2025 soll Wasserstoff fließen: „Damit durchbricht Deutschland das Henne-Ei-Problem!“

Die deutsche Bundesnetzagentur hat das geplante Wasserstoff-Kernnetz genehmigt. Damit ist der Weg frei für dessen Bau und Inbetriebnahme. Diese soll bereits auf gewissen Abschnitten schon 2025 erfolgen. Deutschland hat damit bald das größte Wasserstoffnetz Europas und sendet ein deutliches Signal an seine Nachbarländer – auch an Norwegen.

Schon kommendes Jahr will Deutschland erste Teile seines geplanten, fast 10 000 Kilometer langen Wasserstoff-Kernnetzes in Betrieb nehmen. Das haben der deutsche Wirtschaftsminister, Robert Habeck, und Vertreter der deutschen Behörden auf einer Pressekonferenz mitgeteilt.

Sie stellten den definitiven Plan des Pipelinesystems vor, den die zuständige Bundesnetzagentur jetzt genehmigt hat. Ab 2025 soll das Netz Wasserstoff durch das ganze Land und über die Grenzen transportieren. Laut einer Medienmitteilung des BMWK (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz), sind 13 Grenzübergangspunkte in europäische Nachbarländer vorgesehen. Deutschland rechnet damit, 2030 rund 50-70 Prozent seines Wasserstoffbedarfs durch Importe zu decken.

„Zentraler Baustein der Energiewende“

Das Netz verbindet Industriezentren, Häfen und Energieerzeuger – laut dem BMWK sei es „Startpunkt für eine neue Infrastruktur und zentraler Baustein der Energiewende.“ Laut Klaus Müller von der Bundesnetzagentur ist es Deutschland nun gelungen, das „Henne-Ei-Problem“ zu lösen. Die Frage, ob zuerst die Infrastruktur oder die Abnehmer vorhanden sein sollen, sorgt insbesondere bei kapitalintensiven Energieprojekten immer wieder für Diskussionen und Verzögerungen. Laut der FNB Gas, dem Zusammenschluss der überregionalen Gastransportunternehmen in Deutschland, gibt die jetzige Genehmigung der Wasserstoffwirtschaft nun die notwendige Sicherheit, um den Wasserstoffhochlauf aktiv zu gestalten und private Investitionen auszulösen.

Fast 60 Prozent umgenutzte Erdgasleitungen

Vor einem Jahr hat Minister Habeck erste Pläne des Projekts präsentiert. Der nun genehmigte Plan umfasst ein Leitungsnetz mit einer Länge von insgesamt 9040 Kilometern. Knapp 60 Prozent davon sollen bestehende Erdgasleitungen bilden, die umgenutzt werden.

Bis 2032 soll das Wasserstoff-Kernnetz Stück für Stück in Betrieb gehen – dann wird es laut FNB Gas das größte Wasserstoffnetz Europas sein. Voll ausgebaut kann es jährlich 278 TWh Wasserstoff transportieren bei einer Einspeiseleistung von 101 GW und einer Ausspeiseleistung von 87 GW.

Karte des nun genehmigten Netzes. Bild: BMWK

Das BMWK rechnet dafür mit Gesamtkosten von 18,9 Milliarden Euro (ca. 223 Mrd. NOK). Diese soll jedoch nicht der Staat tragen. In seiner Medienmitteilung hält das Ministerium fest, dass die Leitungen privatwirtschaftlich gebaut und betrieben werden und durch die Entgelte der Nutzer finanziert werden sollen.

Da es jedoch am Anfang relativ wenige Abnehmer geben werde, könnten die Investitionskosten nicht voll auf die Nutzer umgelegt werden. Daher würden die Netzentgelte gedeckelt. Ein Amortisationskonto sorge dann dafür, dass die Mindereinnahmen der ersten Phase durch spätere Mehreinnahmen ausgeglichen würden.

Auf die Autobahn folgen die Landstraßen

Das Kernnetz soll erst der Anfang sein, wie Minister Habeck auf der Pressekonferenz betonte. Es reiche in alle 16 Bundesländer, dünnere Verästelungen würden ab Sommer 2025 sukzessive geplant und ausgebaut. Habeck verglich das Kernnetz dabei mit einer Autobahn durch das Land, die jetzt gebaut werde – wobei die Land- und Dorfstraßen folgen.

Starkes Zeichen an Norwegen

Für Michael Kern, den Geschäftsführer der AHK Norwegen, sind das Wasserstoff-Kernnetz und die nun erfolgte Bewilligung ein starkes Signal aus Deutschland. „Der Prozess von der Planung bis hin zur Inbetriebnahme 2025 hat wenige Jahre gedauert, das ist ein rekordverdächtiges Tempo.“ Dies zeige deutlich, wie hoch Deutschland die grüne Umstellung, und insbesondere seine Wasserstoffpläne priorisiere. „Besonders deutlich geht dieses Zeichen nicht nur an die inländische Wasserstoffwirtschaft, sondern auch an potenzielle Wasserstoff-Lieferländer, darunter Norwegen.