Die Coronakrise – Auswirkungen auf die Wirtschaft in Deutschland und Norwegen

Deutsch Norwegisch (Buchsprache)

Gastbeitrag von Kyrre Martinius Knudsen, Chief Economist, SpareBank 1 SR-Bank

Ein Jahr ist es her, dass die Welt vom Coronavirus heimgesucht wurde. Mit sich brachte das Virus globale Herausforderungen für die Gesundheitssysteme und den stärksten Rückgang der Weltwirtschaft in der Nachkriegszeit. Die Unsicherheit war groß und die Wirtschaftsaktivitäten wurden im März und April 2020 zurückgefahren. Im Sommer erholte sich die Weltwirtschaft, bevor sie im Herbst wieder ins Stocken geriet. Infolgedessen ging das Bruttoinlandsprodukt 2020 weltweit zurück. In Norwegen wurde die Rezession durch verschiedene Faktoren gedämpft, was einen BIP-Rückgang von 2,5 Prozent zur Folge hatte. In Europa schrumpfte die Wirtschaftsleistung um fast sieben Prozent. Der Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts lag mit 5,4 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt.

Die größten Auswirkungen von Corona sind im Dienstleistungssektor zu spüren. In Deutschland hat der sehr starke sekundäre Sektor den Abschwung gemildert. Der bedeutende deutsche Geschäftsklimaindex IFO stieg im Februar im verarbeitenden Gewerbe auf den höchsten Wert seit November 2018. In den anderen Sektoren – Dienstleistungen, Handel und Bauwesen – stieg der Index leicht. Die Situation im Bereich Übernachtungen sowie im Tourismus bleibt weiter angespannt, für den Sommer zeigt sich die Branche jedoch vorsichtig optimistisch.

Wie unsere Unternehmensumfrage im Januar zeigte, erholt sich auch die norwegische Wirtschaft ähnlich wie die in Deutschland und der Welt. Das verarbeitende Gewerbe und die Öl- und Gasbranche zeigten sich hier am optimistischsten. Die Preiserholung, das Steuerpaket zur Ölförderung und das Wachstum in neuen Geschäftsbereichen wie erneuerbare Energien, Energiesysteme, Fischzucht und Digitalisierung wirken sich positiv auf diese Sektoren aus.

In vielen Ländern wurde mit der Impfung gegen das Coronavirus begonnen, der Fortschritt ist jedoch sehr unterschiedlich. Während in Großbritannien bereits mehr als 30 Prozent und in den USA über 20 Prozent der Bevölkerung geimpft wurden, liegt die Impfrate in der EU, Deutschland und Norwegen bei etwa acht bis zehn Prozent. Um die Wirtschaft wieder vollständig hochfahren zu können, muss dieser Wert deutlich höher sein. In Israel, wo bereits annähernd die komplette Bevölkerung geimpft ist, soll die Wirtschaft bis Ende April wieder uneingeschränkt laufen. Großbritannien hat kürzlich eine schrittweise Wiederöffnung angekündigt und hofft, bis Ende Juni alle gesetzlichen Beschränkungen für den sozialen Kontakt aufheben zu können.

Für Länder mit einer geringeren Impfrate wird es wahrscheinlich nicht möglich sein, die Beschränkungen in derselben Geschwindigkeit aufzuheben. Wenn die Impfprogramme nicht beschleunigt werden können, wird sich dieser Prozess in Deutschland und Norwegen noch etwas herauszögern. Die öffentliche Debatte, wie einzelne Länder mehr Impfdosen erhalten, wird sich daher wahrscheinlich intensivieren. Drücken wir die Daumen, dass sich die Produktionskapazitäten steigern und wir in Deutschland und Norwegen mehr Impfdosen erhalten, um in nicht allzu ferner Zukunft einen vollständigen Restart durchführen zu können.