Brandenburger Tor in Berlin

30 Jahre wiedervereintes Deutschland

Deutsch Norwegisch (Buchsprache)

Am 3. Oktober sind 30 Jahre vergangen, seit Ost- und Westdeutschland zu einem vereinten Deutschland wurden. Ostdeutschland ist seitdem ein kräftiges Wirtschaftswachstum und eine starke Innovationsentwicklung durchlaufen, auch wenn nach wie vor ein deutlicher Abstand zur Wirtschaftskraft zum Westen Deutschlands besteht.

Willy Brandts bekannter Satz «Es wächst zusammen, was zusammen gehört» steht für die friedliche Revolution, den Fall der Mauer und die anschließende Wiedervereinigung. Es herrschen auch weiterhin deutliche Unterschiede im Kräfteverhältnis zwischen den zwei früheren Staaten. Anstatt „zusammenzuwachsen“ wurde die DDR eher ein Teil der „alten“ Bundesrepublik. Selbst heute, 30 Jahre später, wird in Deutschland noch immer von den “neuen” und “alten” Bundesländern gesprochen.

„Ostdeutschland stand 1990 vor einer enormen Umwälzung. Trotz der neu gewonnenen Freiheit und all den positiven Veränderungen, war es für Unternehmen und Privatpersonen eine Herausforderung, sich an ein völlig neues System, sowohl ökonomisch und politisch als auch sozial, zu gewöhnen“, sagt Michael Kern, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der AHK Norwegen.

„Dass Tesla als Standort für seine erste europäische Produktion das Land Brandenburg gewählt hat, ist ein hervorragendes Beispiel für die Attraktivität der neuen Bundesländer bei ausländischen Investitionen“

Michael Kern

Neuer geeinter Markt

Für die geeinte deutsche Wirtschaft gab die Wiedervereinigung einen soliden Anstoß. „Die Vergrößerung des Binnenmarktes, die motivierten Fachkräfte und die Möglichkeit, den Außenhandel in Richtung Osteuropa noch stärker zu intensivieren, waren positive Aspekte“, berichtet Wirtschaftshistoriker Ulrich S. Soénius dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK)

Die Wiedervereinigung und der sich anschließende Aufbau Ost schafften eine neue Infrastruktur und führten zu einem völlig neuen Wirtschaftsleben. „Problematisch war die damals als ‚alternativlos‘ eingeschätzte Währungsumstellung noch vor der staatlichen Vereinigung. Die D-Mark hatte zwar einen hohen symbolischen Wert, aber durch die Verlagerung der Kaufkraft in Richtung Westprodukte nahm der Niedergang der DDR-Wirtschaft seinen weiteren Verlauf“, erklärt Soénius.  

Innovative Technologie im Osten 

Die ostdeutschen Bundesländer lagen wirtschaftlich meilenweit hinter Westdeutschland und hatten viel aufzuholen. Dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) zufolge haben in den letzten 30 Jahren die Bundesländer der früheren DDR eine international wettbewerbsfähige Wirtschaft aufgebaut. Die „neuen Bundesländer“ haben sich als attraktiver Standort für neue und innovative Unternehmen und Forschungsinstitute etabliert. Dies wird insbesondere im Bereich der erneuerbaren Energien deutlich: Umwelt- und Energietechnologien sind überdurchschnittlich stark in Ostdeutschland vertreten und tragen einen bedeutenden Teil zur wirtschaftlichen Entwicklung bei.

„Dass Tesla als Standort für seine erste europäische Produktion das Land Brandenburg gewählt hat, ist ein hervorragendes Beispiel für die Attraktivität der neuen Bundesländer bei ausländischen Investitionen“, sagt Kern. 

Trotz der positiven Entwicklung Ostdeutschlands verringert sich der Vorsprung des Westens nur langsam – der Abstand zur westdeutschen Wirtschaft beträgt laut BMWi immer noch 30 Prozent. Ein Grund hierfür liegt darin, dass auch die westdeutsche Wirtschaft in den letzten Jahren einen kräftigen Aufschwung erlebt hat und der Abstand, den der Osten Deutschlands einholen muss, demzufolge gewachsen ist.