Historische Entwicklung des dualen Ausbildungssystems

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Der Erfolg des deutschen Berufsausbildungsmodells ist auf die Entwicklung Deutschlands als Handelsstaat zurückzuführen. Die Wurzeln der dualen Ausbildung gehen bis ins Mittelalter zurück, als im 12. Jahrhundert Handwerkszünfte in deutschen Handelsstädten gegründet wurden. Als Berufsvereinigungen etablierten die Zünfte das sogenannte Meistersystem (Lehrling-Geselle-Meister), auf dem die heutige berufliche Ausbildung basiert.

Auch in Norwegen entwickelte sich die berufliche Ausbildung nach dem Meistermodell aus der Zunftzeit. Die ersten technischen Abendschulen wurden im 19. Jahrhundert gegründet, bevor die Berufsschulen nach dem zweiten Weltkrieg diese Aufgabe übernahmen. Diese waren dem heutigen System der dualen Ausbildung in Deutschland sehr ähnlich: Auszubildende unterschrieben einen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen, in dem sie den Großteil der Woche verbrachten; die Berufsschule besuchten sie an ein bis zwei Tagen. Ab 1976 trat ein neues Gesetz in Kraft, das zu einer Umstrukturierung der beruflichen Ausbildung führte. Diese wurde nun in die Sekundarstufe II eingegliedert und enger an den Ausbildungsverlauf an weiterführenden Schulen geknüpft. Berufsschüler gingen von nun an zwei Jahre zur Schule und danach zwei Jahre als Lehrlinge in einen Betrieb.

In Deutschland dagegen entspricht die berufliche Ausbildung immer noch stark ihrer ursprünglichen Form: Statt auf formelle Unterrichtstunden wird auf die Zusammenarbeit mit und Anleitung durch erfahrene Handwerker sowie die Integration in die Arbeitsprozesse eines Unternehmens gesetzt. Die mittelalterlichen Handwerkszünfte sind die Vorläufer der heutigen Handelskammern, denen alle deutschen Unternehmen verpflichtend angehören. Sie haben eine wichtige organisatorische Rolle bei der dualen Ausbildung: Die Handelskammern wahren die Interessen der Unternehmen gegenüber dem Staat und begleiten Auszubildende als Ratgeber während ihrer Lehre. Durch diese korporative Organisationsform werden Ausbildung und Arbeitsleben noch enger miteinander verknüpft, wodurch die Fähigkeiten der zukünftigen Arbeitnehmer besser an die Anforderungen der Industrie angepasst sind.

Text: Hilde Bjørk, Übersetzung: Julia Pape