Bottling on Demand – Getränkeproduktion auf Knopfdruck

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Mit der zunehmenden Digitalisierung haben sich auch die Verhaltensweisen der Konsumenten verändert: Online-Bestellungen mit individuellen Wünschen sind zum Alltag geworden. Dies stellt hohe Anforderungen an die Geschwindigkeit bei der Auftragsbearbeitung und eine entsprechend moderne Prozesstechnik. Als eines der weltweit führenden Unternehmen in der Abfüll- und Verpackungstechnik will die Krones AG mit einer neuen Abfüllanlage die Getränkeindustrie revolutionieren.

Mit „Bottling on Demand“ hat die Krones AG mit Sitz im süddeutschen Neutraubling eine Konzeptstudie entwickelt, mit dem Getränkehersteller ihre Produkte zukünftig individuell gestalten können, ohne an Produktivität einzubüßen. „Den Drang des Marktes nach mehr Individualisierung spüren wir auch in der Getränkeindustrie“, so Peter Moertl, Pressesprecher der Krones AG. Um eine flexible Produktion in einer einzigen Abfüllanlage wirtschaftlich realisieren zu können, müssen die einzelnen Produktionsschritte jedoch dynamischer gestaltet werden, so das Ergebnis der Studie.

Individualisierung der Getränkeindustrie

Die Studie zeigt, wie moderne Abfüllanlagen zukünftig funktionieren könnten. Getränke werden auf Bestellung nach dem persönlichen Wunsch des Kunden produziert – mit einer Auswahl an verschiedenen Inhalten, Flaschengrößen, Aufdrucken und Verschlüssen. Die innovative Abfüllanlage besteht dabei aus einer Füllstation für verschiedene Rezepturen, einem Direktdruckmodul für verschiedene Designs sowie einem neu entwickelten, flexiblen Fördersystem für die Zusammensetzung der einzelnen Flaschenkomponenten. Darüber hinaus identifiziert das System jeden Behälter mit einem individuellen RFID-Code. Die Anlage ist an ein intelligentes Bestellsystem gekoppelt, sodass die Flaschen per App von Händlern oder Endkonsumenten individuell konfiguriert werden können.

Das Kernstück der Anlage ist dabei ein innovatives Füllventil, das über einen Hauptkanal und bis zu drei weiteren Kanälen verfügt, die je nach Rezeptur für jede Flasche einzeln angesteuert und dosiert werden können – bis zu 13 Getränkesorten können in dieser Konzeptanlage gemischt werden. Auf diese Weise werden nicht nur die derzeit üblichen Umrüstzeiten erheblich reduziert, sondern der nahtlose Umstieg auf verschiedene Produkte ermöglicht. „Beispielsweise können Mischpaletten direkt in einer Produktionslinie erstellt werden, abgestimmt auf das Kaufverhalten der beteiligten Verbraucher. Der Getränkeindustrie stehen also spannende Zeiten bevor“, so Moertl.

Kleinstmengen wirtschaftlich produzieren

Mit dem heutigen Stand der Technik können kleine Stückzahlen noch nicht kosteneffizient produziert werden. Das „Bottling on Demand“ ermöglicht die Produktion von verschiedenen Getränkevarianten auf einer einzigen Linie, in kleinen Chargen und in schneller Reihenfolge. Ändert sich zum Beispiel die Rezeptur eines Getränks, werden die Füllventile einfach anderes angesteuert. „Ob das System einen oder 500 Behälter füllt, bevor es umgestellt wird, ist unerheblich. Wichtig ist nur, dass die Umstellung ohne Umrüst- oder Wartezeiten erfolgen kann. Und wenn es bei Chargengröße 1 funktioniert, lässt sich das gesamte Konzept problemlos hochskalieren“, meint Moertl. Dadurch können Mischpaletten mit verschiedenen Produkten direkt an der Anlage zusammengestellt, verpackt und ausgeliefert werden – ohne Umwege ins Lager und ohne Kommissionierung.

Die effiziente Auslastung der Produktionslinie hat auch Umweltvorteile: Es werden nur noch bestellte Waren produziert, und auf diese Weise Emissionen bei der Produktion, Lagerung und Logistik reduziert. Abgelaufene Produkte, unnötiger Verpackungsmüll und hohe Frachtkosten gehören somit der Vergangenheit an.

Tracking vom Produzenten zum Konsumenten

Das „on Demand“-Prinzip spiegelt sich auch im Datenfluss wider: Im Gegensatz zu herkömmlichen Produktionslinien werden die Daten nur dann spezifiziert, wenn sie benötigt werden. Durch personalisierte RFID-Chips in der Verschlusskappe können alle Artikel eindeutig identifiziert und verfolgt werden. „Das Ergebnis: Hohe Produktionssicherheit durch flächendeckendes Tracking – von der Getränkeherstellung und dem anschließenden Transport bis hin zum Point of Sale“, sagt Moertl.

Auch für Marketingzwecke bietet der Chip ein großes Potenzial, da er nach Aussage von Moertl neben Produktionsdaten mit verbraucherrelevanten Informationen wie Inhaltsstoffen ausgestattet werden kann. „Diese Individualisierung von Produkten kann in Zukunft ein großer Marktvorteil sein, insbesondere bei Gesundheits- oder individuellen Sportgetränken“.

Die Konzeptstudie zeigt, dass die markt- und nachfrageorientierte Produktion keine Zukunftsmusik mehr ist. Im Gegenteil: Die Technologie bietet Herstellern enorme Freiheiten bei der Produktionsplanung und eröffnet neue Geschäftsmodelle im Bereich des E-Commerce. Das Konzept ist somit ein wegweisender Schritt in Richtung einer individualisierten Getränkeherstellung.

Julia Pape