Deutsche Handelszahlen: Norwegen rutscht wieder nach hinten

Laut dem deutschen Statistischen Bundesamt, DeStatis, hat Norwegen seinen Platz in den Top-10 der größten deutschen Importpartner im Jahr 2023 verloren. Verglichen zu früheren Jahren bleiben die Zahlen hoch. Interessant ist die Lage bei den deutschen Exporten nach Norwegen: Ob diese sich gegenüber 2022 verändert haben, hängt derzeit davon ab, ob man in deutschen oder norwegischen Statistiken nachschaut.

Das Deutsche Statistische Bundesamt DeStatis hat die deutschen Handelszahlen 2023 veröffentlicht. Die Importe aus Norwegen sind, finanziell gesehen und verglichen zu 2022, zurückgegangen – laut DeStatis um über die Hälfte, 51,6 Prozent. Mitte Januar hatte das Norwegische Statistische Amt SSB bereits ähnliche Zahlen vorgelegt*. DeStatis beziffert die Importe aus Norwegen im Jahr 2023 mit einer Gesamtsumme von 30,5 Mrd. EUR. Damit macht Norwegen rund 2,3 % der deutschen Gesamtimporte 2023 von über 1,3 Billionen EUR aus.

Der Grund für den starken finanziellen Rückgang der Importe aus Norwegen verglichen zum Vorjahr liegt im Gaspreis. Seit Jahren machen Öl und vor allem Gas den mit Abstand größten Teil der deutschen Importe aus Norwegen aus. Die Preise am Gasmarkt waren 2022 außerordentlich hoch, was dazu geführt hat, dass Norwegens Handelsbilanz stark in die Höhe schoss. Die Preise am fossilen Markt sind inzwischen wieder gesunken, was auch zu einem tieferen norwegischen Ergebnis im Vergleich zu 2022 führt. Das deutsche Importvolumen aus Norwegen ist mit seinen 30,5 Mrd. EUR 2023 aber nach wie vor hoch – 2021 waren es „nur“ 19. Mrd.   

Deutsches Import-Ranking: Norwegen rutscht nach hinten

Das hat einen Einfluss auf das Länderranking im deutschen Import und Export. 2022 stand Norwegen bei den Ländern, aus denen Deutschland importiert, auf Platz 7 und somit in den Top 10, gemeinsam mit den USA, China und Frankreich. 2023 belegte Norwegen noch den 14. Platz – hinter Großbritannien und vor Japan.  

Bei den deutschen Exporten stand Norwegen 2023 auf dem 31. Platz. 9,1 Mrd. EUR betrug das Exportvolumen nach Norwegen laut DeStatis. Das bedeutet ein Minus von 18,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und 0,6 Prozent des gesamten deutschen Exports in 2023, der sich demnach auf über 1,5 Billionen EUR belief. Die deutschen Exporte nach Norwegen fielen 2023 laut DeStatis tiefer aus als in den beiden Jahren zuvor (2022: 11,2 Mrd. EUR; 2021: 9,6 Mrd. EUR)

Die Währung macht den Unterschied

Der Rückgang der Exporte nach Norwegen ist mindestens zum Teil währungsbedingt. Die norwegische Krone hat 2023 gegenüber dem Euro an Stärke verloren. Für die Norweger sind Importe aus Deutschland also teurer geworden, was sich im Importverhalten niedergeschlagen haben könnte. Hier spielt allerdings auch eine Rolle, in welcher Währung die Statistik erfasst wird: Während das norwegische SSB die Importe aus Deutschland mit rund 116 Mrd. NOK (umgerechnet 10,23 Mrd. EUR) ähnlich hoch wie 2022 ausweist, kommt DeStatis mit 9,1 Mrd. EUR zu einem tieferen Ergebnis als in den Vorjahren. Dies dürfte unter anderem daran liegen, dass vom SSB erst die vorläufigen Zahlen vorliegen – diese werde also womöglich noch bereinigt und dürften dann näher bei jenen von DeStatis liegen*. 

Vor Dänemark, hinter Schweden

Das deutsch-norwegische Handelsvolumen 2023 beläuft sich laut DeStatis somit auf rund 39,7 Mrd. EUR. Verglichen zum Vorjahr ist das ein Minus von 46,6 Prozent. Daran hat der gesunkene Gaspreis seinen Anteil. Norwegen rangiert somit auf dem 18. Platz in der Liste der größten deutschen Handelspartner und im Skandinavien-Vergleich in der Mitte: Schweden belegt den 15. und Dänemark den 20. Platz. Aus Sicht von Norwegen ändert sich jedoch nichts: Trotz des gesunkenen Handelsvolumens bleibt Deutschland mit Abstand Norwegens wichtigster Handelspartner.

* Mitte Januar hatte die norwegische Statistikbehörde Handelszahlen zu Deutschland veröffentlicht, die sich von jenen von DeStatis teilweise unterscheiden. Unter anderem ist das auf mögliche statistische Unschärfen wie Rundungsdifferenzen, mögliche unterschiedliche Methoden und Schlüssel zur saisonalen Bereinigung, und nicht zuletzt auf die verschiedenen Währungen zurückzuführen. Dazu sind die von SSB publizierten Zahlen bei Erscheinen dieses Berichts nach wie vor als vorläufig angegeben – voraussichtlich folgt hier also noch eine Bereinigung. 


Weitere Zahlen zum deutschen Handel gibt es auf der Webseite der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).