Digitale Studienreise nach Deutschland: Ausbildung im maritimen Sektor

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Können Studienreisen tatsächlich digital stattfinden? Ja! Aufgrund der Reisebeschränkungen entwickelte die AHK Norwegen ein alternatives Konzept, um Projekte auch in Zeiten einer globalen Pandemie weiter voranzubringen. Im April 2021 begab sich die norwegische Berufsschule Fagskolen i Hordaland, auf eine digitale Studienreise nach Norddeutschland, um sich für ein neues internetbasiertes Ausbildungsprogramm für den maritimen Sektor inspirieren zu lassen.

Im April führte die AHK Norwegen ihre erste digitale Studienreise nach Deutschland durch. Auftraggeber der Studienreise war die Fagskolen i Hordaland, die vom norwegischen Amt für internationale Zusammenarbeit und Qualitätsentwicklung in der Hochschulbildung (Diku) Fördermittel zur Entwicklung einer neuen digitalen maritimen Ausbildung erhalten hat. Das Projekt ist Teil einer Ausschreibung für digitale Kompetenz in meeresbezogenen Ausbildungsrichtungen, mit dem Ziel, Schüler mit erhöhter digitaler Nutzerkompetenz auszustatten, die den zukünftigen Anforderungen des Arbeitslebens entspricht.

„Wir haben den Eindruck, dass die Berufsschule viel fachliches Input von der digitalen Reise mitgenommen hat, und das ist ja da wichtigste Ziel.“

Carine Gronholz, Projektleiterin, AHK Norwegen

Die Berufsschule hat dem Projekt den Arbeitstitel «Digitale und flexible maritime Berufsschulbildung» gegeben – eine Richtung, die in Norwegen die erste ihrer Art sein wird. Nach der Kontaktaufnahme mit der Handelskammer entschied sich die Berufsschule für eine Studienreise nach Deutschland. Aufgrund der Pandemie wurde diese digital durchgeführt.

„Ursprünglich war eine physische Reise nach Deutschland geplant. Aufgrund der aktuellen Situationen haben wir uns jedoch auf eine digitale Studienreise geeinigt. Ziel der Studienreise war es, von norddeutschen Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Kompetenzzentren, die das sogenannte Integrierte Lernen in der maritimen Bildung einsetzen, zu lernen und Erfahrungen auszutauschen“, erzählt Projektleiterin Carine Gronholz von der AHK Norwegen.

An drei Tagen trafen die Teilnehmer mehrere zentrale Akteure aus dem maritimen Sektor in Norddeutschland. Die Region ist ein wichtiges Kompetenzumfeld für die Digitalisierung in der maritimen Wirtschaft. Die maritime Ausbildung basiert auf dem starken deutschen Berufsbildungssystem, das sich durch den engen Kontakt zur Industrie im Ausbildungsverlauf auszeichnet.

Gemischtes Programm

Am ersten Tag lernten die Teilnehmer Schulen und Bildungseinrichtungen mit maritimen Ausbildungsprogrammen kennenlernen, um mehr über ihre Herangehensweise an die digitale Lehre zu erfahren. Auf dem Programm standen Vorträge der Berufsbildungsstelle Seeschifffahrt, Hochschule Wismar, Fachschule für Seefahrt Flensburg und SH Seemannsschule Travemünde.

„Es gab viele gute Diskussionen über Themen, mit denen wir alle konfrontiert sind, unabhängig vom Land“, berichtet Eirik Skare, Lehrer an der Fagskolen i Hordaland.

An den darauffolgenden Tagen wurde den Teilnehmern ein abwechslungsreiches Programm geboten – unter anderem mit einem Vortrag von MARIKO, einem Kompetenzzentrum für maritime Wirtschaft und einem wichtigen Bindeglied zwischen verschiedenen Branchenakteuren. Darüber hinaus erlebten sie mehrere Simulator- und AR-Lösungen, die sowohl in der Grundausbildung als auch zu Fort- und Weiterbildungszwecken eingesetzt werden.

„Das Unternehmen Innovam präsentierte eine fortschrittliche AR-Lösung für LNG-Schulungen. Wir haben etwas Vergleichbares in Norwegen, aber die deutsche Lösung ist definitiv einen Schritt voraus“, so Skare.

„Viele konkrete Tipps und Inspiration“

„Wir freuen uns, dass wir eine digitale Version der Studienreise organisieren konnten. Ein physisches Treffen zum Erfahrungsaustausch ist nicht unbedingt notwendig, aber der soziale Aspekt einer Studienreise ist natürlich ganz anders. Wir haben den Eindruck, dass die Berufsschule viel fachliches Input von der digitalen Reise mitgenommen hat, und das ist ja da wichtigste Ziel“, sagt Gronholz.

Skare ist einig mit Gronholz:

„Es ersetzt zwar leider keine reguläre Studienreise, aber ist eine sehr effiziente Art und Weise, von Ort zu Ort zu reisen. Wir nehmen viele konkrete Tipps und Inspiration für unser Projekt mit.“