppen.

3. Export. Es ist technisch möglich, die vorhandene Leitungsinfrastruktur für den kommerziellen Export von Wasserstoff von Norwegen nach Deutschland zu nutzen. Auch der Einsatz von Schiffen ist denkbar. Norwegische Unternehmen positionieren sich für Wasserstoffexporte von Wasserstoff nach Deutschland, benötigen jedoch Kunden aus der deutschen Industrie und eine ausreichende Infrastruktur. Die AHK Norwegen vertritt die Meinung, dass bilaterale Plattformen gebildet werden sollten, in denen Herausforderungen im Hinblick auf die Infrastruktur und weitere Rahmenbedingungen mit dem Ziel einer engeren bilateralen Koordination diskutiert werden können.

4. Maritimer Sektor. Norwegen verfügt über einen großen Vorsprung bei der Entwicklung von Wasserstofftechnologien im maritimen Sektor. Gleichzeitig ist auch Deutschland im Besitz einer großen Schiffsflotte und mehrerer großer Häfen. Eine stärkere Zusammenarbeit zu Innovation, Technologietransfer und Infrastruktur in beiden Ländern kann die Technologienentwicklung weiter stimulieren und den Markt für Technologieanbieter vergrößern.

5. Forschung und Entwicklung. In beiden Ländern gibt es starke Forschungs- und Industriearenen, die über solide Kenntnisse in den einzelnen Teilen der Wasserstoff-Wertschöpfungskette verfügen. Eine engere Kooperation zwischen Deutschland und Norwegen im Bereich der Forschung und Entwicklung stärkt sowohl die Wirtschaft als auch den Marktzugang in beiden Ländern. Die AHK Norwegen vertritt die Meinung, dass die jeweils verantwortlichen Entscheidungsträger ein bilaterales Kooperationsabkommen zur Wasserstoffforschung eruieren sollten.

6. Regionale Kooperationen. Mehrere deutsche Bundesländer haben eigene Wasserstoffstrategien veröffentlicht. Gleichzeitig verfolgen die norwegischen Verwaltungsbezirke verschiedene Interessen und Ambitionen im Hinblick auf die Produktion oder Nutzung von Wasserstoff. Formalisierte regionale Partnerschaften erleichtern die Koordinierung von Aktivitäten und ebnen den Weg für Technologiekooperationen und einen besseren Marktzugang für deutsche und norwegische Akteure.

7. Luftfahrt. Norwegen bietet mit seinen 45 Flughäfen und kurzen Entfernungen gute Voraussetzungen, neue und klimafreundliche Luftfahrttechnologie zu testen. Norwegen ist somit ein attraktiver Markt für die Erprobung der deutschen Wasserstoff- und E-Fuel-Technologie in der Luftfahrt.

Die AHK Norwegen ist eine Plattform für die verstärkte Kooperation zwischen Deutschland und Norwegen im Bereich Wasserstoff. Mit ihren Aktivitäten und Dienstleistungen möchte die AHK Norwegen einen Beitrag dazu leisten, dass beide Länder ihre Stärken und Bedürfnisse bündeln und somit zur Entwicklung eines neuen Wirtschaftszweiges sowie einer gesteigerten Wertschöpfung in beiden Ländern stimulieren.

Das vollständige Positionspapier ist auf www.handelskammer.no einsehbar.

Ansprechpartner:

Hanne Marit Grønning Strand, hmgs@handelskammer.no, +47 22 12 82 19
Tor Kristian Haldorsen, tkh@handelskammer.no, +47 22 12 82 33