Drohnen sind längst mehr als technische Spielerei oder Werkzeug für Luftaufnahmen. In der Waldüberwachung oder bei Such- und Rettungseinsätzen spielen sie schon heute eine wichtige Rolle. Mittlerweile entwickeln sie sich in Deutschland zunehmend auch zu einem strategischen Zukunftsfeld. Sie bilden die Schnittstelle zwischen Industrie, Sicherheitspolitik und internationaler Zusammenarbeit. Neue Partnerschaften, ambitionierte Entwicklungsprojekte und ein wachsender Markt zeigen: Die Dynamik ist hoch – und sie wird maßgeblich durch aktuelle geopolitische Entwicklungen geprägt.
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Wie moderne Kriegführung aussieht, zeigt sich in der Ukraine: Dort hat sich das Schlachtfeld innerhalb der vergangenen drei Jahre von einem Schützengraben- in einen Drohnenkrieg verwandelt. Ein Wettbewerb der unbemannten Systeme. Gezwungenermaßen hat sich die Ukraine zu einem weltweit führenden Akteur in der Drohnentechnologie und deren integrierten Einsatz im Gefecht entwickelt. Was diese Veränderung in der Kriegführung bedeuten kann, bekamen Nato-Länder bei einer Übung in Estland zu spüren: Ein kleines Team ukrainischer Drohnenpiloten schaltete in Kürze zwei Nato-Bataillone aus.
Immer wieder warnen Experten und Politiker, dass Europa im Bereich Drohnentechnologie noch viel aufzuholen hat. Die EU ist auf einen modernen Drohnenkrieg schlecht vorbereitet. Was aber auch stimmt: Es kommt immer mehr Bewegung in die Sache. In Deutschland entwickelt sich eine Industrie, bestehend aus etablierten Firmen und Startups. Gleichzeitig werden Kooperationen geschlossen – sowohl zwischen Staaten als auch Unternehmen.
Sicherheit im Fokus: Drohnenabwehr als neues Geschäftsfeld
Ein aktuelles Beispiel für diese Entwicklung ist die Zusammenarbeit zwischen Rheinmetall und der Deutschen Telekom. Wie im Mai 2026 bekannt wurde, haben sich die beiden Partner zum Ziel gesetzt, Fähigkeiten und Technologien gegen vielfältige Angriffsmöglichkeiten auf Standorte kritischer Infrastrukturen (KRITIS) zu entwickeln: Ein sogenannter Multi-Threat-Protection-Ansatz.
Aus Sicht der Akteure ist ihr Zusammenschluss nur logisch. Ausgangspunkt ist eine veränderte Bedrohungslage: Die Bedrohung durch Drohnen sei hochgradig digital. Deshalb brauche ihre Abwehr die Verbindung aus Sensorik, Effektoren und sicheren Kommunikationsnetzen, so ein Rheinmetall-Sprecher in der offiziellen Pressemitteilung.
Der geplante „Schutzschirm“ basiert auf einem integrierten Ansatz: Er verbindet digitale Komponenten wie Datenauswertung und sichere Kommunikationsnetze mit physischen Abwehrtechnologien. Rheinmetall bringt dabei seine Erfahrung in Sensorik und Flugabwehr ein. Die Telekom nutzt ihre Kompetenzen in Konnektivität, Cloud und Datenanalyse.
Ein entscheidender Baustein ist die Drohnenerkennung. Die Telekom hat bereits in der Vergangenheit Systeme eingesetzt, etwa zur Überwachung großer Veranstaltungen wie der Fußball-EM 2024, bei der unerlaubte Drohnenflüge zuverlässig identifiziert wurden.
Strategische Partnerschaft: Deutschland und die Ukraine
Parallel dazu gewinnt die internationale Zusammenarbeit an Bedeutung. Besonders hervorzuheben ist die vertiefte Kooperation zwischen Deutschland und der Ukraine im Drohnenbereich, die während des Überraschungsbesuchs des deutschen Verteidigungsministers Boris Pistorius Anfang Mai 2026 in Kiew kommuniziert wurde.
