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Wetterprognosen sind nicht nur für die Allgemeinheit interessant, sondern auch eine wichtige Entscheidungsgrundlage für den Energiesektor, die Öl- und Gasbranche oder die maritime Industrie. StormGeo hat sich als erstes privates Unternehmen in Norwegen auf die Lieferung von Wetterdaten spezialisiert – und schreibt damit eine der erfolgreichsten Exportgeschichten des Landes.

In den 1990ern wurden bei Wettervorhersagen erstmals animierte Wetterfronten und Druckgebiete gezeigt. Die Meteorologin und Moderatorin Siri Kalvig erkannte das Potential von kommerziellen Wetterdiensten und gründete 1997 mit dem Sender TV2 das Spin-off StormGeo. Zwei Jahrzehnte später ist das Unternehmen einer der größten Anbieter von professionellen Wetterdiensten weltweit und Marktführer in Skandinavien.

Wetterdaten für die Industrie

Neben der Medienbranche kooperiert das Unternehmen vor allem mit Akteuren im Bereich der erneuerbaren Energien, maritimen Industrie, Offshore und Luftfahrt, die von genauen Prognosen stark abhängig sind. Im Laufe der Jahre hat StormGeo seine Vision für intelligente Wetterdienste stets verfolgt: „Wir können historische Wetterdaten mit Kundendaten kombinieren und durch maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz in Algorithmen umformen. So können wir digitale Entscheidungshilfen in einer zunehmend dem Wetter ausgesetzten Welt geben“, beschreibt Jostein Mælan, Vice President Renewables, das Geschäftsmodell.

In acht globalen Prognosezentren werden rund um die Uhr Kennzahlen wie Temperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit, Bewölkung, Wind oder Wellen analysiert. Diese Daten bilden die Grundlage für die Beratung zu wetterempfindlichen Vorgängen: Wie verhält sich die Bohrinsel zum Seegang? Welche Schiffsroute ist am besten? Und welcher Standort eignet sich für einen Windpark?

Beitrag zu einer grüneren Schifffahrt

Der maritime Sektor ist der größte Markt des Exportunternehmens: „Neben Informationen für den Offshore-Hubschrauberverkehr oder die Installation von Offshore-Windkraftanlagen ist die Wetterbeobachtung für jegliche Schiffstypen besonders nachgefragt“, so Mælan. Innerhalb eines Monats erhalten mehr als 8 400 Schiffe auf den Weltmeeren die Entscheidungshilfe von StormGeo.

Bei der Wahl einer Route wird die Geschwindigkeit eines Schiffes vom Wetter, Strömungen, Wellen sowie dem Bau und der Ladung beeinflusst. Optimierungsalgorithmen berechnen mehrere hundert mögliche Routen, um die sicherste und wirtschaftlich rentabelste Alternative zu finden. Wenn Schiffe hohe Wellen meiden und weniger Gegenstrom bekommen, spart dies nicht nur Zeit und Kosten, sondern senkt gleichzeitig den CO2-Ausstoß.

„Die Wetterindustrie und kommerzielle Wetterdienste befinden sich noch in einer frühen Phase der Geschäftsentwicklung. Bisher haben wir nur ausgewählte Bereiche und die intuitivsten Ideen für die Nutzung von Wetterdaten untersucht“, meint Mælan. In dieser Phase sei Innovation entscheidend. Seit der Unternehmensgründung fließen deshalb 20 Prozent des Umsatzes in Forschungs- und Entwicklungsprojekte: Ein Sechstel der Mitarbeiter, darunter Meteorologen, Ozeanographen, Datenwissenschaftler und Schiffsingenieure, beschäftigt sich mit Extremwertanalysen, optimierten Wettervorhersagemodellen oder statistischen Energieprognosen.

Das Wetter als Wettbewerbsfaktor

Durch Investitionen und Akquisitionen ist das Unternehmen schnell gewachsen und hat heute mehr als 400 Angestellte an 25 Standorten in 16 Ländern. 80 Prozent der Umsätze werden im Ausland erwirtschaftet und der Kurs steht auch weiterhin auf Expansion: „Der deutsche Markt ist sehr groß und gilt als Knotenpunkt in Europa. Daher gehört er zu unseren Zielmärkten für die Unternehmensbereiche Erneuerbare Energien und Schifffahrt“, so Mælan.

Trotzdem bleibt das Headquarter an der norwegischen Westküste. Bergen ist das Zentrum der Schifffahrts- und Offshore-Industrie und mit der Bergen School of Meteorology und dem Geophysikalischen Institut die Wiege der Wetterforschung. „Wir sind stolz darauf, dass die moderne Meteorologie ihre Wurzeln an einer der Küsten mit dem rauesten Wetter der Welt hat.“

Julia Pape