de

Die globalen Konjunkturerwartungen der deutschen Unternehmen sind deutlich zurückgegangen, das zeigt der  AHK World Business Outlook des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

Für die Untersuchung hatten die Deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) im September und Oktober eine Befragung durchgeführt, an der sich weltweit über 3.500 deutsche Unternehmen, Niederlassungen und Tochtergesellschaften sowie Betriebe mit engem Deutschlandbezug beteiligten.

„Wenn man auf die aktuellen Themen der Handelspolitik schaut, kann einem schon schwindelig werden“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer, als er die Umfrageergebnisse gemeinsam mit DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier in Berlin präsentierte.

Dabei werde die globale Agenda insbesondere vom handelspolitischen Kurs der USA und dem Handelsstreit der USA mit China bestimmt, betonte Schweitzer. Es bestehe nach den Midterm Elections wenig Anlass, eine Kurskorrektur bei der Handelspolitik des US-Präsidenten zu erwarten. Zumal er auch bei den Demokraten „Skepsis mit Blick auf Freihandelsabkommen“ sehe, so der DIHK-Präsident.

„Die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft sind für mich deutlich“, fuhr er fort. „Die Sorge vor Handelsbarrieren mit den USA klettern auf ein Allzeithoch.“ Dank der Sonderkonjunktur durch die US-Steuerreform blieben die Vereinigten Staaten der wichtigste deutsche Absatzmarkt. „Aber täuschen wir uns nicht, der Konflikt – gerade um die Autozölle – ist nur verschoben.“ Wichtig werde hier sein, dass die EU mit einer Stimme spreche.

Auch der derzeitige Handelskonflikt zwischen den USA und China betreffe die deutsche Wirtschaft, so Schweitzer weiter. Sie sei sowohl in China als auch den USA stark präsent, etwa mit Niederlassungen oder Joint Ventures. Beide Märkte seien aus deutscher Sicht „unverzichtbar“. Es könne aber „auch nicht in unserem Interesse sein, dass die USA und China auf Kosten der europäischen Wirtschaft zueinander finden“. Umso wichtiger sei es, auf die Basis gemeinsamer Regeln zurückzukehren. „Das ist für mich die Welthandelsorganisation WTO.“

Der DIHK-Präsident warnte: „Bis dato ist die deutsche Volkswirtschaft ganz hervorragend damit gefahren, die sich bietenden Chancen auf möglichst vielen Märkten des Globus zu ergreifen.“ Doch: „Persönlich bin ich davon überzeugt, gemeinsam, bei offenen Verhandlungen, schafft man mehr. Wir müssen uns zum gemeinsamen Gestalten hinwenden und auch nicht Europa zerreden und schwächen lassen.“ Es sei an der Zeit, dass auch Deutschland seine Hausaufgaben mache, mahnte Schweitzer. „Ein schnellerer Ausbau von Breitband- und Stromnetzen ist ebenso gefragt wie der Einstieg in die längst überfällige Steuerreform.“

DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier stellte in Berlin Details aus dem aktuellen World Business Outlook vor. Die Ergebnisse gäben „leider Anlass zur Besorgnis“, sagte er. „Alle Umfragewerte und Stimmungsindikatoren weisen nach unten.“

Welthandel und Weltkonjunktur gerieten unter Druck. Global werde das Bruttoinlandsprodukt 2018 statt um 4 Prozent, wie vom DIHK noch zu Jahresbeginn prognostiziert, nur um 3,6 Prozent zulegen können. Und auf Basis der aktuellen Erhebung sei für 2019 mit keiner Besserung zu rechnen: „Der DIHK erwartet einen Zuwachs von 3,5 Prozent – und das auch nur, wenn die Dinge gut laufen.“

In puncto Welthandel zeichnete Treier ein ähnlich verhaltenes Bild: „Sind wir zu Anfang des Jahres noch von einem Wachstum von 4,9 Prozent ausgegangen, liegt unsere Prognose bei nur noch 4,0 Prozent.“ Für 2019 gehe der DIHK von 3,7 Prozent aus.

Im weltweiten Durchschnitt schätzten die Betriebe sowohl ihre Lage als auch ihre künftigen Geschäfte deutlich schlechter ein als noch zu Jahresbeginn. „Der Saldo aus Besser- und Schlechter-Meldungen bei den Erwartungen sinkt deutlich von 53 auf 36“, berichtete der DIHK-Außenwirtschaftschef. „Auch in den weltweiten Investitions- und Beschäftigungsplänen müssen die Unternehmen einen Gang runterschalten.“