Deutschland ist nach den USA und den EU-Institutionen der größte Unterstützer der Ukraine. Als Gegenleistung profitiert die Bundesrepublik vom Zugang zum enormen ukrainischen Drohnen-Know-how.
Im Zentrum der Zusammenarbeit beider Länder steht die gemeinsame Entwicklung und Produktion moderner unbemannter Systeme mit unterschiedlichen Reichweiten – bis hin zu Langstreckendrohnen, die Ziele in Entfernungen von bis zu 1.500 Kilometern erreichen können.
Darüber hinaus umfasst die Kooperation weit mehr als einzelne Systeme. Beide Länder setzen auf eine langfristige Partnerschaft, die auch den Austausch von Daten, Software und Analyseinstrumenten einschließt. Dabei betonte das Bundesverteidigungsministerium ausdrücklich die strategische Dimension: Die Zusammenarbeit soll nicht nur kurzfristige Unterstützung leisten, sondern eine dauerhafte industrielle und technologische Partnerschaft schaffen.
Industrie im Wandel: Produktion und Joint Ventures
Ein zentrales Element dieser Entwicklung ist der Aufbau neuer Produktionsstrukturen. Besonders deutlich wird dies am Beispiel unseres Mitgliedsunternehmens Quantum Systems.
Bereits im Dezember 2025 entstand mit dem ukrainischen Partner Frontline Robotics ein Joint Venture, das erstmals eine industrielle Serienproduktion ukrainischer Drohnen in Deutschland ermöglicht.
Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Ukrainische Technologien, die unter realen Einsatzbedingungen erprobt wurden, werden mit deutscher Produktionsautomatisierung kombiniert. So lassen sich große Stückzahlen effizient herstellen – mit geplanten Kapazitäten von bis zu 10.000 Drohnen pro Jahr. Bereits im Februar 2026 wurde die erste Drohne des deutsch-ukrainischen Joint Ventures offiziell an die Ukraine übergeben.
Diese Form der Zusammenarbeit gilt als Modell für die Zukunft. Weitere Joint Ventures sind bereits in Planung und sollen das Spektrum erweitern – etwa im Bereich Abfangdrohnen oder autonomer Systeme.
Gleichzeitig zeigt sich hier ein grundlegender Wandel der Branche: Die Drohnenproduktion entwickelt sich weg von kleinen Stückzahlen und spezialisierten Anwendungen hin zu industrieller Skalierung und standardisierten Prozessen.
Drohnen: Innovation unter realen Bedingungen
Ein entscheidender Treiber der Entwicklung ist die enge Verbindung zwischen Industrie und Einsatzpraxis. Besonders die Erfahrungen aus der Ukraine haben gezeigt, wie schnell sich Drohnentechnologie unter realen Bedingungen weiterentwickeln kann.
Deutschland profitiert dabei zunehmend von diesem Wissenstransfer: Daten aus dem Einsatz, neue taktische Anforderungen und technische Anpassungen fließen direkt in die Entwicklung ein. Gleichzeitig gewinnen europäische Unternehmen so an Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich.
Diese Dynamik verändert auch das Innovationsverständnis. Entwicklungen erfolgen nicht mehr nur im Labor, sondern in einem kontinuierlichen Prozess zwischen Test, Einsatz und Anpassung.
Um den Austausch zwischen den Branchenakteuren weiter zu stärken, veranstaltet die AHK Norwegen am 23. September den German-Norwegian Defence Dialogue in Trondheim. Die Veranstaltung bringt Akteure aus Politik und Industrie beider Länder zusammen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie gemeinsame Initiativen zur Fähigkeitsentwicklung beitragen, die europäische Resilienz stärken und neue Wege für die industrielle Zusammenarbeit eröffnen können.
